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Lernen von Rodica Ioana Damian

Intelligenz kann prekäres Elternhaus ausgleichen

9. November 2015

Intelligenz sagt Berufserfolg am besten vorher, gefolgt vom sozioökonomischen Status der Eltern und der Persönlichkeit. Hohe Intelligenz kann dabei die nachteilige Wirkung eines prekären Elternhauses ausgleichen. Das haben Forscher aus Illinois herausgefunden, die Längsschnittdaten aus den 60er Jahren analysierten.

Von 1960 bis 1971

Alle Hefte im ÜberblickRodica Ioana Damian, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der University of Illinois, und ihre Forscherkollegen haben die Daten einer früheren Längsschnittstudie erneut ausgewertet. Ihre Ergebnisse sind im Journal of Personality and Social Psychology nachzulesen.

Sie nahmen sich die Daten der Studie „Project Talent“ vor, bei der 1960 High-School-Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren und 1971 nochmal als 25- bis 28-Jährige befragt wurden. Insgesamt lagen ihnen Daten von 81.075 Personen vor. Die Forscher untersuchten, wie sich drei Variablen aus dem Teenageralter (Intelligenz, Persönlichkeit und der sozioökonomische Status der Eltern) auf drei Kriterien des Berufserfolgs im Erwachsenenalter (erreichter Bildungsstatus, Jahreseinkommen, Prestige des Berufs) auswirkten.

Nichts ging über die Intelligenz

Die Intelligenz bestimmte deutlich den Berufserfolg. Die Intelligenz der Teenager sagte deutlich alle drei Erfolgskriterien elf Jahre später voraus, vor allem den Bildungsstatus (z.B. Masterabschluss) und das Ansehen des Berufs (z.B. Pilot oder Zahnarzt). Die Intelligenz war ein deutlich besserer Vorhersagefaktor als alle Persönlichkeitsfacetten und etwas bestimmender als der Status der Eltern. Die Intelligenz konnte sich zudem verstärkend oder ausgleichend im Hinblick auf das Elternhaus auswirken. Wer reiche Eltern hatte, profitierte besonders von seiner Intelligenz und erreichte sowohl einen hohen Bildungsabschluss als auch einen prestigeträchtigen Beruf (Matthäus-Effekt: „Wer da hat, dem wird gegeben.“). Wer in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, konnte das im Hinblick aufs spätere Jahreseinkommen wettmachen (Substitutionseffekt). Aus den ärmsten Familien verdienten die Intelligentesten später 39 Prozent mehr als die Unintelligenten.

Moderater Persönlichkeitseinfluss

Die Persönlichkeit bestimmte den Berufserfolg weniger stark. Alle fünf erfassten Persönlichkeitsfacetten sagten Bildungsstatus, Einkommen und Berufsprestige mit kleiner Effektstärke vorher. Etwas erfolgreicher war demnach, wer als Teenager gesellig, gewissenhaft, angepasst, ausgeglichen und neugierig war. Geselligkeit, Gewissenhaftigkeit und Angepasst konnten ein prekäres Elternhaus moderat ausgleichen, was den späteren Erfolg anging. Diese Ausgleichseffekte verschwanden jedoch, wenn die Intelligenz eingerechnet wurde. Die Persönlichkeitseigenschaften wirkten sich auch allesamt deutlich schwächer auf die drei Erfolgskriterien aus als der sozioökonomische Status der Eltern.

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Der aussagekräftigste Vorhersagefaktor für den späteren Erfolg war also die Intelligenz. Am zweitwichtigsten war der sozioökonomische Status der Eltern. Persönlichkeitseigenschaften hatten die schwächste Vorhersagekraft. Hochintelligente konnten die Folgen ihrer prekären Herkunft abmildern. Die Autoren (S. 488):

„Obwohl Persönlichkeitseigenschaften halfen, nachteilige Familienverhältnisse etwas auszugleichen, war es doch kein wirklicher Ausgleich. Anders hingegen die Intelligenz, bei ihr zeigte sich ein voller Ausgleichseffekt.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Rodica Ioana Damian (University of Illinois at Urbana-Champaign), Rong Su (Purdue University), Michael Shanahan (University of North Carolina at Chapel Hill), Ulrich Trautwein (University of Tübingen) & Brent W. Roberts (University of Illinois at Urbana-Champaign). (2015). Can Personality Traits and Intelligence Compensate for Background Disadvantage? Predicting Status Attainment in Adulthood [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, 109 (3), 473-489.

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