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Lernen von Michael Gielnik

Wer sich anstrengt, wird leidenschaftlicher

1. Dezember 2015

Wer sich bei der Arbeit anstrengt, entwickelt unternehmerische Leidenschaft. Wichtig ist dabei, dass man Erfolge verbuchen und seine Geschäftsideen selbst bestimmen kann, so das Ergebnis einer neuen Feldstudie und eines Experiments.

Leidenschaft durch Leistung

Alle Hefte im ÜberblickEin Team um Michael Gielnik von der Leuphana Universität Lüneburg hat untersucht, wie unternehmerische Leidenschaft entsteht. Die Ergebnisse finden sich im Academy of Management Journal.

Häufig wird angenommen, dass unternehmerischer Enthusiasmus eine unveränderliche Eigenschaft sei, die berufliche Erfolge bestimmt. Michael Gielniks Forscherteam nahm hingegen die umgekehrte Wirkrichtung an: Leidenschaft für unternehmerisches Handeln entsteht erst durch Leistung.

Unternehmer und Studenten

Diese Annahme untersuchten sie in einer achtwöchigen Feldstudie. Dabei gaben 54 Unternehmer wöchentlich Auskunft zu ihren Anstrengungen und ihrer Leidenschaft. Außerdem führten die Forscher ein Experiment mit 136 Studenten durch, die eine Geschäftsidee ausarbeiten sollten. Eine Gruppe konnte das Projekt selbst auswählen, einer anderen wurde es vorgeben. Außerdem bekam ein Teil von ihnen positives Feedback, ein anderer negatives Feedback auf die Ausarbeitung.

Mehr Anstrengung, mehr Leidenschaft

Je mehr Anstrengung, desto mehr Leidenschaft. In der Feldstudie und im Experiment zeigte sich, dass die Anstrengung die unternehmerische Leidenschaft bestimmte. Unternehmer, die in der vergangenen Woche besonders aktiv waren und im Unternehmen viel anstießen, äußerten danach eine größere Leidenschaft für ihren Beruf.

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Erfolg und Selbstbestimmung erklärten den Effekt. Im Experiment zeigte sich, dass das die beiden vermittelnden Größen zwischen Anstrengung und Leidenschaft waren. Nur wer positives Feedback erhielt und damit einen veritablen Erfolg verbuchen konnte, war nach der Ausarbeitung der Geschäftsidee leidenschaftlicher. Dieser Effekt verstärkte sich, wenn die Studenten sich ihre Idee selbst aussuchen konnten. Misserfolgserlebnisse durch negatives Feedback und ein verordneter Businessplan würgten die unternehmerische Passion ab.

Michael Gielnik fasst zusammen: „Unsere Ergebnisse zeigen, das unternehmerische Leidenschaft kein starres Persönlichkeitsmerkmal ist. Sie entwickelt sich vielmehr mit den ersten unternehmerischen Handlungen und Erfolgen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Michael M. Gielnik (Leuphana University of Lüneburg), Matthias Spitzmuller (Queen’s University and National University of Singapore), Antje Schmitt (University of Kassel), D. Katharina Klemann (Klemann Consultancy) & Michael Frese (National University of Singapore). (2015). “I Put in Effort, Therefore I Am Passionate”: Investigating the Path from Effort to Passion in Entrepreneurship [Abstract]. Academy of Management Journal, 58 (4), 1012-1031.

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