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Lernen von Maya Tamir

Werte bestimmen Gefühle

29. Januar 2016

Vier grundlegende Werte bestimmen Gefühle, die als erstrebenswert gelten. Selbstlose wollen danach mitfühlen, Ichbezogene stolz sein, Entdeckerfreudige Begeisterung erfahren und Bewahrer gelassen sein. Diese Muster zeigten sich in acht Ländern.

Wertebezogene Gefühle

Alle Hefte im ÜberblickWerte sind übergeordnete Ziele. Gefühle zeigen uns an, inwieweit diese Ziele erreicht sind. Werte und erstrebenswerte Gefühle sollten daher zusammenhängen, vermuteten Maya Tamir von der Hebräischen Universität in Jerusalem und ihre Kollegen. In zwei Studien untersuchten sie diesen Zusammenhang. Die Ergebnisse stehen im Journal of Personality and Social Psychology.

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Die Forscher nahmen im Grundriss von Steuerung (sich selbst steuern oder etwas verändern) und Engagement (sich einsetzen oder absetzen) vier übergeordnete Werte an. Diese Werte sollten mit erwünschten Gefühlen einhergehen (siehe Abbildung). Selbstlose würden danach eher Vertrauen oder Mitgefühl empfinden wollen. Ichbezogene, die sich von anderen abgrenzen wollen, sollten Stolz bevorzugen und Ärger tolerieren. Entdeckerfreudige müssten gerne begeistert und neugierig sein und Bewahrer Gelassenheit und Angstfreiheit anstreben.

sich selbst steuern etwas verändern
sich einsetzen

Wert: Selbstlosigkeit

erwünschte Gefühle:
Vertrauen, Mitgefühl

Wert: Entdeckerfreude

erwünschtes Gefühle:
Begeisterung, Neugier
sich absetzen

Wert: Ichbezogenheit

erwünschte Gefühle:
Stolz, Ärger

Wert: Bewahren

erwünschte Gefühle:
Gelassenheit, wenig Angst
Wertebezogene Gefühle nach Maya Tamir et al. (2015).

In der ersten Studie untersuchten sie diese Zusammenhänge, indem sie 200 US-Amerikaner fünf Minuten über einen der vier Werte schreiben ließen. Danach füllten sie einen Fragebogen zu „erwünschten Gefühlen“ aus. In der zweiten Studie kreuzten 2.324 Studenten aus den USA, aus Brasilien, China, Deutschland, Ghana, Israel, Polen und Singapur einen Fragebogen zu persönlichen Werten und 26 erstrebenswerten Gefühlen aus.

Selbstlose Liebe

Selbstlose wollten mitfühlen. Personen, die in der ersten Studie über selbstlose Großzügigkeit schrieben, fühlten mehr Vertrauen. In der zweiten Studie ging Selbstlosigkeit in allen acht Ländern mit Liebe und Mitgefühl als erstrebenswerten Gefühlen einher.

Ichbezogene wollten stolz sein. In der ersten Studie drückten jene, die über den Wert ichbezogener Macht schrieben, mehr Ärger aus. In der Länderstudie zeigte sich, dass Ichbezogenheit mit mehr erwünschtem Stolz und Ärger einherging. Der größte Zusammenhang zwischen Ichbezogenheit und Stolz fand sich in China, der geringste in Brasilien.

Entdeckerfreudige suchten Begeisterung. In allen acht Ländern waren Begeisterung und Neugier an die Entdeckerfreude gekoppelt. In China war der Zusammenhang am stärksten, in Israel am schwächsten. In der Schreibstudie konnte das Ergebnis aber nicht bestätigt werden: Wer über Entdeckerfreude schrieb, war nicht begeisterter.

Bewahrer wollten gelassen sein. Teilnehmer, die über Stabilität schrieben, wollten Angst vermeiden. Auch in der Länderstudie versuchten Bewahrer Angst zu vermeiden. Außerdem wollten sie gelassener und entspannter sein. Das ließ sich in allen Ländern beobachten.

Ursächliche Werte

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Werte hingen also in acht Ländern mit angestrebten Gefühlen zusammen. Die Autoren ergänzen: „Diese Muster blieben bestehen, wenn Unterschiede im aktuellen emotionalen Erleben einbezogen wurden und sie zeigten sich weitestgehend in den Stichproben der unterschiedlichen Kulturen.“

Maya Tamir und ihre Kollegen nehmen auch an, dass Werte die Gefühle ursächlich bestimmen. Die Ergebnisse der ersten Studie sprechen für diese Kausalbeziehung. Das Schreiben über Werte (Ursache) veränderte das Ausmaß, in dem Gefühle als erwünscht angesehen wurden (Folge).

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Maya Tamir (The Hebrew University), Shalom H. Schwartz (The Hebrew University and National Research University), Jan Cieciuch (Cardinal Stefan Wyszýnski University), Michaela Riediger (Max Planck Institute for Human Development, Berlin, Germany), Claudio Torres (University of Brasilia), Christie Scollon (Singapore Management University), Vivian Dzokoto (Virginia Commonwealth University), Xiaolu Zhou (Shanghai Normal University) & Allon Vishkin (The Hebrew University). (2015). Desired Emotions Across Cultures: A Value-Based Account [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, Online First Publication.

Im Themenschwerpunkt „Umgang mit Umbrüchen“ geht es um Veränderungen, Wandlungskompetenz, Mitarbeiterführung, Willensstärke, Unternehmenskultur und Karrierewechsel.

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