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Lernen von Gary Sherman

Hormone bestimmen Führungsspanne

28. September 2015

Harvard-Forscher fanden heraus, dass Führungskräfte die meisten Mitarbeiter unter sich haben, wenn sie viel Testosteron und wenig Cortisol im Körper haben.

Kombinationshypothese

Alle Hefte im ÜberblickTestosteron im Blut sagt Machtmotivation, Statusstreben, Aggression, Wettbewerbsorientierung und Risikoneigung vorher. Für den beruflichen Bereich waren die Ergebnisse bislang nicht so eindeutig.

Gary Sherman von der Harvard University und seine Forscherkollegen nahmen daher an, dass die Kombination aus Testosteron und Cortisol aussagekräftiger ist als ein Hormon allein. Diese Annahme testeten sie in einer neuen Studie, die sich in der Online-First-Ausgabe des Journal of Personality and Social Psychology findet.

Sie entnahmen 78 männlichen Führungskräften aus dem Öffentlichen Dienst Speichelproben und bestimmten die Testosteron- und Cortisol-Konzentration darin. Außerdem fragten sie sie nach ihrer Führungsspanne: „Wie viele Mitarbeiter führen Sie?“

Stabile Hormonwirkung

Weder Testosteron noch Cortisol allein sagten die Zahl der Untergebenen vorher. Nur die Kombination aus hohem Testosteron- und niedrigem Cortisolwert hing hochsignifikant mit der Anzahl der unterstellten Mitarbeiter zusammen. Weitere Auswertungen zeigten: Der Macht- und Statuseffekt des Testosterons schlug nur bei niedrigem Cortisolspiegel durch. Bei hohem Cortisolwert blieb Testosteron wirkungslos.

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Die kombinierte Hormonwirkung war überaus stabil und zeigte sich auch noch, wenn eine Vielzahl von Kontrollvariablen einberechnet wurden: Bildungsstatus, Einkommen, Aufwachzeitpunkt, Gesundheitsstatus und Führungserfahrung.

Machtbewusst, stressresistent

Da Testosteron ein Macht- und Cortisol ein Stressmarker ist, schlussfolgern die Forscher: Den höchsten Führungsstatus mit den meisten Mitarbeitern erreichen Männer, die machtbewusst und deutlich stressresistent sind.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Gary D. Sherman, Jennifer S. Lerner (Harvard University), Robert A. Josephs (University of Texas at Austin), Jonathan Renshon (University of Wisconsin-Madison) & James J. Gross (Stanford University). (2015). The Interaction of Testosterone and Cortisol Is Associated With Attained Status in Male Executives [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, Online First Publication.

Laut John Coates von der Cambridge Judge Business School soll das Hormon Testosteron für Börsencrashs verantwortlich sein.

Nach einem Training emotionaler Kompetenzen konnten die Trainierten besser mit Gefühlen umgehen, waren zufriedener sowie stressresistenter und hatten geringere Cortisolwerte als eine Kontrollgruppe.

Im Schwerpunkt „Kontakt und Beziehung“ werden neue Ergebnisse zu emotionaler Intelligenz, Mitarbeitergesprächen und inspirierenden Arbeitsbeziehungen vorgestellt.

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