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Lernen von Robin Martin

Beziehungsqualität steigert Leistung

19. Mai 2016

Je besser die Beziehung zwischen Vorgesetztem und Mitarbeitern ist, desto höher ist die Arbeitsleistung, desto mehr engagieren sich die Beschäftigten freiwillig und desto seltener fallen sie unangenehm auf. Durch eine gute Arbeitsbeziehung werden Vertrauen und Motivation gestärkt. Das führt dazu, dass sich Mitarbeiter ins Zeug legen – so die Ergebnisse einer neuen Metaanalyse.

70er-Thema: maßgebliche Beziehung

Alle Hefte im ÜberblickRobin Martin ist Professor für Organisationspsychologie an der Universität Manchester. Gemeinsam mit Kollegen hat er sich angesehen, ob die Qualität der Beziehung zwischen Chef und Mitarbeiter die Arbeitsleistung beeinflusst. Die Ergebnisse druckte die Fachzeitschrift Personnel Psychology.

Vorgesetzte haben unterschiedliche Beziehungen zu ihren Beschäftigten. Die jeweilige Beziehungsqualität zwischen Chef und Mitarbeiter („leader-member exchange relationship quality“) dürfte maßgeblich die Arbeit bestimmen, so die Theorie der Austauschbeziehungen oder vertikalen Dyaden, die seit den 1970ern Verbreitung fand.

Das Team um Robert Martin stöberte nach bisherigen Studien zum Thema und fand 262 Untersuchungen. Diese fassten sie rechnerisch in einer Metaanalyse zusammen. Als Leistungsindikatoren dienten: 1) objektive Arbeitsleistung, 2) freiwilliges Arbeitsengagement, das über die vertragliche Verpflichtung hinausging, und 3) unternehmensschädigendes Verhalten.

„Ich hätte meinen Vorgesetzten gern zum Freund“

Beziehungsqualität ging mit Leistung einher. Die Beziehungsqualität zwischen Chef und Mitarbeiter wurde in den Studien mit Aussagen erhoben wie: „Mein Vorgesetzter ist ein Mensch, den man gern zum Freund hätte“ oder „Ich tue für meinen Vorgesetzten mehr, als ich nach meiner Arbeitsbeschreibung müsste.“ Wurden sie bejaht, lag eine gute Beziehung vor. Je besser die Beziehungsqualität, desto mehr leisteten die Mitarbeiter objektiv, desto mehr engagierten sie sich über Gebühr und desto seltener bestahlen sie das Unternehmen. Dieser Zusammenhang war äußerst robust.

Mehr Vertrauen, bessere Leistung

Vertrauen und Motivation erklärten den Effekt. Vertrauen war der Faktor, der den Beziehungseffekt auf die Leistung am besten erklärte und zwar zu 25 Prozent, was die Arbeitsleistung, und zu 94 Prozent, was das freiwillige Engagement anging. Weitere wichtige Variablen, die hineinspielten, waren die Motivation, die Arbeitszufriedenheit und die Beteiligung der Mitarbeiter an Entscheidungen. Zusammengefasst: 1) Wenn sich Chef und Mitarbeiter verstanden, vertrauten Letztere ihrem Vorgesetzten, waren motivierter, zufriedener und beteiligten sich mehr. 2) Dieses Vertrauen aktivierte, und die Beschäftigten leisteten mehr.

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Beziehungsqualität wirkte ursächlich. Schließlich stellten die Forscher noch Beziehung und Leistung zu einem ersten Messzeitpunkt beiden Größen zu einem zweiten Messzeitpunkt gegenüber. Ergebnis: Leistung führte nicht dazu, dass sich Chef und Mitarbeiter mehr mochten. Nur eine bessere Beziehungsqualität bestimmte späterhin, dass die Leistung zunahm. Beziehungsgestaltung war also in der Tat die Ursache für bessere Arbeit.

Führungsaufgabe: alle lieben

Die Beziehungsqualität bestimmt also maßgeblich die Arbeitsleistung. Die Forscher raten daher:

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Robin Martin (University of Manchester), Yves Guillaume (Aston University), Geoff Thomas (University of Surrey), Allan Lee (University of Manchester) & Olga Epitropaki (ALBA Graduate Business School and Aston University). (2016). Leader–Member Exchange (LMX) and Performance: A Meta-Analytic-Review. Personnel Psychology, 69, 67-121.

Wenn Führungskräfte wertschätzenden Humor nutzen, verbessert das die Beziehung zu ihren Mitarbeitern.

Im Themenschwerpunkt „Die Psyche des Chefs“ stehen neue Erkenntnisse zu Managercharakter, dunkler Triade der Persönlichkeit, emotionaler Kompetenz, Humor, Ärger und Selbstzweifeln.

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