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Lernen von Ashleigh Shelby Rosette

Wenn männliche Chefs um Hilfe bitten, wirken sie inkompetent

4. August 2015

Männliche Vorgesetzte werden als weniger kompetent eingeschätzt, wenn sie um Hilfe bitten. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam unter Leitung von Ashleigh Shelby Rosette, Professorin an der amerikanischen Fuqua School of Business an der Duke University.

Gruppenleiter beobachtet

Alle Hefte im ÜberblickIhre Studie „Are male leaders penalized for seeking help?“ wurde kürzlich in der Online-Version der Fachzeitschrift The Leadership Quarterly veröffentlicht. „Häufig denken wir bei Führung, dass Männer im Vorteil seien, weil sie den prototypischen Leader repräsentieren“, sagt Rosette. Doch unter welchen Bedingungen ist das nicht der Fall, und wann sind männliche Vorgesetzte benachteiligt?

Die Untersuchung kombinierte Felddaten und Experimente. Die Daten kamen von einer Gruppe von 144 Wirtschaftsstudenten, die an mehreren einwöchigen Leadership-Building-Expeditions teilnahmen, bei denen sie Gelegenheit zum Fahrradfahren, Segeln, Klettern und Wandern in herausfordernder Umgebung hatten. Die Studenten leiteten abwechselnd kleine Gruppen.

Die Forscher erhielten die Daten aus Fragebogen von 65 weiteren Studenten (38 männliche, 27 weibliche), die täglich die Kompetenz des jeweiligen Leiters bewerteten. Der Fragebogen erhob auch, in welchem Umfang die Leiter andere um Hilfe gebeten hatten.

Führungskräfte im Experiment beurteilt

In der experimentellen Untersuchung mit 358 Studierenden (davon 54 Prozent Frauen) sollten sich die Teilnehmer vorstellen, dass sie Angestellte wären und eine Führungskraft aufgrund der Beschreibung eines Meetings beurteilen sollten.

Bei einigen ging es um Meetings, die von einem Mann geleitet wurden, bei anderen von einer Frau. In manchen Meetings fragten die Leiter nach Hilfe, in anderen nicht.

Hilfesuchende Männer im Nachteil

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Die Ergebnisse fielen in beiden Untersuchungen ähnlich aus. Männer, die um Hilfe baten, wurden als weniger kompetent beurteilt als Männer, die das nicht taten. Die Beurteilung der Frauen war davon unabhängig, ob sie um Hilfe baten oder nicht.

Die Studie belegt keinen Einfluss auf die potenzielle Karriere von männlichen Vorgesetzten, wenn sie Fragen stellen. Rosette meint jedoch, dass es auf längere Sicht sehr wohl der Fall sein könnte. Wesentlich sei auch, dass diese Wahrnehmung eine Hürde für Männer darstelle, um Unterstützung zu bitten.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Ashleigh Shelby Rosette (Duke University, Durham), Jennifer S. Mueller (University of San Diego) & R. David Lebel (University of Pittsburgh). (2015). Are male leaders penalized for seeking help? The influence of gender and asking behaviors on competence perceptions [Abstract]. The Leadership Quarterly, available online 26 April 2015.

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