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Lernen von Ann Futterman Collier

Handarbeit verjüngt

19. Februar 2015

Frauen, die in ihrer Freizeit am liebsten kreativer Handarbeit, wie Nähen, Basteln oder Weben, nachgehen, werden dadurch erfrischter und energiegeladener. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Die Forscherinnen sprechen von „Verjüngung durch Handarbeit“. Gestalterische Tätigkeiten könnten daher vermehrt zur Stressbewältigung eingesetzt werden.

Häkeln bis zur Beglückung

Alle Hefte im ÜberblickAnn Futterman Collier lehrt Klinische Psychologie an der Northern Arizona University. Zusammen mit Catya von Károlyi hat sie jetzt untersucht, wie sich Stricken, Häkeln oder Weben auf die Psyche auswirken. Abgedruckt wurden ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts.

Ausgangspunkt ihrer Studie war der Begriff der Verjüngung (rejuvenation). Darunter verstehen die Forscherinnen, dass sich die Stimmung bessert, man erfrischter ist, sich energiegeladener fühlt und dass dieser Zustand längere Zeit anhält. Sie vermuteten, dass kreative Handarbeit zu dieser Art Belebung beiträgt, und legten 435 Frauen, die in ihrer Freizeit mit Nadel und Faden arbeiteten, einen entsprechenden Onlinefragebogen vor. Darin stellten sie Fragen zur Handarbeit und zu den dabei erlebten Gefühlen.

Außerdem sollten sie eine das Selbst definierende Aktivität nennen (S. 478): „Wenn Sie jemandem einen Eindruck davon geben wollen, wer Sie wirklich sind und was Sie für ein Mensch sind, welche Aktivität würden Sie dann nennen, die widerspiegelt, was Sie ausmacht?“ Das musste nicht zwangsläufig die Handarbeit sein, sondern konnte alle möglichen Freizeitaktivitäten betreffen. Zu dieser selbstdefinierenden Aktivität wurden weitere Fragen gestellt, etwa ob sie einen ausfüllte oder belebte.

Gewebte Belebung

Handarbeit erfrischte nachhaltig. Die meisten Frauen gaben an, dass sie durch ihre Handarbeit „eingenommen und angeregt wurden“ und sich danach „erfrischt, wiederhergestellt und ausgeglichen“ fühlten. Vor allem folgende Handarbeiten belebten nachhaltig: 1) mit verschiedenen Materialien basteln, 2) Oberflächen gestalten, 3) Quilten, Steppdecken oder Patchworks nähen, 4) Weben, 5) Textilien färben, 6) Textilfasern spinnen.

Kreative Aktivitäten belebten mehr als nicht kreative. 69 Prozent aller Frauen gaben als selbstdefinierende Aktivität eine kreative an (z.B. Textilien gestalten oder Malen). 31 Prozent schilderten als liebste Tätigkeit eine nicht kreative (z.B. mit der Familie zusammen sein, Lesen, Sport oder im Garten arbeiten). Frauen, die sich lieber kreativ beschäftigten, gingen mehr in ihrer Tätigkeit auf, erlebten mehr positive Gefühle, größere Übereinstimmung mit ihren Werten, einen breiteren Einsatz ihrer Fähigkeiten und berichteten über eine stärkere belebende Wirkung als Frauen, die nicht kreative Arbeit bevorzugten.

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Langfristige Erholung trat nach einnehmenden Tätigkeiten ein. Je mehr eine Frau in ihre Freizeitaktivität vertieft war und völlig darin aufging, je deutlicher sie dadurch an ihre Wertvorstellungen anknüpfen konnte und je mehr Glück und Zufriedenheit sie dabei erlebte, desto erholter war sie auch noch längere Zeit danach. Dieser belebende und „verjüngende“ Effekt zeigte sich aber nur bei kreativen Aktivitäten, bei nicht schöpferischen blieb er aus.

Sich einen Stresspuffer stricken

Kreative Freizeitbeschäftigungen, wie Nähen, Gestalten oder Malen, regen also an, heitern auf und erfrischen. Die Autorinnen dazu (S. 484):

„Obwohl eine Vielzahl von Tätigkeiten die Stimmung verbessern können, sind künstlerische Aktivitäten, die einen einnehmen, die anregen und helfen, die eigenen Wertvorstellungen zu verwirklichen, effektiver, was die längerfristige Belebung angeht.“

Die Psychologinnen weisen darauf hin, dass kreativer Beschäftigung allgemein ein befreiendes und stärkendes Potenzial innewohnt. Das sollte zur Stressbewältigung, im Coaching oder bei der Arbeitsgestaltung häufiger genutzt werden.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Ann Futterman Collier (Northern Arizona University) & Catya von Károlyi (University of Wisconsin–Eau Claire). (2014). Rejuvenation in the “Making”: Lingering Mood Repair in Textile Handcrafters [Abstract]. Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts, 8 (4), 475-485.

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