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Lernen von Martin Obschonka

Selbstständige sind trotz Überstunden zufriedener

22. Mai 2015

Selbstständige sind mit ihrer Arbeit zufriedener als abhängig Beschäftigte, obwohl sie mehr Überstunden machen. Ein Grund dafür: Selbstständige erleben weniger Karriere-Unsicherheit und können autonomer entscheiden. Das legt eine neue wirtschaftspsychologische Studie nahe.

Selbstständigen-Paradox: mehr Arbeit, aber glücklicher

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Martin Obschonka ist Professor für Gründungs- und Innovationspsychologie an der Universität des Saarlandes. Für die neue Themenausgabe „New Approaches to Job Demands“ des Journal of Personnel Psychology hat er zusammen mit Rainer Silbereisen Daten einer Befragung von Beschäftigten und Selbstständigen ausgewertet.

Zwischen Oktober und Dezember 2005 wurden 1.017 Berufstätige befragt, die mindestens fünf Jahre lang arbeiteten. Sie beantworteten Fragen zu Karriere-Unsicherheit, Überstunden, Autonomie und Zufriedenheit. Ziel war es, das sogenannte Selbstständigen-Paradox zu beleuchten, wonach Selbstständige glücklicher sind als Angestellte, obwohl sie häufiger Überstunden machen und unregelmäßiger arbeiten. Was kam heraus?

Karriere-Unsicherheit und Autonomie waren entscheidend

Selbstständige waren mit ihrer Arbeit zufriedener. Sie gaben in der Tat eine höhere Arbeitszufriedenheit an als abhängig Beschäftigte. Bei der allgemeinen Lebenszufriedenheit gab es jedoch keinen Unterschied zwischen Selbstständigen und angestellten Mitarbeitern.

Selbstständige erlebten weniger Karriere-Unsicherheit und waren autonomer. Im Gegensatz zu Angestellten erlebten Selbstständige weniger Karriere-Unsicherheit („Es ist schwieriger geworden, meine Karriere zu planen.“), machten aber mehr Überstunden („In den letzten fünf Jahren habe ich mehr Überstunden gemacht, mehr nachts und am Wochenende gearbeitet.“). Außerdem nahmen Selbstständige mehr Autonomie im Job wahr als Lohnempfänger („In den letzten fünf Jahren habe ich unabhängiger und autonomer gearbeitet.“). Wahrgenommene Unsicherheit und Autonomie erklärten den Effekt der Selbstständigkeit auf die Arbeitszufriedenheit: Wer selbstständig war, war deshalb zufriedener, weil er weniger Karriere-Unsicherheit empfand und unabhängiger war.

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Autonomie im Job federte Überstunden ab. Außerdem glich die wahrgenommene berufliche Unabhängigkeit die negativen Auswirkungen von Überstunden aus. Autonom Handelnde waren trotz vieler Überstunden mit ihrer Arbeit zufrieden. Wer wenig berufliche Autonomie verspürte, war unzufrieden, wenn er viele Überstunden machen musste.

Selbstständige profitierten vom sozialen Wandel

Zwei Erklärungen gab es also dafür, dass Selbstständige mit ihrer Arbeit zufriedener waren: sie konnten sich einem immer unsicher werdenden Stellenmarkt entziehen und erlebten mehr Autonomie im Job. Die Autoren dazu (S. 14):

„Die Ergebnisse unseres Pfadmodells legen für die gesamte Stichprobe nahe, dass die Selbstständigen deshalb mit ihrer Arbeit zufriedener waren, weil sie weniger negativen (zunehmende Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt) und mehr positiven (zunehmende berufliche Autonomie) Auswirkungen des sozialen und wirtschaftlichen Wandels ausgesetzt waren.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Martin Obschonka (Universität des Saarlandes) & Rainer K. Silbereisen (Friedrich-Schiller-Universität Jena). (2015). The Effects of Work-Related Demands Associated with Social and Economic Change on Psychological Well-Being: A Study of Employed and Self-Employed Individuals. Journal of Personnel Psychology, 14 (1), Special Issue: New Approaches to Job Demands, 8-16.

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