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Lernen von Joseph Chancellor

Glücklicher durch zehn Minuten Freudetraining

22. Oktober 2015

Japanische Angestellte, die nur zehn Minuten pro Woche drei freudvolle Erinnerungen notierten, wurden im Vergleich zu einer Kontrollgruppe glücklicher, konzentrierter und gelassener. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Cambridge-Universität.

Freude eintippen

Alle Hefte im ÜberblickJoseph Chancellor von der University of Cambridge sowie Kristin Layous und Sonja Lyubomirky von der University of California, Riverside, haben mit Mitarbeitern des japanischen Maschinenbauers Hitachi ein Freudetraining durchgeführt. Sie berichten darüber im Journal of Happiness Studies.

Dabei führten 15 Angestellte Freudeübungen durch, 17 bekamen ein Kontrollgruppentraining ohne Wirkfaktor. Das Freudetraining sah so aus:

Die Mitarbeiter in der Kontrollgruppe listeten zehn Minuten pro Woche Aufgaben auf, die sie in den vergangenen Tagen erledigt hatten. Dabei sollten sie vermeiden, über Gefühle zu schreiben. Dieses Prüftraining dauerte auch sechs Wochen.

Mehr glückliche Menschen

Das Freudetraining machte glücklicher. Auch noch vier Wochen nach den Minifreudeübungen waren die Mitarbeiter deutlich glücklicher als jene in der Kontrollgruppe („Ich bin ein sehr glücklicher Mensch.“). Wer dabei die freudvollen Ereignisse möglichst ausführlich beschrieb – „Mein Kollege kochte mir heute Morgen Kaffee und sorgte damit für einen guten Start in den Tag.“ – konnte sein Glück mehr steigern als jemand, der nur lapidar „Kaffee“ notierte (S. 878).

Konzentrierter durch positive Erinnerungen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe arbeiteten Mitarbeiter, die besonders ausführlich ihre Glückskladde führten, konzentrierter. Sie bewegten sich zu Beginn des Arbeitstages mehr, trafen sich seltener mit anderen Kollegen und verließen früher das Büro (im Durchschnitt arbeiteten die Teilnehmer 10,6 Stunden pro Tag). Wer fleißig arbeitete und sich viel bewegte, erlebte auch mehr Flow: „Ich bin ganz vertieft in das, was ich gerade mache.“

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Sechsmal zehn Minuten für drei schöne Erinnerungen machten japanische Angestellte glücklicher, konzentrierter und gelassener, sodass sie deutlich früher die Bürotür hinter sich schlossen. Die Autoren fassen zusammen (S. 882):

„Übereinstimmend mit vorangegangenen Studien zu positiven Aktivitäten, wurden die Teilnehmer, die sich jede Woche an freudvolle Ereignisse erinnerten, glücklicher als jene, die nur erledigte Aufgaben notierten.“

Das Team um Joseph Chancellor füllte mithin drei Forschungslücken. Es hat ein Freudetraining live am Arbeitsplatz getestet. Mit einem innovativen Sensor wurden objektive Verhaltensmaße und nicht nur subjektive Fragebogenkreuzchen erfasst. Die Wirkung eines Glückstrainings wurde bei asiatischen Menschen bestätigt, die sonst nicht besonders darauf ansprechen (wohl weil sie nicht so vernarrt in eine egomanische Glücksmaximierung sind wie Abendländler).

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Joseph Chancellor (University of Cambridge), Kristin Layous & Sonja Lyubomirsky (University of California, Riverside). (2015). Recalling Positive Events at Work Makes Employees Feel Happier, Move More, but Interact Less: A 6-Week Randomized Controlled Intervention at a Japanese Workplace [Abstract]. Journal of Happiness Studies, 16 (4), 871-887.

Im Schwerpunkt „Kontakt und Beziehung“ werden neue Ergebnisse zu emotionaler Intelligenz, Mitarbeitergesprächen und inspirierenden Arbeitsbeziehungen vorgestellt.

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