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Lernen von Heather Gordon

Krankenschwestern gestalten ihren Job

15. Januar 2016

Kalifornischen und niederländischen Krankenschwestern half es, wenn sie ihren Job selbst gestalteten, so eine neue Studie. Wer etwa mit Kolleginnen Schichten tauschte oder sich bewusst komplizierten Patienten widmete, leistete mehr. Zentral war dabei die kollegiale Unterstützung. Krankenschwestern, die sie angaben, gestalteten ihre Arbeit mehr.

Sich selbst organisieren

Alle Hefte im ÜberblickKrankenschwestern arbeiten unter großem Druck. Stellen werden in Krankhäusern gestrichen, gleichzeitig sollen sie bei mehr Arbeit besonders fürsorglich sein. Viele Pflegefachkräfte versuchen daher, ihren Arbeitsplatz erträglicher zu gestalten. Zum Beispiel tauschen sie mit Kolleginnen Schichten oder organisieren für sich Gesundheitskurse.

Heather Gordon von der Technischen Universität Eindhoven nennt diese Jobgestaltung, die nicht vom Chef, sondern vom Mitarbeiter selbst ausgeht, Job Crafting. Zusammen mit Kollegen hat sie diese Gestaltung jetzt bei 70 kalifornischen und 144 niederländischen Krankenschwestern untersucht, nachzulesen im Journal of Personnel Psychology.

Die Krankenschwestern kreuzten in Fragebögen an, ob sie bei ihrer Arbeit mit Stress oder Unterstützung rechneten, welche Strategien zur Jobgestaltung sie einsetzten und wie sie ihre Leistung einschätzten. Dabei zeigten sich zwei Hauptergebnisse.

Um Hilfe bitten

Unterstützung durch Kollegen regte Jobgestaltung an. Wer von Kollegen berichtete, die einem halfen, und von Chefs, die Feedback gaben und versuchten, die Probleme der Mitarbeiter zu verstehen, gestaltete seine Arbeit mehr. Drei Gestaltungsstrategien gingen damit einher:

Gestaltungsstrategie „um Hilfe bitten“ steigerte Leistung. Dieser Ansatz war besonders wirksam. Krankenschwestern, die im Team um Hilfe baten, konnten ihren täglichen Aufgaben besser nachkommen („Ich höre mir die Sorgen der Patienten an.“) und steigerten sogar ihre Kreativität („Ich mag es, Aufgaben auf eine originelle Weise zu erledigen.“). Wer versuchte, Stress zu vermeiden statt zuzulassen, büßte bei der Leistung ein. Die Strategie „Herausforderungen suchen“ hing nicht mit erfolgreicher Arbeit zusammen. Alle Zusammenhänge waren in der US-amerikanischen und in der niederländischen Gruppe ähnlich.

Gutes Miteinander war zentral

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Dreh- und Angelpunkt guter Arbeit im Krankenhaus war also das gute Miteinander. Eine Umgebung mit helfenden Kolleginnen regte die eigene Jobgestaltung mehr an als Arbeitsdruck oder Ärger. Bei den Gestaltungsstrategien war es wiederum das Bitten um Hilfe, durch das die Krankenschwestern besser auf Patienten eingehen konnten und auf pfiffige Problemlösungen kamen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Heather J. Gordon, Evangelia Demerouti, Pascale M. Le Blanc (Eindhoven University of Technology) & Tanja Bipp (Open University, The Netherlands). (2015). Job Crafting and Performance of Dutch and American Health Care Professionals [Abstract]. Journal of Personnel Psychology, 14, 192-202.

Ziel der Arbeitsgestaltung sind Vielfalt der Tätigkeiten, Zusammenhang der Aufgaben, Bedeutsamkeit, Autonomie und Feedback.

Im Themenschwerpunkt „Umgang mit Umbrüchen“ geht es um Veränderungen, Wandlungskompetenz, Mitarbeiterführung, Willensstärke, Unternehmenskultur und Karrierewechsel.

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