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Lernen von Katja Rost

Gesellschaftliche Verantwortung bleibt ohne finanziellen Nutzen

30. Juni 2015

Unternehmensprojekte zur gesellschaftlichen Verantwortung bleiben im Großen und Ganzen ohne finanziellen Nutzen. Das ist das Ergebnis einer neuen Metaanalyse, in der 162 Einzelstudien zusammengefasst wurden. Der Ertrag von Corporate Social Responsibility wurde in bisherigen Studien positiv verzerrt dargestellt, da man nicht von einem wirklichen Effekt ausgehen kann. Zur Verzerrung trugen eine fehlende Theorie oder unzureichende Methoden der Studien bei.

Gesellschaftliche Verantwortung

Alle Hefte im ÜberblickKatja Rost ist Professorin für Soziologie an der Universität Zürich. Zusammen mit Thomas Ehrmann von der Universität Münster hat sie jetzt den Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen und ihrem finanziellen Erfolg untersucht. Die Ergebnisse ihrer Übersichtsstudie brachte die Online-First-Ausgabe der Fachzeitschrift Business & Society.

Mit Corporate Social Responsibility oder der gesellschaftlichen Verantwortung eines Unternehmens sind die Aktivitäten gemeint, durch die sich eine Organisation freiwillig für soziale oder umweltbezogene Projekte engagiert. Diese können zum Ziel haben, die Mitarbeiter zu unterstützen, Lebensbedingungen zu verbessern, die Natur zu schützen oder das gesamte Wirtschaften des Unternehmens verantwortlicher zu gestalten.

Als Corporate Social Performance kann diese Verantwortung durch Rankings oder soziale Investitionen gemessen werden. Die Autoren untersuchten, wie die Corporate Social Performance mit der Corporate Financial Performance eines Unternehmens zusammenhing. Letztere wird etwa durch die Unternehmensrentabilität (Nutzen des Kapitaleinsatzes) oder die Wertpapierentwicklung (Rendite) bestimmt.

Verzerrte Ergebnisdarstellung?

Katja Rost und Thomas Ehrmann machten 162 Studien aus, in denen gesellschaftliche und finanzielle Leistungen von Unternehmen gemessen wurden. Diese Einzelstudien fassten sie rechnerisch zusammen und verglichen die Ergebnisse mit bisherigen Metaanalysen zum Nutzen gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung. Sie setzten die finanzielle Wirksamkeit der Corporate Social Responsibility, über die in einer Einzelstudie berichtet wurde, ins Verhältnis zur Messgenauigkeit der Studie. Damit konnten sie abschätzen, ob die Ergebnisse verzerrt waren. Was kam heraus?

Verantwortung ohne Ertrag

Unternehmensverantwortung und Ertrag hingen nicht zusammen. Es wurden vornehmlich positive Zusammenhänge zwischen Unternehmensverantwortung und Rentabilität veröffentlicht, obwohl die Studien teils mit Messfehlern behaftet waren und statistisch gesehen auch negative Zusammenhänge hätten vorkommen müssen. Das ließ auf eine verzerrte Ergebnisdarstellung schließen. Nachdem die Autoren diese Verzerrung herausrechneten, „fehlte häufig“ die Beziehung zwischen sozialer Verantwortung und finanziellem Erfolg und „schien eine Null-Wirkung zu sein“ (S. 25).

Theoretische Schwächen verzerrten. 67 Prozent der Studien, die keine theoretische Grundlage hatten, und 64 Prozent der Studien, die keine Vor- und Nachteile diskutierten, lieferten verzerrte, signifikant positive Ergebnisse. Studien mit einer wirtschaftlichen Theorie oder mit ausgewogenem Diskussionsteil stellten viel seltener einen positiven Zusammenhang zwischen Unternehmensverantwortung und Profit fest.

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Methodische Schwächen verzerrten. Einseitige positive Zusammenhänge zwischen Verantwortung und finanziellem Erfolg wurden eher von Studien berichtet, die jüngeren Datums waren (59 Prozent), die in Zeitschriften mit hohem Impact-Faktor veröffentlicht wurden (72 Prozent), die keine längsschnittlichen Methoden anwendeten (82 Prozent) oder die komplexe statistische Methoden einsetzten (83 Prozent).

Kein wirklicher Effekt

Katja Rost und Thomas Ehrmann schlussfolgern (S. 31):

„Die Studie findet nur schwache Hinweise für einen wirklichen Effekt zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und Unternehmensleistung. Die Autoren stellen vielmehr eine verzerrte Ergebnisdarstellung in der Verantwortungs-Leistungs-Literatur fest. Diese verzerrte Ergebnisdarstellung geht einher mit späteren Publikationen, Veröffentlichungen in High-Impact-Zeitschriften, mit Studien, die keine Theorie testen, einseitig eine positive Beziehung diskutieren oder schwache sowie multivariate Methoden einsetzen.“

Bisherige Einzelstudien und Metaanalysen, die die Wirksamkeitsverteilung nicht untersuchten, überschätzten also den Ertrag, den soziale Verantwortung in Unternehmen hatte. Die Autoren legen vor allem Business Schools nahe, häufiger wissenschaftliche Wirksamkeitstest zu Rate zu ziehen. So könnten angehende Manager Investitionen zu vermeiden, die sich nicht auszahlten.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Katja Rost (University of Zurich) & Thomas Ehrmann (University of Münster). (2015). Reporting Biases in Empirical Management Research: The Example of Win-Win Corporate Social Responsibility [Abstract]. Business Society, OnlineFirst, February 25, 2015, 1-49.

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