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Lernen von Gianluca Carnabuci

Problemlöser sind in losen, Ideensucher in engen Netzwerken einfallsreicher

5. Januar 2016

Bei einer Befragung von Angestellten einer italienischen Möbelfirma kam heraus, dass Problemlöser (Adaptoren) eher in losen, Ideensucher (Innovatoren) hingegen in engen Netzwerken einfallsreicher waren. Insgesamt stärkten lockere und vielfältige Kontakte zu Kollegen und eine auf Ideensuche ausgerichtete Denkhaltung die Innovationskraft.

Kognitiver Stil abgefragt

Alle Hefte im ÜberblickGianluca Carnabuci ist Professor für Organisation und Management an der Universität Lugano in der Schweiz. Zusammen mit Bálint Diószegi hat er untersucht, wie sich kognitiver Stil und Arbeitsbeziehungen auf die Innovationskraft auswirken. Die Ergebnisse finden sich im Academy of Management Journal.

Die Managementforscher befragten 68 Angestellte einer italienischen Möbelfirma. Diese gaben an, zu welchen Kollegen sie lose oder enge Beziehungen hatten. Außerdem schätzten sie ihren „kognitiven Stil“ ein, eine Denkhaltung, die eher auf Problemlösung (sogenannte „Adaptoren“) oder Ideenfindung (sogenannte „Innovatoren“) gerichtet war. Beispielaussagen, denen die Befragten zustimmen konnten, waren: „Niemals ohne echte Befugnis handeln“ (Adaptoren) oder „Gerne jeden Augenblick die Routinen ändern“ (Innovatoren). Schließlich bewerteten die Vorgesetzten die Innovationskraft der Angestellten („Er entwickelt neue Ideen.“).

34 Prozent mehr für lose Adaptoren

Innovationskräftiger bei losem Netzwerk und innovativem Stil. Insgesamt zeigte sich, dass jemand kreativer und ideenreicher war, je loser sein Netzwerk und je innovativer sein Denkstil war. Angestellte, die sich nur moderat mit Kollegen austauschten, aber dennoch viele Kontakte hatten, wurden vom Vorgesetzten als kreativer eingeschätzt. Ebenso jene, die Probleme durch Ideensuche angingen.

Adaptoren brillierten in losem, Innovatoren in engem Netzwerk. Es gab aber auch ein Wechselspiel zwischen Netzwerk und Denkstil. Danach waren Adaptoren im losen Kollegenverbund am kreativsten, Innovatoren hingegen im engen Kollektiv mit vielen Gesprächen und regem Austausch. Im engen Netzwerk waren Innovatoren 15 Prozent innovativer als Adaptoren. Im losen Netzwerk waren Adaptoren 34 Prozent schöpferischer als Innovatoren.

Verbindlichkeit für Phantasten

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Bezüglich Innovationskraft profitierten Problemlöser also eher von losen, Ideensucher von engen Netzwerken. Die Erklärung der Forscher dafür: Vage und diverse Bindungen sind für akribische Adaptoren wie ein Kreativitätstraining, ihre Innovationskraft steigt. Enge und komplexe Bindungen sind für phantasiebegabte Innovatoren wie eine praxisorientierte Erdung, ihre Innovationskraft steigt gemessen an umsetzbaren Ideen ebenfalls.

Die wohl bemerkenswerteste Schlussfolgerung ist die, dass innovative Mitarbeiter eher von Verbindlichkeit im Kollektiv als von kreativer Unverbindlichkeit profitieren. „Zu wissen, dass Innovatoren am meisten in engen Netzwerken leisten, während Adaptoren strukturelle Lücken nutzen, kann Manager vor einer entsprechenden Fehleinschätzung bewahren“, schreiben die Autoren (S. 899).

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Gianluca Carnabuci (Università della Svizzera italiana [University of Lugano]) & Bálint Diószegi (ETH Zürich). (2015). Social Networks, Cognitive Style, and Innovative Performance: A Contingency Perspective [Abstract]. Academy of Management Journal, 58 (3), 881-905.

Hier geht’s zum Themenschwerpunkt „Umgang mit Umbrüchen“, in dem es um Veränderungen, Wandlungskompetenz, Mitarbeiterführung, Willensstärke, Unternehmenskultur und Karrierewechsel geht.

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