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Lernen von Gerhard Minnameier

Fröhliche Übeltäter

5. Oktober 2015

Gerhard Minnameier spricht im Interview über Happy Victimizers – fröhliche Übeltäter, die sich freuen, wenn sie unmoralisch sind. Damit dieses Verhalten aufhört, müssen eigennütziges Arbeiten eingedämmt und kooperativer Teamgeist gestärkt werden.

Moral kennen, aber unterlassen

Alle Hefte im ÜberblickIm Interview mit der Seite „Forschung aktuell“ der Goethe-Universität Frankfurt erklärt Gerhard Minnameier, der dort Wirtschaftsethik und Wirtschaftspädagogik lehrt, den Begriff der „Happy Victimizers“ – auf Deutsch: „fröhliche Übeltäter“. Damit sind Menschen gemeint, „die wissen, was moralisch richtig wäre, aber nicht motiviert sind, dementsprechend zu handeln“.

Ursprünglich wurden damit Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren beschrieben, die häufig glauben, dass sich Regelverletzer gut fühlen, oder die sich freuen, wenn sie selbst etwas Verbotenes getan haben. Der Grund dafür ist, dass Eigeninteressen für sie naheliegender sind als Gruppennormen. Die Forschung hat gezeigt, dass sich die fröhliche Ethikverletzung nicht auswächst, sondern auch noch bei Erwachsenen zu finden ist. Beispiele: Banker, die nur ihren Bonus im Blick haben, Kaufleute, die bewusst ihren Geschäftspartner austricksen.

Rational unkooperativ

Allerdings kritisiert Minnameier die Methode, mit der Happy Victimizer überführt werden. Das geschieht häufig im sogenannten Gefangenendilemma, einem Entscheidungsspiel, bei dem die Spieler als Gefangene gestehen oder schweigen können. Den höchsten Gewinn mit kurzer Haftzeit erzielt man, wenn man unkooperativ ist und selbst gesteht, während der andere schweigt.

Ein noch guter Gewinn mit etwas längerer Haft winkt, wenn beide kooperativ sind und schweigen. Lange Haft droht bei beidseitigem Geständnis. Wenn unkooperatives Verhalten mit dem höchsten Nutzen verbunden ist, kann man nur schwerlich auf eine unmoralische Motivation schließen. Naheliegender ist, dass sich der unkooperative Verräter einfach nur rational verhält. Die Unmoral ist nur die Folge, nicht aber das ultimative Ziel.

Teamarbeit belohnen

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Den fröhlichen Unmoralischen könnte man daher auch einfach nur als Homo Oeconomicus bezeichnen, der nach „Nutzenmaximierung unter Restriktionen“ handelt. Damit sich moralisches kooperatives Verhalten durchsetzt, müsste dieses mit dem höchsten Gewinn gekoppelt werden oder Personen, die eigennützig sind, müssten bestraft werden. „Sicherungsmechanismen“ zum Schutz kooperativen Verhaltens nennt Gerhard Minnameier das.

Soll dies in Banken umgesetzt werden, in denen Broker häufig um den besten Rangplatz wetteifern, müssten neue Strukturen geschaffen werden. Erstens sollten Unternehmen mehr Mitarbeiter mit moralischem Feingefühl einstellen. Zweitens könnte man Teamarbeit stärker fördern und belohnen. Drittens müssten Mitarbeiter, die gegen kooperative Regeln verstoßen, sanktioniert werden.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Muriel Büsser (2015). Rationalität und Moralität schließen sich nicht aus: Interview mit Gerhard Minnameier. Forschung aktuell. Goethe-Universität Frankfurt.

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