Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Lernen von Dan Chiaburu

Ideen scheitern am Chef

14. Oktober 2015

In einem Experiment sollten Teilnehmer in der Chefrolle neue Ideen eines Mitarbeiters bewerten. Ergebnis: Wenn der Chef rechthaberisch und wenig einfühlsam war, fielen bei ihm auch konstruktiv formulierte Ideen durch.

Konstruktiver und jammernder Ton

Alle Hefte im ÜberblickDan Chiaburu, Assistenzprofessor für Management an der Texas A&M University, hat zusammen mit Kollegen im Journal of Personnel Psychology die Studie „Macht es etwas aus, wie ich es sage?“ veröffentlicht.

Darin ließen sie 153 Studenten Chef spielen. Sie sollten dabei eine E-Mail bewerten, die von einem fiktiven Untergebenen geschrieben wurde. Darin stand, wie die langweilige Aufgabe des Briefe-Eintütens verbessert werden könnte. Diese Idee war entweder konstruktiv oder jammernd formuliert.

Gemessener Starrsinn

Gemessen wurde, wie rechthaberisch der bewertende „Chef“ war („Ich weiß genau, was im Leben wichtig ist. Keiner kann mich von etwas anderem überzeugen.“, S. 105), ob er die Perspektive eines Gegenübers einnehmen konnte („Ich verstehe die Probleme meines Mitarbeiter.“), ob er die E-Mail aufdringlich fand („Dieser Mitarbeiter überschreitet die Grenze seiner Zuständigkeiten.“) und wie er die Gesamtleistung des fiktiven Mitarbeiters fand („Der Mitarbeiter ist sehr gut, alle Punkte wurden berücksichtigt.“).

Halsstarriger Chef wertete ab

Konstruktive Idee, bessere Leistung. Wie erwartet zeigte sich, dass die Gesamtleistung des „Mitarbeiters“ besser beurteilt wurde, wenn die Idee in konstruktiver statt in jammernder Weise formuliert war.

Rechthaberischer Chef, schlechte Leistung. War der bewertende „Chef“ rechthaberisch, wurden selbst konstruktive Ideen als aufdringlicher wahrgenommen und insgesamt schlechter bewertet. Die Fähigkeit zur Perspektivübernahme erklärte den Effekt. Nur die wenig dogmatischen Chefs hatten sie und beurteilten positiv formulierte Änderungsvorschläge auch als gut.

Auf Diskussionen einstellen

Geprüfte Fachinfos
in zwei neuen Ausgaben der Zeitschrift lesen –
mit 30% Preisvorteil.
Hier mehr erfahren.

Die Studie zeigt, dass eine gut formulierte Idee nicht ausreicht. Auch ein externer Faktor spielt mit hinein: der bewertende Chef. Wenn dieser mürrisch und dickköpfig ist, kann man sich schon mal auf Diskussionen einstellen. Aber wenn Schwierigkeiten einkalkuliert werden, lässt es sich auch besser argumentieren und präsentieren.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Dan S. Chiaburu, Ann Chunyan Peng & Linn Van Dyne (2015). Does It Matter How I Say It? The Effects of Constructive and Complaining Forms of Idea Presentation on Supervisory Evaluations [Abstract]. Journal of Personnel Psychology, 14 (2), 104-108.

Im Schwerpunkt „Kontakt und Beziehung“ werden neue Ergebnisse zu emotionaler Intelligenz, Mitarbeitergesprächen und inspirierenden Arbeitsbeziehungen vorgestellt.

Die Wirtschaftspsychologie aktuell im Schnupper-Abo testen.

Den monatlichen Newsletter der Zeitschrift bestellen.

Im Archiv ab 2001 blättern.