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Lernen von Kate Leger

Pflichtbewusste bleiben unter Stress gelassener

12. Mai 2016

Wer pflichtbewusst ist, behält trotz Stress gute Laune. Ebenso wirken Geselligkeit und Offenheit. Jene, die sich häufig Sorgen machen, sind hingegen rasch niedergeschlagen, wenn etwas passiert. Neben diesen Eigenschaften kommt es beim Stresserleben auch darauf an, wie man die Auslöser bewertet. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung.

„Ängstlich, tatkräftig, mitfühlend?“

Alle Hefte im ÜberblickKate Leger von der University of California, Irvine, hat zusammen mit Kollegen untersucht, welche Persönlichkeitseigenschaften Stressfolgen abmildern, nachzulesen in der Online-First-Ausgabe des Journal of Personality and Social Psychology.

Sie werteten in zwei Studien die Daten von 2.022 Personen aus, die am repräsentativen „Midlife in the United States Survey“ teilnahmen und acht Tage lang einmal täglich telefonisch zu ihrem Stresserleben Auskunft gaben. Dabei wurden abgefragt:

Gefühlstief abgewehrt

Gewissenhaftigkeit dämpfte Stressfolgen. Drei Eigenschaften, nämlich Gewissenhaftigkeit, Extraversion und Offenheit, bewahrten davor, sich schlecht zu fühlen, wenn jemand Stress hatte. Dabei wirkte Gewissenhaftigkeit am stärksten (sie pufferte zu 11 Prozent schlechte Laune ab), gefolgt von Extraversion (8 Prozent) und Offenheit (5 Prozent). Alle drei beugten so dem „stressbedingten Gefühlstief (stressor-related negative affect)“ vor, wie die Autoren schreiben. Neurotizismus verstärkte hingegen negative Gefühle unter Stress und zwar um 16 Prozent.

Bewertung des Stressors war ausschlaggebend. Schließlich zeigte sich, dass die drei Bewertungen – Schwere, Beeinträchtigung und Kontrolle der Stressoren – mit hineinspielten. Sie erklärten immerhin 35 Prozent des Persönlichkeitseinflusses. Mit anderen Worten: Wenn jemand gewissenhaft, gesellig und offen war, bewertete er die Stressoren weniger schwerwiegend. Das führte dazu, dass er trotz Schwierigkeiten bei der Arbeit oder zu Hause einigermaßen zuversichtlich blieb.

Hoffnung für Neurotiker

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Die Persönlichkeit kann also davor bewahren, sich zu sehr von Alltagsproblemen runterziehen zu lassen. Die Forscher schreiben: „Menschen, die auf Stressoren mit starken negativen oder weniger positiven Gefühlen reagieren, haben ein größeres Risiko für spätere psychische oder körperliche Gesundheitsprobleme.“ Davor sind jene stärker gefeit, die pflichtbewusst, offen und ausgeglichen sind. Aber auch in sich gekehrten Neurotikern macht die Studie Hoffnung. Sie könnten dadurch profitieren, dass sie die alltäglichen Katastrophen anders oder gar nicht bewerten und so zu dem Schluss kommen: alles halb so wild, keine ernsthafte Bedrohung.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Kate A. Leger, Susan T. Charles (University of California, Irvine), Nicholas A. Turiano (West Virginia University) & David M. Almeida (The Pennsylvania State University). (2016, January 21). Personality and Stressor-Related Affect [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, Online First Publication.

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