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Lernen von Kate Lee

40 Sekunden Gartenbild ansehen, schon konzentrierter

12. November 2015

Wer nur 40 Sekunden lang am Computer auf ein Bild eines grünen Dachgartens blickte, wurde konzentrierter und machte weniger Fehler als jemand, der ein Betondach betrachtete. Das fanden Melbourner Dachgartenforscher heraus.

Pfeiltaste nach Bildschirmfoto

Alle Hefte im ÜberblickKate Lee von der Universität Melbourne untersucht, wie sich Dachgärten auf die Psyche auswirken. Entspannen sie genauso wie Parks ohne Gebäude? Dazu hat sie mit Kolleginnen ein Experiment durchgeführt. Die Ergebnisse brachte das Journal of Environmental Psychology. Auch die Harvard Business Review berichtete.

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Die Forscher setzten 150 Studenten vor einen Computer. Diese sahen 5,5 Minuten lang 225 Ziffern und sollten jeweils die linke Pfeiltaste drücken, wenn es keine Drei war. Danach schaute eine Hälfte 40 Sekunden lang auf ein Bildschirmfoto, das ein unbegrüntes Dach umgeben von Hochhäusern zeigte. Die andere Hälfte sah ebenso lang das gleiche Foto, jetzt aber mit grünem Dachgarten, auf dem hohes Gras und gelbe Blumen wuchsen. Danach drückten alle Studenten noch einmal die Tasten zu den gezeigten Zahlen. Gemessen wurde, wie unterschiedlich die Reaktionszeiten waren (große Unterschiede entsprachen mangelnder Konzentration), und wie häufig sie vergaßen, die Pfeiltaste zu drücken.

Energetische Dachlandschaft

Dachgartenbetrachter wurden aufmerksamer. Teilnehmer, die den Dachgarten betrachteten, hatten im zweiten Durchgang um fünf Prozent regelmäßigere Reaktionszeiten. Sie waren also konzentrierter als im ersten Durchgang. Außerdem konnten sie ihre Aufmerksamkeit um 21 Prozent besser steuern als jene, die auf das leere Dach schauten. Letztere wurden dadurch im zweiten Durchgang sogar um acht Prozent schlechter. 40 Sekunden lang einen Dachgarten betrachten, verbesserte also die Aufmerksamkeit. Der Blick auf bloßen Beton verschlechterte sie.

Dachgartenbetrachter machten weniger Fehler. Studenten, die auf den begrünten Hochhausgarten blickten, machten deutlich weniger Fehler als jene, die das Steindach sahen. Bei letzteren nahm die Fehlerrate nach dem Betrachten des tristen Dachs rasant zu. Sie vergaßen im zweiten Durchgang häufiger als im ersten, auf die Taste zu drücken. Jene mit Gartenblick machten in der zweiten Runde Tastendrücken nicht mehr Fehler.

Elektronisches Grün reicht

Weniger als eine Minute lang auf ein Dach mit Wiese zu blicken, machte also konzentrierter und senkte die Fehlerquote. Die Forscherinnen raten daher zu:

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Mikroabschweifen. Es muss keine große Unterbrechung sein. Auch durch Mikropausen im Sekundenbereich kann man sich sammeln. Diese „dürften Mitarbeitern helfen, ihre Aufmerksamkeitsressourcen […] am Arbeitsplatz wieder zu bündeln“, wie die Autoren schreiben (S. 187).

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Grün reicht. Ebenso wenig muss es ein vollendeter Landschaftsgarten sein, der beflügelt. Der Blick in einen Winkel städtischen Grüns reicht, ob auf den Dachgarten oder zur Balkonblume. Ja selbst „Computerhintergründe oder Bildschirmschoner, die einen Blick auf eine virtuelle Natur gewähren“ (S. 187), könnten entspannen. Auch der Dachgarten im Experiment flackerte ja nur am Bildschirm.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Kate E. Lee, Kathryn J. H. Williams, Leisa D. Sargent, Nicholas S. G. Williams & Katherine A. Johnson (University of Melbourne). (2015). 40-second Green Roof Views Sustain Attention: The Role of Micro-Breaks in Attention Restoration [Abstract]. Journal of Environmental Psychology, 42 182-189.

Nicole Torres (2015). Defend Your Research. Gazing at Nature Makes You More Productive: An Interview with Kate Lee. Harvard Business Review, September/2015, 32-33.

Um konzentrierter und motivierter zu werden, sollte man während einer Pause nur das tun, wozu man wirklich Lust hat. Frühzeitige Pausen schonen außerdem die Energiereserven.

Japanische Angestellte, die nur zehn Minuten pro Woche drei freudvolle Erinnerungen notierten, wurden glücklicher, konzentrierter und gelassener.

Im Schwerpunkt „Kontakt und Beziehung“ werden neue Ergebnisse zu emotionaler Intelligenz, Mitarbeitergesprächen und inspirierenden Arbeitsbeziehungen vorgestellt.

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