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Lernen von Florencia Sortheix

Arbeitswerte beeinflussen Berufsfindung

30. November 2015

Intrinsische Arbeitswerte, die sich auf das Interesse an der Arbeit richten, beeinflussen die spätere berufliche Passung. Extrinsische Werte, die sich an Einkommen oder Aufstieg orientieren, verhindern, dass man arbeitslos wird. Dieses Muster fanden finnische Forscherinnen bei jungen Erwachsenen, die ihren ersten Job antraten.

415 junge Erwachsene

Alle Hefte im ÜberblickDie Psychologin Florencia Sortheix forscht an der Universität Helsinki zu Werten. Jetzt hat sie mit Kolleginnen im Journal of Vocational Behavior Ergebnisse einer Längsschnittstudie veröffentlicht, bei der Arbeitswerte und Berufsfindung junger Erwachsener untersucht wurden.

Die Forscherinnen werteten Befragungsdaten der auf mehrere Jahre angelegten „Finnish Educational Transitions Study“ aus. Sie schauten sich die Antworten von 415 jungen Erwachsenen zu zwei Zeitpunkten an: 2008, als sie 20 oder 21 Jahre alt waren und studierten beziehungsweise einen Beruf erlernten, und 2011, als die 22- oder 23-Jährigen ihren ersten Job hatten.

Von innen oder außen gelenkt

Zum ersten Zeitpunkt wurden zwei Arten von Arbeitswerten abgefragt: intrinsische Werte, die sich auf von innen kommende Freude und Interessen bezogen („Meine Berufswahl wird davon beeinflusst, ob mir der Job eine interessante Arbeit bietet.“, S. 165), und extrinsische Werte, die auf von außen kommende Belohnung oder Sicherheit gerichtet waren („Meine Berufswahl ist davon abhängig, ob mir der Job ein gutes Einkommen/gute Chancen zur Beförderung/gute Aussichten auf zukünftige Beschäftigung bietet.“). Wie beeinflussten diese Werte die Beschäftigung zwei Jahre später?

Je interessierter, desto passender

Intrinsische Werte verbesserten Passung. Wer sich seinen Beruf interessen- und freudegeleitet aussuchte, gab bei der zweiten Befragung eine bessere Person-Berufs-Passung an („Inwieweit stimmen Ihre Fähigkeiten und Ihr Wissen mit den Anforderungen bei Ihrer Arbeit überein?“). Intrinsische Werte hatten keinen Einfluss darauf, ob man später häufiger Arbeit hatte oder nicht.

Extrinsische Werte beeinflussten Beschäftigungsstatus. Studierende, die ihre Laufbahn von Einkommen oder Aufstiegsmöglichkeiten abhängig machten, waren in der zweiten Befragung seltener arbeitslos. Jene, die aber einen möglichst sicheren Job haben wollten, waren zwei Jahre später häufiger arbeitslos. Extrinsische Werte hatten keinen Einfluss auf die Person-Berufs-Passung.

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Wer darauf schaut, was er später verdient, findet nach seiner Ausbildung häufiger einen Job. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass sich langfristig eher intrinsische Werte auszahlen. Lust an der Arbeit macht über Jahrzehnte hinweg zufriedener als monatlich einen bestimmten Lohn überwiesen zu bekommen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Florencia M. Sortheix (Department of Social Research, University of Helsinki, Finland), Angela Chow (Department of Applied Health Science, Indiana University) & Katariina Salmela-Aro (Cicero Learning, University of Helsinki, Finland). (2015). Work values and the transition to work life: A longitudinal study [Abstract]. Journal of Vocational Behavior, 89, 162-171.

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