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Lernen von Dragos Iliescu

Wer nicht zum Job passt, schädigt häufiger das Unternehmen

27. März 2015

Wer von seinen Interessen her nicht zum Job passt, schädigt häufiger das Unternehmen, lässt Arbeitsmaterialien mitgehen oder mobbt Kollegen. Das legt eine neue Befragung nahe. Berufliche Passung erwies sich dabei als einer der besten Vorhersagefaktoren für Fehlverhalten bei der Arbeit.

Interessen: stabilste aller Eigenschaften

Alle Hefte im ÜberblickDragos Iliescu ist Psychologieprofessor an der Nationalen Hochschule für Politik- und Verwaltungswissenschaften in Bukarest. Zusammen mit US-amerikanischen Kollegen hat er jetzt im Journal of Applied Psychology Ergebnisse zum Zusammenhang von beruflicher Passung und unternehmensschädigendem Verhalten vorgelegt.

Zur beruflichen Passung wurden Interessen herangezogen. Berufliche Interessen sind überdauernde Vorlieben für bestimmte Tätigkeiten und werden von Psychologen als die „zeitlich stabilsten aller psychologischen Eigenschaften“ angesehen. Gängig ist die Unterscheidung von sechs Interessens- und Umgebungstypen: handwerkliche, forschende, künstlerische, soziale, unternehmerische und verwaltungsbezogene Interessen/Umgebungen.

In der Untersuchung hatten Personen eine hohe berufliche Passung, wenn Interesse und Umgebung in die gleiche Kategorie fielen (z.B. ein handwerklich Interessierter arbeitete in einer KFZ-Werkstatt). Gering war die Passung, wenn Interesse und Umgebung weit auseinander lagen (z.B. eine künstlerische Interessierte arbeitete als Verwaltungsangestellte).

Frust und Schädigung

Dragos Iliescu und seine Kollegen nahmen an, dass geringe berufliche Passung frustrierte. Da Frust im Job einer der stärksten Vorhersagefaktoren für schädigendes Verhalten ist, sollte die Passung auch vorhersagen, ob jemand Eigentum des Unternehmens entwendet.

Die Psychologen befragten in zwei Studien insgesamt 660 rumänische Beschäftigte und deren Vorgesetzte zu den beruflichen Interessen, Persönlichkeitseigenschaften und dem unternehmensschädigenden Verhalten der Mitarbeiter.

Wer nicht passte, stahl häufiger

Je schlechter die Passung, desto häufiger Schädigungen. Je weniger gut Beschäftigte zum Beruf passten, je weiter Interessen und Berufsprofil voneinander entfernt waren, desto häufiger gaben sie selbst unternehmensschädigendes Verhalten zu und auch ihre Vorgesetzten attestierten ihnen krumme Touren in Bezug auf Kollegen („Er hat jemanden bei der Arbeit runtergemacht.“) oder Unternehmen („Sie hat unerlaubt Dinge mitgenommen, die dem Unternehmen gehören.“).

Frust war das Verbindungsstück. Er vermittelt die Wirkung der mangelnden Passung aufs schädigende Verhalten. Wer etwas tun musste, was nicht mit seinen Interessen im Einklang stand, war enttäuscht. Diese Frustration wiederum führte zu häufigerem Fehlverhalten.

Berufliche Passung war Top-Vorhersagefaktor. Neben Psychopathie („Rache sollte schnell und gemein sein.“) und geringer Verträglichkeit war mangelnde berufliche Passung der beste Vorhersagefaktor für unternehmensschädigendes Verhalten. Die Vorhersagekraft stieg um bis zu 10 Prozent, wenn man neben vielen anderen Persönlichkeitseigenschaften die Passung einbezog.

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Wer gut zum Job passt, verhält sich also einwandfrei. Ausgehend von diesem Ergebnis regen die Autoren an, Interessenskalen stärker bei der Personalauswahl zu berücksichtigen. Aber nicht die Ausprägungen einzelner Interessenskalen sollten verwendet werden, sondern Passungsindizes (S. 35):

„Das Ergebnis zeigt, dass Indizes zur beruflichen Passung, die oft als unwichtiges Nebenprodukt von Interessensskalen angesehen werden, wichtige Leistungsfacetten wie das unternehmensschädigende Verhalten vorhersagen und das ähnlich gut oder sogar besser als allgemeine oder spezielle Persönlichkeitseigenschaften.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Dragos Iliescu (National School of Political and Administrative Studies), Dan Ispas (Illinois State University), Coralia Sulea (West University of Timisoara) & Alexandra Ilie (Illinois State University). (2015). Vocational Fit and Counterproductive Work Behaviors: A Self-Regulation Perspective [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 100 (1), 21-39.

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