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Lernen von Ning Li

Hochengagierte bringen das ganze Team voran

9. September 2015

Einzelne Mitarbeiter, die hochengagiert sind und anderen häufig helfen, bringen das ganze Team voran. Sie stärken die kollektive Unterstützung und steigern die Teamleistung, vor allem, wenn sie an zentraler Position arbeiten. Das sind die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung.

Gedeihlicher Minderheiteneinfluss

Alle Hefte im ÜberblickKönnen Einzelne das ganze Team beflügeln? Dieser Frage gingen Ning Li von der University of Iowa und seine Kollegen in einer Studie nach, die im Journal of Applied Psychology abgedruckt ist.

Sie befragten 659 Mitarbeiter aus 87 Produktionsteams und deren Teamleiter einer chinesischen Erdölfirma. Grundlage der Befragung war die sogenannte Theorie des Minderheiteneinflusses von Adam Grant und Shefali Patil. Danach können sich die Normen im Team weg vom Eigennutz hin zur gegenseitigen Unterstützung wandeln, wenn sich Einzelne einbringen. Ließ sich das bestätigen?

Hilfeverhalten abgefragt

Die Mitarbeiter des Petrochemie-Unternehmens schätzten ein, wie es um das Hilfeverhalten jedes Teammitglieds bestellt war (S. 1030): „Er hilft Mitarbeitern, die eine hohe Arbeitsbelastung haben.“ Oder: „Sie macht Vorschläge, um die Arbeitsabläufe jedes einzelnen zu verbessern.“ Die, die die höchsten Werte erzielten, galten als Hochengagierte („Extra Milers“).

Außerdem gaben die Beschäftigten an, wie die Unterstützung im ganzen Team aussah: „Im Team arbeiten wir aktiv daran, einander zu unterstützen, wenn Hilfe gebraucht wird.“ Ferner wurde die Teamposition jedes Mitglieds bestimmt. Eine zentrale Position hatte inne, wer die meisten Vorarbeiten leistete, von denen andere abhängig waren. Schließlich schätzten die Teamleiter die gesamte Teamleistung ein.

Erfolgskritische Vielhelfer

Hochengagierte verbesserten die Unterstützung im ganzen Team. Die Unterstützung im ganzen Team hing eng mit dem Hilfeverhalten der Engagiertesten zusammen. Je mehr sie sich einsetzten, desto größer war die kollektive Hilfeleistung. Einen noch größeren Einfluss auf die Teamunterstützung hatten Hochengagierte, die gleichzeitig die zentrale Schnittstelle im Team besetzten.

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Hochengagierte brachten das ganze Team voran. Der von den Hochengagierten ausgelöste Halt in der Gruppe beeinflusste schließlich auch die Teamleistung positiv. Je größer die – durch Hochengagierte angekurbelte – Teamunterstützung war, desto besser fiel auch die gesamte Leistung aus.

Mutter Teresa des Teams fördern

Einzelne Hochengagierte können also in der Tat ein ganzes Team beleben. Wichtig ist, dass damit nicht Top-Leister gemeint sind, sondern die, die sich häufig um andere kümmern. Die Wissenschaftler schlagen Managern vor, auf diese Mutter Teresa des Teams besonders zu achten. Sie sollte gefördert werden und möglichst viel mit anderen in der Arbeitsgruppe kommunizieren.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Ning Li, Helen H. Zhao, Sheryl L. Walter (University of Iowa), Xin-an Zhang (Shanghai Jiao Tong University) & Jia Yu (University of Iowa). (2015). Achieving More With Less: Extra Milers’ Behavioral Influences in Teams [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 100 (4), 1025-1039.

Adam M. Grant & Shefali V. Patil (University of Pennsylvania). (2012). Challenging the Norm of Self-Interest: Minority Influence and Transitions to Helping Norms in Work Units [Abstract]. Academy of Management Review, 37 (4), 547-568.

Männliche Vorgesetzte werden als weniger kompetent eingeschätzt, wenn sie um Hilfe bitten.

Der Themenschwerpunkt „Mobil, flexibel und gestresst“ zu Stressbewältigung, Smartphone-Nutzung, Berufspendeln, psychischen Belastungen, Gefährdungsbeurteilung, Teilzeit-Tandem und Super-Leadership.

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