Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Lernen von Ronit Kark

Begeisternder Chef, zielbezogenes Streben

8. Dezember 2015

Im Rahmen von drei Studien wurde gezeigt, dass Führung durch Begeisterung ein zielbezogenes Streben der Mitarbeiter anstößt. Das wiederum führt zu einem besseren Sicherheitsverhalten. Führung durch Anreize ruft hingegen ein pflichtbezogenes Streben hervor, was fürs Sicherheitsverhalten eher abträglich ist.

Ziel- und pflichtbezogenes Streben

Alle Hefte im Überblick Ronit Kark von der Bar-Ilan Universität in Israel forscht zur Mitarbeiterführung. Zusammen mit Kollegen hat sie untersucht, ob die Motivation der Mitarbeiter die Wirkung des Führungsstils aufs Sicherheitsverhalten vermittelt. Die Ergebnisse stehen im Journal of Applied Psychology.

Die Autoren gingen von zwei grundsätzlichen Haltungen aus: einem zielbezogenen Streben („promotion focus“), bei dem positive Idealzustände angestrebt werden und einem pflichtbezogenen Streben („prevention focus“), das sich an Verpflichtungen orientiert und Gefahren abwehrt.

Die Autoren nahmen an, das Führung durch Begeisterung („transformational leadership“) eher das Zielstreben aktivieren sollte und Führung durch Anreize („transactional leadership“) eher das pflichtbezogene Streben. Beides sollte Auswirkungen aufs Sicherheitsverhalten haben.

Drei Studien

Um diese Annahme zu prüfen führten sie drei Studien durch. In der ersten füllten 175 Studenten Fragebögen zum Bestreben aus, nachdem sie entweder ein Szenario der begeisternden oder anreizbezogenen Führung bearbeitet hatten. In der zweiten beantworten 99 Angestellte aus dem Sicherheitsbereich Onlinefragebögen zu ihrer Führungskraft, ihrer Motivationslage und ihrem Sicherheitsverhalten. Ähnliche Fragebögen füllten in der dritten Studie 789 Angestellte und 49 Manager einer israelischen Sicherheitsfirma aus.

Starke Präsenz regte zur Umsicht an

Begeisternde Führung aktivierte Zielstreben. Wer von begeisternden Chefs berichtete („starke Präsenz“, „vermittelt eine optimistische Vision“, „spricht begeistert“, „hält sich an ethische Regeln“), wollte eher positive Ziele erreichen – so das Ergebnis aller drei Studien. Diese Haltung stieß schließlich mehr Sicherheitsverhalten an: „Ich engagiere mich dafür, Sicherheitspolitik und Sicherheitsmaßnahmen zu verbessern.“

Anreizbezogene Führung förderte Verpflichtungsstreben. Wer hingegen von Chefs berichtete, die Anreize setzten („informiert über Ziele und Aufgaben“, „äußert Erwartungen“, „sanktioniert bei Regelverstößen“, „betont den Nutzen von Leistung“), hielt sich eher an Verpflichtungen. Diese Einstellung wirkte aufs Sicherheitsverhalten uneindeutig. In Studie 2 hatte die Verpflichtungshaltung keine Folgen, in Studie 3 wurden die Mitarbeiter dadurch sogar nachlässiger.

Kreativität anregen

Geprüfte Fachinfos
in zwei neuen Ausgaben der Zeitschrift lesen –
mit 30% Preisvorteil.
Hier mehr erfahren.

Am besten war in Sicherheitsfirmen also transformationale Führung, die zu positiven Zielen und zu mehr Umsicht führte. Ronit Kark und ihre Kollegen fassen zusammen (S. 13):

„Die vorliegende Studie belegt das erste Mal, wie wichtig der Promotionsfokus für die Sicherheit in Organisationen ist. Alle drei Studien konnten zeigen, dass Mitarbeiter mehr Sicherheitsverhalten zeigen, wenn es Führungskräften gelingt bei ihnen den Promotionsfokus zu aktivieren.“

Führungskräften raten die Wissenschaftler:

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Ronit Kark (Bar-Ilan University), Tal Katz-Navon (The Interdisciplinary Center, Herzliya), & Marianna Delegach (Bar-Ilan University). (2015). The Dual Effects of Leading for Safety: The Mediating Role of Employee Regulatory Focus [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 100 (5), 1332-1348.

Positives Denken reicht nicht, um Ziele zu verwirklichen. Vielmehr sollte man auch die Hürden auf dem Weg dahin berücksichtigen.

Ziele motivieren mehr als die Vergütung. Das ist das Ergebnis mehrerer Feldexperimente, die Bonner Forscher durchführten.

Die Wahrscheinlichkeit, ein Ziel zu erreichen, hängt von folgenden Faktoren ab: Schwierigkeit und Formulierung des Ziels, Anstrengung, Ausdauer, Zielbindung und Selbstwirksamkeit.

Im Schwerpunkt „Kontakt und Beziehung“ werden neue Ergebnisse zu emotionaler Intelligenz, Mitarbeitergesprächen und inspirierenden Arbeitsbeziehungen vorgestellt.

Die Wirtschaftspsychologie aktuell im Schnupper-Abo testen.

Den monatlichen Newsletter der Zeitschrift bestellen.

Im Archiv ab 2001 blättern.