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Lernen von Songqi Liu

Berufsanfänger lernen Alkoholmissbrauch von Kollegen

29. Oktober 2015

Schon nach sechs Monaten lernen Berufsanfänger im Kundendienst den Alkoholmissbrauch von Kollegen. Sie nehmen z.B. mehr als fünf Drinks zu sich, wenn sie mit Kunden reden, oder trinken in ihrer Freizeit so viel, dass sie sich an die Nacht vorher nicht mehr erinnern können. Das ist das Ergebnis einer neuen Längsschnittstudie.

147 Berufsanfänger befragt

Alle Hefte im ÜberblickEin Team um Songqi Liu von der Pennsylvania State University hat untersucht, wie sich Berufsanfänger angewöhnen zu trinken. Ihre Ergebnisse lassen sich im Academy of Management Journal nachlesen. Die Psychologen befragten 147 Berufsanfänger in einem chinesischen Industriebetrieb, außerdem 187 ihrer älteren Kollegen und die Leiter der 57 Teams, in denen sie arbeiteten. Die Newcomer arbeiteten im Kundenservice, trafen sich mit Kunden, verhandelten mit ihnen, bearbeiteten Beschwerden. Abgefragt wurde, was die älteren Kollegen über Alkohol dachten, ob die neuen Mitarbeiter tranken, um ihre Leistung zu steigern, und ob bei ihnen Anzeichen von Alkoholmissbrauch auszumachen waren. Die neuen Mitarbeiter wurden innerhalb von sechs Monaten dreimal befragt, sodass ihre Entwicklung nachvollzogen werden konnte. Die Hauptergebnisse:

Alkohol, um Vertrauen zu gewinnen

Kollegennormen regten zum Alkoholmissbrauch an. Nach nur sechs Monaten war das Trinkverhalten der neuen Kollegen schon von den Normen der Seniormitarbeiter geprägt. Was Kollegen über den Alkoholkonsum dachten, die schon länger im Unternehmen waren („In unserem Team wird mit Kunden Alkohol getrunken, um deren Vertrauen zu gewinnen.“), sagte den Alkoholmissbrauch der neuen Mitarbeiter vorher (S. 342). Alkoholmissbrauch war als regelmäßiges schädigendes Trinken oder körperliche Abhängigkeit definiert. Er wurde z.B. mit der Frage erfasst: „Wie oft konnten Sie sich während des letzten Jahres nicht mehr daran erinnern, was die Nacht über passierte, wenn Sie getrunken hatten?“ mit den Antwortmöglichkeiten von „niemals“ bis „fast täglich“ (S. 343).

Hartes Trinken im Beisein von Kunden

Trinkmotive und Trinkverhalten erklärten den Zusammenhang. Die Motive und das Verhalten der Neuen waren das Bindeglied zwischen ihrem Alkoholmissbrauch und den Verhaltensnormen der Älteren. Wer Kollegen im Team hatte, die Alkohol guthießen, war motiviert, Hochprozentiges zur Leistungssteigerung einzusetzen („Ich trinke Alkohol, um besser zu arbeiten.“). Diese Motive führten häufig zum „work-based heavy drinking“, also zum harten Trinken bei der Arbeit. Das lag vor, wenn fünf oder mehr alkoholhaltige Getränke im Beisein von Kunden zu sich genommen wurden. Das harte Trinken war wiederum die Ursache für den Alkoholmissbrauch, der am Ende der Untersuchung gemessen wurde.

Schlagkräftiges Management vonnöten

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Nur ein halbes Jahr und die Neuen hatten von Kollegen gelernt, dass sie sich am besten betrinken sollten, um mehr zu leisten, um mit Kunden ins Gespräch zu kommen. So sah also die „dunkle Seite ihrer Sozialisation“ aus. Um gegenzusteuern fordern die Autoren:

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Songqi Liu (Pennsylvania State University), Mo Wang (University of Florida), Peter Bamberger (Tel Aviv University), Junqi Shi (Sun Yat-sen University) & Samuel B. Bacharach (Cornell University). (2015). The Dark Side of Socialization: A Longitudinal Investigation of Newcomer Alcohol Use [Abstract]. Academy of Management Journal, 58 (2), 334-355.

Drogenkonsum setzt die Kreativität herab, wie sich am Beispiel des Sänger Jim Morrison zeigt. Die Fähigkeit, Ideen auszuarbeiten, ist schon durch kleinste Mengen Alkohol eingeschränkt.

Selbst Personen mit Alkohol- und Drogenproblemen, mit Depressionen oder körperlichen Erkrankungen sehen noch einen ausgeprägten Sinn in ihrem Leben.

Im Schwerpunkt „Kontakt und Beziehung“ werden neue Ergebnisse zu emotionaler Intelligenz, Mitarbeitergesprächen und inspirierenden Arbeitsbeziehungen vorgestellt.

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