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Lernen von Uwe Peter Kanning

Wer sich ehrenamtlich engagiert, ist sozial kompetenter

17. Februar 2015

Je mehr sich jemand ehrenamtlich engagiert, desto sozial kompetenter ist er oder sie. Das fanden Osnabrücker Wirtschaftspsychologen in einer Onlinebefragung heraus. Das angegebene Engagement kann in Bewerbungen also auf Geschick im Umgang mit anderen Menschen hinweisen.

1.053 Personen zum Ehrenamt befragt

Alle Hefte im ÜberblickUwe Peter Kanning ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück. Zusammen mit Janine Woike hat er untersucht, ob eine ehrenamtliche Tätigkeit soziale Kompetenzen vorhersagt, so wie es von Personalern oft behauptet wird. Ihre Ergebnisse sind in der Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie abgedruckt.

Unter einem Ehrenamt oder sozialem Engagement verstanden die Autoren eine „freiwillige, unentgeltliche Aktivität für andere Menschen, die außerhalb der beruflichen Arbeitstätigkeit liegt und sich nicht auf Familienangehörige bezieht“ (S. 2). Sie machten sieben Bereiche sozialen Engagements aus:

Insgesamt füllten 1.053 Personen im Alter von 18 bis 84 Jahren einen Onlinefragebogen aus, mit welchem die Intensität des sozialen Engagements (Jahre und Stunden pro Monat) und die soziale Kompetenz erhoben wurden. Beides hing wie folgt zusammen.

Ehrenamtler kümmern sich, hören zu, setzen sich ein

Ein Ehrenamt ging mit einer stärkeren sozialen Orientierung und Tatkraft einher. Je häufiger sich die Befragten sozial engagierten, desto mehr kümmerten sie sich um andere („Auch wenn meine Zeit äußerst knapp bemessen ist, habe ich immer ein offenes Ohr für andere.“) und desto forscher setzten sie sich ein („Ich liebe es, mit anderen Menschen kontrovers zu diskutieren.“). Neben dieser sozialen Orientierung und Tatkraft wurden zwei weitere Facetten der sozialen Kompetenz gemessen: Selbststeuerung und Nachdenken über sich selbst. Letztere hingen aber nur wenig mit dem sozialen Engagement zusammen.

Wer sich für die Kirche oder in Jugendfreizeiten engagierte, profitierte besonders. In diesen Ehrenamtlergruppen gab es die meisten positiven Zusammenhänge zwischen der Häufigkeit des Engagements und sozialen Kompetenzmaßen. Bei jenen, die sich für Alte und Kranke oder in Sport- und Freizeitvereinen stark machten, schlug sich das Engagement am wenigsten in sozialer Kompetenz nieder.

Alle Ehrenamtler waren sozial kompetenter als Nicht-Ehrenamtler. Die Befragten in allen sieben Ehrenamtlergruppen hatten im Vergleich zu jenen, die sich nicht engagierten, durchweg höhere Werte hinsichtlich sozialer Orientierung und Tatkraft. Ehrenamtler kümmerten sich verstärkt um andere, hörten besser zu, versuchten auch der Gegenseite zu ihrem Recht zu verhelfen, setzten sich mehr für andere ein und waren entscheidungsfreudiger.

Es ist sinnvoll, aufs soziale Engagement zu schauen

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Je mehr sich jemand also in seiner Freizeit für andere engagierte, desto kompetenter war er oder sie im zwischenmenschlichen Bereich. Das traf für alle Ehrenamtlergruppen zu, wie die Autoren schreiben: „Über alle Gruppen hinweg zeigten sich sozial engagierte Menschen als prosozialer, pluralistischer, konfliktbereiter und extravertierter“ (S. 6).

Für die Personalpraxis schlussfolgern die Forscher: „Es ist grundsätzlich sinnvoll, das soziale Engagement des Bewerbers als einen Hinweis auf erhöhte soziale Kompetenz anzusehen“ (S. 11). Dabei machen sie folgende Einschränkungen:

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Uwe Peter Kanning & Janine Woike (2015). Sichtung von Bewerbungsunterlagen: Ist soziales Engagement ein valider Indikator sozialer Kompetenzen? [Abstract]. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 59 (1), 1-15.

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