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Lernen von Amy Adler

Mentales Training hilft Soldaten

26. Februar 2016

Soldaten, die während der Grundausbildung ihr Denken durch mentales Training schulten, wurden im Vergleich zu einer Kontrollgruppe gelassener, routinierter und selbstbewusster. Soldatinnen und Sportler machten die Gedankenübungen auch körperlich fitter. Sie konnten schneller klettern, verbesserten sich im Zweimeilenlauf, schafften mehr Liegestütze und Sit-ups. Das zeigt eine neue US-amerikanische Studie.

Selbstgespräche üben, Ziele setzen

Alle Hefte im ÜberblickMentales Training bedeutet, dass man übt, zuversichtlicher zu denken und sich mehr zu konzentrieren, um bessere Leistungen zu erzielen. Sportler bereiten sich so auf Wettkämpfe vor. Was Sportlern nützt, könnte auch für Soldaten gut sein, dachte sich ein Forscherteam um Amy Adler vom Walter Reed Army Institute of Research.

Sie wählten 2.432 angehende Soldaten der U. S. Army in der grundlegenden Gefechtsausbildung aus und ließen einer Hälfte ein mentales Training zukommen. Die andere Hälfte bekam ein Kontrolltraining, in der die Teilnehmer etwas zur Militärgeschichte lernten.

Beide Trainings sahen so aus, dass dreimal pro Woche eine 20-minütige Sitzung über einen Zeitraum von insgesamt 10 Wochen stattfand. Zu Anfang dieser Frist und dreimal zwischendrin wurde geprüft, ob die Soldaten zuversichtlicher, selbstbewusster und fitter wurden. Die Bausteine des mentalen Trainings waren:

Gelöster, selbstsicherer

Soldaten wurden entspannter und routinierter. Soldaten, die mental trainiert wurden, verbesserten sich im Vergleich zu denen, die den Geschichtskurs besuchten, in vier von acht Mentalmaßen. Sie sprachen aufbauender zu sich selbst („Ich motiviere mich zu üben, indem ich mir gut zurede.“), entspannten sich häufiger („Ich übe Entspannungsverfahren, um meine Leistung zu verbessern.“), machten sich weniger Sorgen („Ich denke positiv.“) und entwickelten Gewohnheiten („Ich kann meine Fähigkeiten abrufen, ohne darüber nachzudenken.“). Keine Veränderungen gab es im Hinblick auf Gefühlskontrolle, Zielsetzung, Konzentration und Üben mit Vorstellungen.

Mental Trainierte wurden selbstbewusster. Soldaten, die ihr Denken schulten, wurden in psychologischer („Ich kann erfolgreich kritische Entscheidungen treffen.“) und in körperlicher Hinsicht („Ich kann meine körperlichen Fähigkeiten einsetzen, die notwendig sind, um meine Ziele zu erreichen.“) selbstbewusster als jene aus dem Geschichtskurs.

Fittere Soldatinnen und Sportler

Soldatinnen wurden fitter. Es gab einen Geschlechtereffekt, was die körperliche Fitness anging. Soldaten mit Gedankentraining wurden nicht besser. Aber mental trainierte Soldatinnen verbesserten sich deutlich. Im Gegensatz zu den Teilnehmerinnen im Geschichtsseminar erklommen sie leichter einen 20 Meter hohen Turm, hievten sich schneller an einem Seil hoch, balancierten müheloser über einen Baumstamm und schossen treffsicherer auf eine 4 Zentimeter große Zielscheibe. Außerdem waren sie im Zweimeilenlauf schneller und schafften mehr Sit-ups.

Sportler wurden besser. Schließlich zeigte sich noch ein Effekt der Vorerfahrung. Soldaten, die vor der Gefechtsausbildung schon häufig Sport trieben, half das mentale Training besonders. Sie waren verglichen mit Sportlern aus der Historikergruppe im Zweimeilenlauf 23 Sekunden schneller und schafften in zwei Minuten mehr Liegestütze und mehr Sit-ups.

Klein, aber deutlich

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Mentales Training machte Soldaten also gelassener und zuversichtlicher. Frauen und Sportler profitierten besonders. Die Autoren schreiben: „Zusammengenommen zeigten sich bei den zufällig zugewiesenen Gruppen kleine, aber statistisch bedeutsame Effekte dahingehend, dass das Gedankentraining als Bestandteil einer gängigen Weiterbildung (die grundlegende Gefechtsausbildung) die Leistung verbesserte. Unsere Ergebnisse zeigen auch, dass kognitive Fähigkeiten, die bei einer Mitarbeiterschulung wesentlich sind, wirksam unterrichtet werden können.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Amy B. Adler, Paul D. Bliese (Walter Reed Army Institute of Research, Silver Spring, Maryland), Michael A. Pickering, Jon Hammermeister (Eastern Washington University), Jason Williams (Research Triangle Institute, Research Triangle, North Carolina), Coreen Harada (Army Resiliency Directorate, Crystal City, Virginia), Louis Csoka (Apex Performance, Inc., Charlotte, North Carolina), Bernie Holliday & Carl Ohlson (United States Military Academy). (2015). Mental Skills Training With Basic Combat Training Soldiers: A Group-Randomized Trial. Journal of Applied Psychology, 100, 1752-1764.

Ehemaligen Soldaten, die aus dem Militärdienst ausscheiden mussten, gelang ein Karriereneustart besonders gut, wenn sie positiv dachten.

Selbstreflektierendes Nachdenken („Was fühle ich gerade?“) macht kreativ, brütendes Grübeln („Womit habe ich das nur verdient?“) hingegen depressiv.

Im Themenschwerpunkt „Umgang mit Umbrüchen“ geht es um Veränderungen, Wandlungskompetenz, Mitarbeiterführung, Willensstärke, Unternehmenskultur und Karrierewechsel.

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