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Lernen von Lillian Eby

Gut, wenn sich Mentor und Protegé ähneln

23. November 2015

Mentoring ist erfolgreich, wenn dreierlei gegeben ist: Mentor und Protegé sind gleichermaßen bindungssicher, der Protegé denkt, dass er seinem Mentor ähnelt, und er identifiziert sich mit ihm. Bindungssicherheit, Ähnlichkeit und Identifikation führen schließlich zu mehr beruflichem Engagement, so eine Befragung US-amerikanischer Forscherinnen.

Anderen gefühlsmäßig nah sein

Alle Hefte im ÜberblickDie Mentoringforscherin Lillian Eby von der Universität Georgia zeigte vor zwei Jahren in einer großen Übersichtsstudie, dass die Wahrnehmung von Mitarbeitern, die einen Mentor haben, entscheidend für den Erfolg des Mentorings ist. Diese Erkenntnisse hat sie jetzt in einer neuen Studie vertieft, die im Journal of Vocational Behavior abgedruckt ist.

Zusammen mit Melissa Mitchell und Belle Rose Ragins befragte sie 82 Protegés und ihre Mentoren, die in einer Universitätsverwaltung arbeiteten. Mentor und Protegé standen in einer Arbeitsbeziehung, bei dem der erfahrenere dem unerfahrenen Mitarbeiter Wissen weitergab, was einem Mentoring entsprach. Beide wurden zu folgenden Einflussgrößen befragt:

Der Protegé sollte außerdem angeben:

Je ähnlicher, desto engagierter

Die Bindungssicherheit bestimmte die Ähnlichkeit. Wenn die Bindungssicherheit entweder bei Mentor und Protegé stark oder bei beiden schwach ausgeprägt war, nahm der Mentee eine größere Ähnlichkeit zum erfahrenen Mitarbeiter wahr. Die Neigung, sich über Beziehungen zu definieren, beeinflusste die wahrgenommene Ähnlichkeit nicht.

Die Identifikation mit dem Mentor erklärte die positiven Folgen. Sie war das Bindeglied zwischen der wahrgenommenen Ähnlichkeit und den positiven Folgen des Mentorings. Protegés, die sich ihrem Mentor ähnlich sahen, identifizierten sich stärker mit ihm. Das wiederum stärkte das berufliche Engagement. Mentees fühlten sich dann stärker ans Unternehmen gebunden, waren engagiert und stolz auf ihre Karriere.

Sich mit dem Mentor identifizieren

Die wahrgenommene Ähnlichkeit zum Mentor und die Identifikation mit ihm waren also die zentralen Wirkgrößen für die positiven Folgen des Mentorings. Voraussetzung für die wahrgenommene Ähnlichkeit war, dass Mentor und Mentee hinsichtlich ihrer Bindungssicherheit übereinstimmten. Die Psychologinnen schlussfolgern (S. 8):

„Aus praktischer Perspektive stützen unsere Ergebnisse die Idee, dass es in Mentoringbeziehungen wichtig ist, wahrgenommene Ähnlichkeit und Identifikationsmöglichkeiten („role modeling“) zu fördern.“

Alles persönlicher

Um die Gemeinsamkeiten von Mentor und Mentee zu betonen, schlagen Lillian Eby und ihre Kolleginnen daher Folgendes vor:

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Persönliches teilen. Mentoren sollten immer wieder auch mal über Privates sprechen und auch ihre Protegés dazu ermuntern. Was fühlt man gerade? Welche Hobbys entspannen einen? Wer sich öffnet, wirkt sympathischer, und Gemeinsames kann so besser erkannt werden.

Persönlichere Mentoringprogramme. Unterstützer und Mentee könnten z.B. Persönlichkeitsfragebogen ausfüllen und danach über Gemeinsamkeiten reden. Oder sie kritzeln auf Arbeitsblätter ihre bisherigen Berufserfahrungen und sprechen darüber. Diese Übungen sollten Teil von Mentoringprogrammen in Unternehmen sein.

Hierarchien abbauen. Die Position im Unternehmen außen vor lassen, sich auf Augenhöhe begegnen, nicht besserwisserisch sein, locker miteinander reden – all das baut Hierarchien ab und ist gut für die Mentoringbeziehung.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Melissa E. Mitchell, Lillian T. Eby (Department of Psychology, University of Georgia) & Belle Rose Ragins (Sheldon B. Lubar School of Business, University of Wisconsin-Milwaukee ). (2015). My Mentor, My Self: Antecedents and Outcomes of Perceived Similarity in Mentoring Relationships [Abstract]. Journal of Vocational Behavior, 89, 1-9.

Lillian Turner de Tormes Eby, Tammy D. Allen, Brian J. Hoffman, Lisa E. Baranik, Julia B. Sauer, Sean Baldwin, M. Ashley Morrison, Katie M. Kinkade, Charleen P. Maher, Sara Curtis & Sarah C. Evans (2013). An Interdisciplinary Meta-Analysis of the Potential Antecedents, Correlates, and Consequences of Protégé Perceptions of Mentoring [Abstract]. Psychological Bulletin, 139, 441-476.

Im Schwerpunkt „Kontakt und Beziehung“ werden neue Ergebnisse zu emotionaler Intelligenz, Mitarbeitergesprächen und inspirierenden Arbeitsbeziehungen vorgestellt.

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