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Lernen von Jia Hu

Überqualifizierte leisten mehr

19. August 2015

Überqualifikation wurde bisher häufig als Makel angesehen. Eine neue Studie zeigt nun, dass Überqualifizierte ihre Arbeit besonders schätzen, besser ins Team passen und mehr leisten. Diese positiven Zusammenhänge sind noch stärker, wenn viele Überqualifizierte im Team arbeiten. Personaler sollten sie also nicht gleich abschreiben, sondern ihr Potenzial sehen.

351 Beschäftigte und deren Vorgesetzte befragt

Alle Hefte im ÜberblickJia Hu lehrt Unternehmensverhalten an der University of Notre Dame in Indiana. Mit Kollegen hat sie jetzt im Journal of Applied Psychology eine neue Untersuchung zur Überqualifikation vorgelegt.

Die Forscher befragten zu drei Zeitpunkten insgesamt 351 Beschäftigte aus elf chinesischen IT-Unternehmen. Diese gaben ihre wahrgenommene Überqualifikation an („Bezogen auf meine Fähigkeiten bin ich für meinen Beruf überqualifiziert.“). Außerdem wurde die Überqualifikation im Team bestimmt, indem die Einzelwerte zusammengezählt wurden.

Die Befragten schätzten außerdem die Bedeutsamkeit ihrer Arbeit ein („Viele Menschen werden positiv beeinflusst, wenn ich meinen Job gut mache.“) sowie die Übereinstimmung mit dem Arbeitsteam („Meine persönlichen Werte passen zu denen der Gruppe.“). Schließlich schätzen die Vorgesetzten die Arbeitsleistung und das freiwillige Arbeitsengagement der 351 Befragten ein.

Überqualifikation wirkte sich positiv aus

Überqualifikation ging mit besserer Integration und Leistung einher. Wer sich als überqualifiziert betrachtete, sah mehr Sinn in seiner Arbeit und passte besser ins Team. Bedeutsamkeit der Arbeit und Übereinstimmung mit dem Team führten wiederum dazu, dass Arbeitsleistung und Engagement anstiegen.

Die Überqualifikation im Team hatte positive Auswirkungen. Nahmen sich viele im Team als überqualifiziert wahr, stärkte das die positiven Effekte der persönlichen Überqualifikation. Sinnstiftung, Gruppenpassung, Arbeitsleistung und Engagement nahmen umso mehr zu.

Überqualifizierte einbeziehen

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Überqualifikation wurde bislang häufig als Nachteil angesehen, der Beschäftigte demotivieren und stressen würde. Die Ergebnisse von Jia Hu und ihren Kollegen zeigen jedoch, dass Mitarbeiter davon profitieren können, wenn sie fähiger sind, als es das Stellenprofil verlangt. Die Forscher fassen zusammen (S. 1234):

„Im Gegensatz zu bisherigen Ergebnissen fanden wir, dass die wahrgenommene Überqualifikation von Beschäftigen positiv mit aufgabenbezogenen und zwischenmenschlichen Sichtweisen und schließlich mit Leistungsmaßen zusammenhing und dass diese positiven Zusammenhänge stärker waren, wenn die Überqualifikation im Team hoch war.“

Die Forscher raten Personalern, überqualifizierte Bewerber nicht gleich auszusortieren. Vielmehr sollten sie überlegen, sie in Teams mit anderen Hochqualifizierten arbeiten zu lassen. Überqualifizierte fühlen sich so besser aufgehoben und können sich fürs Unternehmen mehr engagieren.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Jia Hu (University of Notre Dame), Berrin Erdogan (Portland State University and Koç University), Talya N. Bauer (Portland State University), Kaifeng Jiang (University of Notre Dame) & Songbo Liu and Yuhui Li (Renmin University of China). (2015). There Are Lots of Big Fish in This Pond: The Role of Peer Overqualification on Task Significance, Perceived Fit, and Performance for Overqualified Employees [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 100 (4), 1228-1238.

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