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Lernen von David Dubois

Reiche lügen, wenn der kleinste Vorteil für sie winkt

27. April 2015

Angehörige der reichen Oberschicht lügen, betrügen und unterschlagen, wenn der kleinste Vorteil für sie selbst winkt. Angehörige der Unterschicht lügen höchstens uneigennützig, um anderen etwas Gutes zu tun. Das ist das Ergebnis einer neuen Experimentalreihe.

Ist die Oberschicht unmoralisch?

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Eine Forschergruppe um David Dubois von der französischen Business School INSEAD hat untersucht, ob Angehörige der Oberschicht unmoralischer sind als jene der Unterschicht. Ihre Ergebnisse sind im Journal of Personality and Social Psychology abgedruckt.

Ausgangspunkt war ein Ergebnis von Paul Piff und Kollegen. Sie wiesen in mehreren Experimenten nach, dass Begüterte und Bildungseliten mehr logen und betrogen als Arme. Die Vermutung von David Dubois und seinen Mitarbeitern: Reiche sind nicht per se unmoralisch, sondern nur dann, wenn es um ihren eigenen Vorteil geht. Diese Annahme überprüften sie in sechs Experimenten. Das Ergebnis:

Betrug – aus einem Machtgefühl heraus

Reiche waren unmoralisch, wenn es um ihren eigenen Vorteil ging. Angehörige der Oberschicht logen mehr, wenn sie selbst etwas gewinnen konnten. Wenn der Gewinn uneigennützig an eine andere Person gehen sollte, waren sie hingegen „ehrlicher“ als die Unterschicht (Experiment 1). Jene mit dem höchsten Jahreseinkommen waren unmoralisch, wenn es um ihren eigenen Vorteil ging. Sie wollten z.B. etwas essen ohne zu bezahlen oder sagten einer Verkäuferin nicht, dass sie zu viel Geld herausgegeben hatte. Wenn es um den Vorteil einer anderen Person ging, waren Reiche wieder „moralisch“ und hielten sich an die Regeln (Experiment 2). Angehörige der Unterschicht beziehungsweise wenig Begüterte betrogen nur, wenn sie damit jemand anderem etwas Gutes tun konnten.

Das Gefühl von Macht erklärte die Unmoral. Wenn Reiche aus Eigennützigkeit logen, betrogen, unterschlugen, dann deshalb, weil sie ein ausgeprägteres Gefühl von Macht hatten („Ich denke, dass ich viel Macht habe“, Experimente 3 und 4). Auch die experimentelle Verstärkung des Machtgefühls – durch Erinnerung an Lebensphasen, in denen man Macht ausübte – bewirkte, dass man mehr aus Eigennutz log und z.B. eine Krankheit vorschob, um die vergessene Abgabe einer Hausarbeit zu verheimlichen, oder mogelte, um eine kreative Tätigkeit zu ergattern (Experimente 5 und 6). Jene, die wenig Macht verspürten, schwindelten nicht für den eigenen Vorteil, sondern lediglich für andere.

Unmoralische Oberschicht

Reiche logen also eher, wenn ein kleinster Vorteil für sie winkte, wenn es etwas zu gewinnen gab, sie einen Snack nicht bezahlen mussten oder sie etwas vertuschen wollten. Für andere Personen logen sie kaum. Das taten nur die Armen. Die Autoren dazu (S. 447):

„Die Zugehörigkeit zur Oberschicht führt nicht von Natur aus zu unmoralischem Verhalten, sondern stattdessen zur Tendenz, sich eigennützig zu verhalten. Im Gegensatz dazu kann auch die Zugehörigkeit zur Unterschicht zu unmoralischem Verhalten führen, aber nur dann, wenn andere dadurch profitieren.“

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Fakt ist, dass Reiche mehr aus Eigennutz logen, Arme hingegen nur zum Nutzen anderer. Wenn man eigennütziges und uneigennütziges Lügen nicht auf die gleiche Stufe der Unmoral stellt, war die Oberschicht tendenziell unmoralischer als die Unterschicht.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

David Dubois (INSEAD), Derek D. Rucker (Northwestern University) & Adam D. Galinsky (Columbia University). (2015). Social Class, Power, and Selfishness: When and Why Upper and Lower Class Individuals Behave Unethically [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, 108 (3), 436-449.

Paul K. Piff, Daniel M. Stancato, Stéphane Côté, Rodolfo Mendoza-Denton & Dacher Keltner (2012). Higher Social Class Predicts Increased Unethical Behavior [PDF]. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS), 109 (11), 4086–4091.

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