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Lernen von Tassilo Momm

Die Fähigkeit Gefühle zu erkennen wirkt sich positiv aufs Jahresgehalt aus

7. Mai 2015

Die Fähigkeit, in Gesichtern oder Stimmen Gefühle zu erkennen, macht Mitarbeiter sozial kompetenter. Diese zwischenmenschlichen Fähigkeiten gehen mit einem höheren Jahreseinkommen einher. Emotionserkennung wirkt sich also indirekt aufs Gehalt aus. Das fanden Bonner Psychologen heraus.

142 Angestellte lasen in Gesichtern Gefühle

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Tassilo Momm ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie des Psychologischen Instituts der Universität Bonn. Zusammen mit Bonner Kollegen und Forschern der Illinois State University sowie der WHU – Otto Beisheim School of Management hat er jetzt die Fähigkeit zur Gefühlserkennung von Mitarbeitern untersucht. Die Ergebnisse brachte das Journal of Organizational Behavior.

142 westdeutsche Angestellte schauten sich am Computer Gesichter an oder hörten Aufzeichnungen von Stimmen und sollten das richtige Gefühl einschätzen, das die abgebildete Person gerade hatte: ob sie sich ärgerte, ängstlich, glücklich oder traurig war. Dann schätzte jeweils ein Kollege die sozialen Fertigkeiten des Angestellten ein („Sie scheint immer instinktiv zu wissen, was man sagen muss und wie man andere beeinflusst.“), und der Chef kreuzte in einem Fragebogen an, ob der Mitarbeiter fürsorglich und hilfsbereit war („Er hört genau zu und ist fürsorglich, wenn arbeitsbezogene Informationen ausgetauscht werden.“). Schließlich gaben die Angestellten ihr Jahreseinkommen an. Was kam heraus?

Gefühle erkennen, mehr Gehalt

Emotionserkennung ging mit sozialen Kompetenzen einher. Die Fähigkeit eines Mitarbeiters, in Gesichtern oder Stimmen das richtige Gefühl zu erkennen, hing deutlich mit den sozialen Kompetenzen zusammen, die Kollegen und Chefs attestierten. Je besser die Emotionserkennung ausfiel, desto scharfsinniger waren die Angestellten in zwischenmenschlichen Belangen. Sie konnten andere beeinflussen, waren gut vernetzt, schienen rücksichtsvoller und halfen Kollegen mehr.

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Indirekter Zusammenhang zwischen Emotionserkennung und Gehalt. Die Fähigkeit, Gefühle zu erkennen, hing nicht direkt mit dem Gehalt zusammen. Zwischen beiden Größen gab es quasi einen Nullzusammenhang von r = .05. Aber indirekt waren sie über den vermittelnden Einfluss der sozialen Kompetenz gekoppelt: 1) Wer in Gesichtern Gefühle besser lesen konnte, war sozial cleverer. 2) Zwischenmenschlicher Scharfsinn führte zu mehr kollegialer Hilfsbereitschaft. 3) Diese vom Chef bestätigte Fürsorglichkeit ging mit einem höheren Jahresgehalt einher. Die Zusammenhänge blieben auch dann bestehen, wenn Position im Unternehmen, Bildungsstatus und Merkmale der beruflichen Tätigkeiten herausgerechnet wurden.

Erfolgsfaktor Emotionserkennung

Die Studie zeigt also, dass sich emotionale Kompetenz über den Weg der Umgänglichkeit auszahlt. Die Autoren schreiben (S. 159):

„Wenn unsere Studie eine wichtige Botschaft hat, dann die, dass es Menschen hilft, beruflich erfolgreich zu sein, wenn sie wahrnehmen, was andere fühlen, und diese Informationen nutzen, um sich in der sozialen Welt von Unternehmen zu bewegen.“

Koautor Jochen Menges bringt es so auf den Punkt: „Emotionserkennung ist ein ökonomischer Erfolgsfaktor.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Tassilo Momm, Gerhard Blickle (University of Bonn), Yongmei Liu (Illinois State University), Andreas Wihler, Mareike Kholin (University of Bonn) & Jochen Menges (WHU – Otto Beisheim School of Management ). (2015). It Pays to Have an Eye for Emotions: Emotion Recognition Ability Indirectly Predicts Annual Income [PDF]. Journal of Organizational Behavior, 36, 147-163.

Bei Tätigkeiten mit viel Emotionsarbeit steigert das Vermögen Emotionen steuern zu können die Arbeitsleistung. Bei Berufen mit wenig Emotionsarbeit trägt die Emotionssteuerung auch nur wenig zur Arbeitsleistung bei.

In einer neuen Untersuchung zeigte sich, dass die Klienten von Psychotherapeuten und die Kunden von Friseuren umso zufriedener waren, je emotional intelligenter sich die Dienstleister selbst einschätzten.

Feindselige Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen eines Chefs werden offenbar in dessen Herkunftsfamilie geprägt, wie eine neue Studie zeigt.

Der neue Themenschwerpunkt „Fit für den Erfolg“ zu Erfolgsfaktoren, Verhaltensstrategien, Gehaltsverhandlung, Eigeninitiative, Geduld, Misserfolg und Personalentwicklung.

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