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Lernen von Juliana Schroeder

Die Stimme verbessert Einstellungschancen

17. April 2015

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In fünf Experimenten, die Chicagoer Psychologen durchführten, zeigte sich, dass gesprochene Kurzbewerbungen wirksamer waren als geschriebene. Laien, Angestellte oder Personalmanager fanden Kandidaten intelligenter und wollten sie eher einstellen, wenn sie deren Stimme hörten. Schriftliche Bewerbungen verschlechterten die Einstellungschancen.

Audio, Video und Text verglichen

Die Psychologin Juliana Schroeder promoviert an der Booth School of Business der Universität Chicago. Zusammen mit Nicholas Epley hat sie gerade fünf Experimente zur Wirkung der Stimme in Bewerbungssituationen durchgeführt. Die Ergebnisse ihrer Studie „The Sound of Intellect” werden demnächst in der Fachzeitschrift Psychological Science veröffentlicht.

In den ersten beiden Experimenten bewerteten 380 Erwachsene Kurzpräsentationen von 18 potenziellen Bewerbern. Diese Präsentationen wurden von den Bewerbern entweder am Computer geschrieben, als Audiodatei oder Video aufgezeichnet oder lagen als Niederschrift der Audiodatei vor.

In den nächsten beiden Experimenten sprachen Schauspieler oder Museumsbesucher die 18 geschriebenen Präsentationen aus dem ersten Experiment in einer Audiodatei ein. 399 Erwachsene und Angestellte bewerteten dann den geschriebenen Text und die Audiodatei.

Im letzten Experiment bewerteten 39 Recruiter aus Fortune-500-Unternehmen einige der Audiodateien und deren Niederschrift der Kurzpräsentationen aus dem ersten Experiment. Was kam heraus?

Intelligenter mit Stimme

Gesprochene Kurzbewerbungen wirkten intelligenter. In allen fünf Experimenten wurden die Kandidaten, die sich in Audio- oder Videodateien präsentierten, intelligenter eingeschätzt als jene, von denen nur ein Text oder die Niederschrift der Audiodatei vorlag. Zwischen Audio- und Videodatei gab es keinen Unterschied. Entscheidend war also, dass man die Stimme hörte. Inhalte oder Sprecherpersönlichkeit waren zweitrangig.

Die Stimme erhöhte die Wahrscheinlichkeit, eingestellt zu werden. Die Kandidaten, von denen die Stimme zu hören war, wirkten insgesamt sympathischer und hatten bessere Chancen ein Jobangebot zu bekommen als jene, von denen man nur den Text las. Ob Laien, Angestellte oder professionelle Personalmanager – sie alle wollten eher jene Kandidaten einstellen, deren Stimme sie hörten.

Mit Arbeitgebern sprechen

Gehörte Kurzbewerbungen schlugen also gelesene Bewerbungstexte. Die Stimme ließ Bewerbungskandidaten intelligenter erscheinen und verbesserte ihre Einstellungschancen. Die Autoren empfehlen daher, dass man als Bewerber nicht nur auf blassen Text setzt, sondern mit Entscheidern im Unternehmen sprechen soll. Sie fassen zusammen:

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„Obwohl Textmedien wie E-Mails schnellen Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern versprechen, zeigen unsere Experimente, dass Kommunikation ohne Stimme mit unerwarteten Nachteilen verbunden ist. Die menschliche Stimme, so scheint es, überträgt den Klang der Intelligenz.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Juliana Schroeder & Nicholas Epley (in press). The Sound of Intellect: Speech Reveals a Thoughtful Mind, Increasing a Job Candidate's Appeal [PDF]. Psychological Science.

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