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Lernen von Laura Francioli

Schlechte Führung fördert Mobbing

15. Februar 2016

Wenn Chefs ihre Mitarbeiter nicht fördern, die Arbeit schlecht verteilen und Konflikte aussitzen, führte das zu mehr Mobbing im Unternehmen. Zu diesem Schluss kommt eine dänische Studie. Bei schlechter Führung macht sich miese Stimmung breit. Diese schlägt immer mehr in Schikane um.

Ausgrenzen, schikanieren

Alle Hefte im ÜberblickEin Team Kopenhagener Forscher hat 1.664 dänische Angestellte befragt. Sie sollten sagen, wie ihr Chef führt, ob alle gut zusammenarbeiten und ob es Mobbing im Unternehmen gibt – „workplace bullying“, bei dem Mitarbeiter andere ausgrenzen, schikanieren, unter Druck setzen. Zwei Jahre später füllten sie den gleichen Fragebogen aus. Damit konnten die Wissenschaftler prüfen, was die Schikanen verursachte. Die Ergebnisse, die in der Onlineausgabe des Journal of Business Ethics stehen:

Grundübel Chef

Schlechte Führung bedingte Mobbing. Mitarbeiter, die eine geringe Führungsqualität feststellten („Mein unmittelbarer Vorgesetzter sorgt nicht dafür, dass sich Mitarbeiter weiterentwickeln können, achtet nicht auf Arbeitszufriedenheit, organisiert die Arbeit schlecht und löst nicht besonders gut Konflikte.“), klagten zwei Jahre später über mehr Mobbing im Unternehmen (z.B. „Alle Kollegen hören auf, sich zu unterhalten, wenn ich in den Raum komme.“). Durch die zeitversetzte Befragung ließ sich damit sagen: Schlechte Führung war eine Ursache dafür, dass sich Mitarbeiter schikanierten.

Miese Stimmung erklärte den Zusammenhang. Sie war das Bindeglied zwischen schlechter Führung und Mobbing. Führte der Vorgesetzte miserabel, war die Stimmung frostig („Die Atmosphäre ist nicht gut, die Kollegen arbeiten nicht zusammen, ich fühle mich dem Team nicht verbunden.“). Dieser mangelnde Teamgeist uferte schließlich darin aus, dass sich Mitarbeiter triezten.

Chefs müssen an sich arbeiten

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Die Forscher fassen zusammen: „Das Risiko von Schikane am Arbeitsplatz ist in solchen Firmen groß, in denen der Chef unfähig ist, für Entwicklungsmöglichkeiten zu sorgen, Arbeitszufriedenheit zu fördern, die Arbeit zu organisieren und Konflikte zu lösen.“

Sie fordern daher, dass Chefs unermüdlich daran arbeiten, ihre Mitarbeiterführung zu verbessern, z.B. durch Trainings. Eine wichtige Forderung der Studie: Führungskräftetrainings müssen immer Hand in Hand mit Maßnahmen zur Teamförderung gehen. Wenn Chefs daran arbeiten, wie man richtig führt, sollten Mitarbeiter gleichzeitig lernen, wie man über Gefühle spricht oder für gute Stimmung sorgt.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Laura Francioli, Paul Maurice Conway, Åse Marie Hansen, Ann-Louise Holten, Matias Brødsgaard Grynderup (University of Copenhagen), Roger Persson (University of Lund), Eva Gemzøe Mikkelsen (CRECEA, Aarhus), Giovanni Costa (University of Milan) & Annie Høgh (University of Copenhagen). (2015). Quality of Leadership and Workplace Bullying: The Mediating Role of Social Community at Work in a Two-Year Follow-Up Study [Abstract]. Journal of Business Ethics, Online First Articles.

Im Themenschwerpunkt „Umgang mit Umbrüchen“ geht es um Veränderungen, Wandlungskompetenz, Mitarbeiterführung, Willensstärke, Unternehmenskultur und Karrierewechsel.

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