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Lernen von Jasper de Groot

Glücksgeruch: Wer Achselschweiß fröhlicher Menschen riecht, lächelt häufiger

18. Juni 2015

Achselschweiß von fröhlichen Menschen führt dazu, dass Personen, die diesen unbewusst riechen, häufiger lächeln. Beim Schweiß von Ängstlichen runzeln die Adressaten hingegen die Stirn. Das zeigt eine neue Studie Utrechter Psychologen. Positive wie negative Gefühle werden also auch über den Körpergeruch vermittelt.

Glücksschweiß untersucht

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Der Sozialpsychologe Jasper de Groot forscht an der Universität Utrecht zu Geruch und Verhalten. Zusammen mit Kollegen hat er jetzt in der Juni-Ausgabe des Fachmagazins Psychological Science die Studie „Ein Duft von Glück“ veröffentlicht. Angstschweiß ist als Chemosignal schon gut erforscht. Er kann von anderen Riechenden unterschieden werden und bei ihnen auch Angst auslösen. Doch wie sieht es mit Glücksschweiß aus? Diesen haben die Forscher jetzt erstmalig unter die Lupe genommen.

Neun enthaltsame Männer

Neun junge Männer, die „Sender“, mussten sich zwei Tage vor der Untersuchung ihre Achselhaare abrasieren und sollten geruchsarm essen (z.B. keine Zwiebeln), keinen übermäßigen Sport treiben und sexuell enthaltsam sein. Es wurden nur Männer als Schweißgeber ausgewählt, weil sie mehr schwitzen als Frauen. Am Untersuchungstag bekamen sie ein Pad unter beide Achseln geklebt und schauten sich je 30 Minuten lang eine fröhliche, angstauslösende oder neutrale Filmstrecke an. Danach wurden die Pads abgenommen und in Glasfläschchen tiefgefroren.

36 geruchssensible Frauen

36 junge Frauen, die „Adressatinnen“, bekamen Proben der aufgetauten Pads unter die Nase gehalten. Es wurden nur Frauen als Riechende berücksichtigt, weil sie im Gegensatz zu Männern einen besonders feinen Geruchssinn haben und auf Männergeruch empfindlich reagieren. Mit verschiedenen Elektroden auf der Gesichtshaut maß man bei ihnen die Muskelaktivitäten. Außerdem absolvierten sie mehrere Wahrnehmungstests und sollten die Schweißarten (fröhlich, ängstlich, neutral) vergleichen. Was kam heraus?

Echtes Lächeln bei Glücksschweiß

Mehr Schweiß nach emotional getönten Filmen. Nach 30 fröhlichen Filmminuten sonderten die Männer den meisten Achselschweiß ab, dicht gefolgt von der Schweißmenge nach angstauslösenden Filmen. Nach 30 Minuten mit neutralen Videos ließ sich die geringste Schweißmenge messen. Die Filme lösten nachweislich die beabsichtigten Gefühle aus: Freude, Angst oder eine neutrale Stimmung.

Unterschiedliche Muskelbewegungen nach Schweißgeruch. Die Frauen konnten Glück- und Angstschweiß jeweils von neutralem Schweiß unterscheiden, Glücks- und Angstschweiß selbst aber nicht auseinanderhalten. Nur sieben der 36 Frauen erkannten, dass es sich bei den Geruchsproben um Schweiß handelte. Im Gesicht der riechenden Frauen waren aber abhängig davon, welche Art von Schweiß sie rochen, unterschiedliche Muskelgruppen aktiv. Beim Schweiß von fröhlichen Männern bewegten sich ihre Mund- und Augenwinkel, was einem echten Lächeln entsprach. Beim Schweiß von ängstlichen Männern war die Zornesfalte über ihrer Nase aktiv, was einer Angstreaktion gleichkam. Beim neutralen Schweiß zeigten sich keine eindeutigen Muskelaktivitäten.

Positive Geisteshaltung

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Positive Haltung nach Glücksschweiß. Frauen, die am Schweiß der fröhlichen Männer schnupperten, beachteten in Wahrnehmungstests mit mehreren arrangierten Buchstaben eher das Große und Ganze als unnötige Details. Außerdem bewerteten sie chinesische Schriftzeichen als positiver, wenn sie am Glücksschweiß rochen. Allerdings wurden die Buchstaben auch nach Angstschweiß etwas positiver eingeschätzt als nach neutralem Schweiß, weshalb die Ergebnisse nicht ganz eindeutig waren. Aber insgesamt stieß der Schweiß von gutgelaunten Männern bei den Adressatinnen eine entspannte, positive Geisteshaltung an.

Unbewusster Körpergeruch

Die Studie zeigt, dass positive wie negative Gefühle über den Körpergeruch übertragen werden. Wo Menschen miteinander leben und arbeiten, wird also auch über den Geruch kommuniziert. Dieser muss dabei nicht bewusst wahrgenommen werden. Die meisten Frauen erkannten nicht, dass sie an Schweißproben rochen. Trotzdem lächelten sie oder runzelten die Stirn. Die Autoren fassen zusammen (S. 698):

„Menschen sind eine soziale Spezies mit dem Vermögen, positive Haltungen zu teilen, nicht nur durch Sehen, Hören oder Fühlen, sondern auch – wie diese explorative Studie zeigt – durch den Geruchssinn.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Jasper H. B. de Groot, Monique A. M. Smeets (Utrecht University), Matt J. Rowson (Unilever Research & Development, Colworth), Patricia J. Bulsing (Faculty of Social and Behavioral Sciences, Utrecht University), Cor G. Blonk (Unilever Research & Development, Vlaardingen), Joy E. Wilkinson (Unilever Research & Development, Colworth, United Kingdom), Gün R. Semin (Utrecht University). (2015). A Sniff of Happiness [Abstract]. Psychological Science, 26 (6), 684-700.

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