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Lernen von Kris Byron

Symbolische Selbstdarstellung im Büro

30. Juli 2015

Kris Byron und Gregory Laurence haben Mitarbeiter zur Bedeutung persönlicher Gegenstände im Büro befragt. Es zeigte sich, dass Fotos, Abschlussurkunden oder Tand die Arbeitenden symbolisch darstellten, ihre Einzigartigkeit unterstrichen, Gespräche anregten, an Ziele erinnerten oder Gefühle verbesserten.

Zu persönlichen Gegenständen befragt

Alle Hefte im ÜberblickKris Byron ist Managementprofessorin an der Syracuse University im US-Bundesstaat New York. Zusammen mit Gregory Laurence veröffentlichte sie vor kurzem im Academy of Management Journal die Studie „Diplome, Fotos und Kram als symbolische Selbstdarstellung“.

Dazu befragten sie 13 Angestellte in einer Vorstudie und 28 Mitarbeiter in der Hauptstudie. Die Interviews dauerten alle eine Dreiviertelstunde. Die Beschäftigten wurden danach gefragt, welche persönlichen Gegenstände es in ihrem Büro gab und was diese bedeuteten. Die Ergebnisse zeigten, dass die Objekte 1) für die Person standen und sie darstellten und 2) die Person an bestimmte Vorhaben erinnerten.

Gesprächsauslöser im Bücherregal

Gegenstände verwiesen auf Einzigartigkeit. Viele Interviewte sagten, dass die Gegenstände in ihrem Büro ausdrückten, wie einzigartig sie als Person seien und sich von anderen unterschieden. Beispiel: „Ich denke, die Boote im Bücherregal und die Autos und die Bilder der Autos und dieses ganze Zeug – das bin ich!“

Dinge setzten Gespräche in Gang. Ein Professor sagte: „Wenn Studenten hier reinkommen und mich noch nicht kennen, machen sie eine schnelle Bestandsaufnahme: ‚Was hat der Typ im Bücherregal?‘ Dann sehen sie Bücher von Affen, Gorillas und Vögeln. Das ist ein guter Aufhänger für Gespräche.“

Bewusst ein graues Büro

Umgebung sorgte für mehr Rollenklarheit. Aufgehängte Studienurkunden, Bilder, Gegenstände oder das arrangierte Büromaterial erinnerten die Beschäftigten immer wieder daran, wer sie waren und was sie taten: „Ich habe wohl deshalb so viele Zettel um mich herum aufgehängt, damit ich immer weiß: ‚Joan hat alle Informationen‘ oder ‚Joan ist der Informationsgeber‘.“

Bewusster Verzicht auf Bürogestaltung. Ein Interviewter sagte, dass seine Box im Großraumbüro so grau bleiben solle, wie sie sei, um nicht von der Arbeit abzulenken. Ein anderer meinte: „Ich hänge keine religiösen oder politischen Zitate auf. […] Eine Kollegin hat religiöse Sprüche aufgehängt. Aber man weiß nie, welcher Religion jemand angehört. Das könnte Kunden, die reinkommen, vor den Kopf stoßen.“

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Erinnerung für sich selbst. Häufig waren Gegenstände im Büro nur für sich selbst bestimmt. Einer sagte: „Diese Uhr war ein Geschenk eines Manager, den ich bewundere […]. Er hat täglich 16 bis 18 Stunden all diese großartigen Dinge für sein Geschäft getan […]. Immer wenn ich darauf schaue, denke ich, dass es mehr Zeit gibt, als man denkt.“

Glücksgefühl durch Blick an die Wand

Gegenstände erinnerten an Ziele. Bilder, Bücher oder Briefbeschwerer erinnerten die Arbeitenden oft daran, was sie noch erreichen wollten. Ein Designer erzählte: „Dieses Coldplay-Poster hat die Art von Design, die ich machen will.“

Fotos verbesserten Gefühle. Persönliche Dinge, wie Urlaubsfotos oder Lieblingskleinode brachten beim Betrachten Ruhe und Wohlbefinden. Die Interviewten sagten: „Wenn ich einen stressigen Tag habe, schaue ich auf das Foto und erkenne, dass das nur ein Job ist.“ Oder: „Es versetzt mich in eine gute Stimmung, wenn ich meine Familie und meine Freunde an der Wand sehe.“ Solche Fotos lösten „Glück“, „Ruhe“, ein „Lächeln“ oder „Zufriedenheit“ beim Anschauen aus.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Kris Byron (Syracuse University) & Gregory A. Laurence (University of Michigan). (2015). Diplomas, Photos, and Tchotchkes as Symbolic Self-Representations: Understanding Employees' Individual Use of Symbols [Abstract]. Academy of Management Journal, 58 (1), 298-323.

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