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Lernen von Bradley Owens

Demütige Narzissten führen besser

20. August 2015

Chefs, die zugleich narzisstisch und ergeben sind, führen besonders gut und haben die engagiertesten Mitarbeiter, die auch noch subjektiv und objektiv am meisten leisten. Das zeigt eine neue Studie. Wenig selbstverliebte Chefs oder Narzissten ohne Demut sind nicht so effektiv.

Demuts-These

Alle Hefte im ÜberblickBrad Owens ist Assistenzprofessor für Wirtschaftsethik an der Brigham Young University in Utah. Mit Angela Wallace und Davis Waldman hat er jetzt narzisstische Führungskräfte untersucht. Ihre Ergebnisse brachte das Journal of Applied Psychology.

Die These der Forscher: Narzisstische Führungskräfte sind zwar selbstverliebt, aber auch besonders ehrgeizig. Gepaart mit Demut, die die negativen Eigenschaften des Narzissmus eindämmt, sollte Narzissmus Führung erfolgreicher machen.

1.014 Versicherungsmitarbeiter befragt

Diese Annahme untersuchten sie, indem sie 876 Mitarbeiter eines Gesundheitsversicherers und deren 138 Vorgesetzte online befragten. Durch Schätzskalen wurde dabei abgefragt:

Zurückhaltende Narzissten punkteten

Narzisstische Führungskräfte, die zugleich demütig waren, waren am erfolgreichsten. Verglichen mit wenig narzisstischen Führungskräften oder mit hochmütigen Chefs konnten sie in allen Bereichen punkten:

Demütige Narzissten waren am leistungsfähigsten. Solche Chefs motivierten stärker, kommunizierten Ziele besser, coachten andere häufiger und halfen ihnen mehr als Führungskräfte, die wenig narzisstisch und/oder wenig bescheiden waren.

Demütige Narzissten hatten die engagiertesten Mitarbeiter. Die Mitarbeiter waren am enthusiastischsten, wenn sie unter einem Chef arbeiteten, der selbstverliebt, aber auch ergeben und maßvoll war.

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Demütige Narzissten hatten die leistungsfähigsten Mitarbeiter. Mitarbeiter leisteten subjektiv und objektiv mehr, wenn sie zurückhaltende Narzissten als Chef hatten – im Vergleich zu Mitarbeitern, die wenig selbstverliebte oder wenig demutsvolle Vorgesetzte hatten.

Gelebte Paradoxien

Die Autoren fassen das Ergebnis wie folgt zusammen:

„Wir fanden heraus, dass wenn Führungskräfte demütig sind, sich ihr Narzissmus positiv auf die Effektivität der Führung und auf die Mitarbeiter auswirkt.“

Sie sprechen sich auch dafür aus, dass Paradoxien in Organisationen stärker wahrgenommen und genutzt werden. Danach kann ein Chef zugleich den Leitsätzen „Setz dich durch“ und „Sei bescheiden“ folgen.

Dass scheinbar unvereinbare Eigenschaften wie Narzissmus und Demut nebeneinander bestehen können und Führungskräfte besonders erfolgreich macht, zeigt die Studie.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Bradley P. Owens (Brigham Young University), Angela S. Wallace (University at Buffalo, State University of New York) & David A. Waldman (Arizona State University). (2015). Leader Narcissism and Follower Outcomes: The Counterbalancing Effect of Leader Humility [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 100 (4), 1203-1213.

Männer sind narzisstischer als Frauen. Alle drei Narzissmusfacetten – Anspruchshaltung, Machtstreben und Gefallsucht – sind bei ihnen stärker ausgeprägt.

Erfahren Sie im Themenschwerpunkt „Mobil, flexibel und gestresst“ mehr zu Stressbewältigung, Smartphone-Nutzung, Berufspendeln, psychischen Belastungen, Gefährdungsbeurteilung, Teilzeit-Tandem und Super-Leadership.

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