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Lernen von Frédéric Godart

Moderate Auslandserfahrung, kreativere Mode

15. Juni 2015

In einer neuen Studie wurde geprüft, ob die Auslandserfahrung eines Chefdesigners mit der Kreativität seiner Modekollektionen zusammenhing. Ergebnis: eine lange Gesamtdauer des Auslandaufenthaltes, eine moderate Anzahl sowie mittelmäßige Verschiedenheit der Länder machten seine Mode kreativer.

Auslandsjahre, Länderzahl, kulturelle Unterschiede

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Frédéric Godart lehrt organisationales Verhalten an der Hochschule INSEAD in Fontainebleau. Zusammen mit Kollegen hat er im Academy of Management Journal eine Studie zur Frage vorgestellt, wie Auslandserfahrung und Kreativität in der Modebranche zusammenhängen.

Die Forscher schauten sich die Lebensläufe der Chefdesigner von 270 führenden Modehäusern an. Sie zählten die Anzahl der Länder, in denen die Kreativdirektoren bisher arbeiteten, die Jahre, die sie insgesamt im Ausland waren, und bestimmten die kulturelle Verschiedenheit der Länder. Diese Maße für die Auslandserfahrung setzten sie in Beziehung zur Kreativität ihrer Modekollektionen von 2000 bis 2010.

Die Kreativität wurde durch einen Index des Journal du Textile bestimmt. Dafür geben die weltweit führenden Mode-Einkäufer einmal im Jahr ihre Wertung ab. Außerdem rechneten die Forscher eine Reihe von Störvariablen heraus, z.B. die Anzahl der Kollektionen, die Dauer der Unternehmenszugehörigkeit oder die Zusammensetzung des Kreativteams.

Gesamtdauer im Ausland war ausschlaggebend

Moderate Länderzahl und Verschiedenheit, hohe Kreativität. Die Anzahl und die kulturelle Verschiedenartigkeit der Länder, in denen die Kreativchefs bisher tätig waren, hingen in umgekehrter U-Funktion mit der Kreativität zusammen. Mit einer moderaten Anzahl von 2,5 Ländern und einem mittleren Verschiedenheitsmaß schufen die Chefs die kreativsten Kollektionen.

Längere Auslandserfahrung, hohe Kreativität. Auch die insgesamt im Ausland verbrachten Jahre hingen in umgekehrter U-Funktion mit der Kreativität zusammen. Aber die Spitze der Funktion lag weit hinten bei ca. 35 Jahren Auslandserfahrung, sodass die Kollektionen praktisch immer kreativer wurden, je länger der Chefdesigner im Ausland war.

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Dauer der Auslandserfahrung war am wichtigsten. Die Gesamtdauer der Auslandserfahrung war die wichtigste der drei Auslandsvariablen Dauer, Länderzahl und Verschiedenheit. Wenn ein Designer lange im Ausland wirkte, spielten die Zahl und die Unterschiedlichkeit der Länder keine Rolle. Länderzahl und kulturelle Verschiedenheit steigerten nur dann die Kreativität, wenn der Kreativchef lediglich für kurze Zeit im Ausland war.

Mittelmaß und Kreativität

Mittelmäßige Auslandserfahrung war mit der höchsten Kreativität der Modekollektionen verbunden, wobei die Gesamtdauer der Auslandsjahre am wichtigsten war. Die Autoren (S. 212):

„Es scheint, dass der höchste Grad an Kreativität also dann erreicht wurde, wenn eine große Tiefe [lange Auslandsdauer] mit einer moderaten Breite [Zahl von Ländern] und moderater kultureller Verschiedenheit einherging.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Frédéric C. Godart, William W. Maddux, Andrew V. Shipilov (INSEAD) & Adam D. Galinsky (Columbia University). (2015). Fashion with a Foreign Flair: Professional Experiences Abroad Facilitate the Creative Innovations of Organizations [Abstract]. Academy of Management Journal, 58 (1), 195-220.

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