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Lernen von Ursula Hess

Gefühle zurückhalten ist nur für Männer gut

21. April 2016

Emotional zurückhaltend zu sein, ist nur für Männer gut. Sie werden dann als gefühlskompetenter und intelligenter eingeschätzt. Frauen gelten als fähiger und scharfsinniger, wenn sie Gefühle spontan zeigen. Das fand ein Forscherteam um die Sozialpsychologin Ursula Hess heraus.

Kühle Männlichkeit

Alle Hefte im ÜberblickUrsula Hess lehrt Sozialpsychologie an der Humboldt-Universität Berlin. Zusammen mit Shlomo David und Shlomo Hareli von der Universität Haifa hat sie jetzt zwei Experimente zur Reserviertheit durchgeführt, nachzulesen in der Märzausgabe der Fachzeitschrift Emotion.

Unter emotionaler Zurückhaltung („emotional restraint“) verstanden die Psychologen, Gefühle in aufwühlenden Situationen kaum oder nur verzögert zu zeigen. Diese Kühle gilt besonders in westlichen Gesellschaften für Männer als erstrebenswerte Norm, gewissermaßen als „männliche Emotion“.

Verzögerte Wut

In beiden Experimenten sahen die insgesamt 117 Teilnehmer zunächst Bilder, die wütend oder traurig machten, z.B. von geschlachteten Robben. Dann sahen sie kurze Videos von Männern oder Frauen, wie sie auf eben diese Bilder reagierten. Ihre Wut sah man in ihrem Gesicht entweder sofort oder zeitlich verzögert. Daraufhin sollten die Teilnehmer im ersten Experiment einschätzen, für wie emotional intelligent sie die Bildbetrachter hielten. Im zweiten Experiment wurden sie nach deren allgemeiner Intelligenz gefragt.

Geschlechtereffekt bei Gefühlsausbrüchen

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Kühle Männer wirkten intelligenter. Männer wurden als emotional intelligenter und gescheiter eingeschätzt, wenn sie in dem Video zeitversetzt Wut oder Niedergeschlagenheit auf die Bilder zeigten. Diese männliche Reaktion wurde als ehrlicher und angemessener beurteilt als ein sofortiger Gefühlsausbruch.

Emotionale Frauen wirkten intelligenter. Frauen schienen hingegen gefühlskompetenter und scharfsinniger, wenn sich in ihrem Gesicht sofort Ärger oder Traurigkeit zeigten. Verzögerte Reaktionen wurden bei ihnen als unnatürlich angesehen und als strategisch oder aufgesetzt betrachtet.

Durch welche Gefühlsreaktion wirkt man also ehrlicher und fähiger? Ursula Hess fasst zusammen: „Bei Männern ist es die emotionale Zurückhaltung, bei Frauen die emotionale Spontaneität.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Ursula Hess (Humboldt University of Berlin), Shlomo David & Shlomo Hareli (University of Haifa). (2016). Emotional Restraint Is Good for Men Only: The Influence of Emotional Restraint on Perceptions of Competence [Abstract]. Emotion, 16 (2), 208-213.

Im Themenschwerpunkt „Die Psyche des Chefs“ stehen neue Erkenntnisse zu Managercharakter, dunkler Triade der Persönlichkeit, emotionaler Kompetenz, Humor, Ärger und Selbstzweifeln.

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