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Lernen von Ronald Beghetto

Kreativitätskränkung

19. Januar 2015

Wenn schöpferische Leistung kritisiert wird, kann das zur Kreativitätskränkung führen. Infolgedessen wird weniger getüftelt, gebastelt oder kombiniert. Scham und Fähigkeitszuschreibung befördern diese Blockade. Denken kann davon befreien, wie eine neue Studie zeigt.

Ausgebremster Einfallsreichtum

Alle Hefte im ÜberblickRonald Beghetto lehrt Pädagogische Psychologie an der Universität Connecticut. In der Fachzeitschrift Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts hat er kürzlich die Studie „Kreativitätskränkung: Eine erste Untersuchung“ veröffentlicht.

Unter Kreativitätskränkung („creative mortification“) versteht er, dass man nach einer negativen Bewertung sein kreatives Streben aufgibt. Beispiel: Ein Schüler zeichnet gerne, bewirbt sich für ein Studium an einer Kunsthochschule, seine Zeichnungen werden von den Hochschulprofessoren arg kritisiert, woraufhin er Zeichenstift und Pinsel nicht mehr anrührt.

Befragung zur Kreativitätshemmung

Ronald Beghetto interessierte, welche Faktoren zu dieser Kreativitätshemmung führen und wie sie sich überwinden lässt. Dazu befragte er 99 angehende Lehrer in einem Onlinetest. Sie bearbeiteten zwei Szenarien:

  1. Sie versetzten sich in den Schüler, dessen Zeichnungen kritisiert wurden.
  2. Sie dachten über eigene Erfahrungen mit der Kreativitätskränkung nach.

Dann beantworteten sie Fragen dazu. Herauskam, dass Fähigkeitszuschreiben die Hemmung anheizten, während Nachdenken davon befreite.

Blockade und Befreiung

Scham und Fähigkeitszuschreibung blockierten. Je stärker das Gefühl der Scham war, desto größer war die erlebte Kreativitätskränkung. Ein personenbezogenes Feedback („Du bist kein guter Künstler.“) steigerte die Kränkung, eine nicht personenbezogene Kritik („Deine Zeichnungen sind nicht gut genug.“) schwächte sie ab. Die Fähigkeitszuschreibung des schlechten Ergebnisses durch andere („Deine künstlerischen Fähigkeiten sind mangelhaft.“) hemmte ebenfalls, während eine Zuschreibung hinsichtlich Anstrengung und Wachstum („Du hast dir nicht genug Mühe gegeben.“) die Blockade unterband.

Denken befreite von der Kränkung. Folgende Denkweisen konnten den schöpferischen Rückzug abwenden und motivierten die Befragten trotz Kritik:

  1. Mut, seine Gedanken zu äußern („Ich teile immer meine Gedanken mit, auch wenn ich nicht sicher bin, ob sie richtig sind.“),
  2. die Lust zu widerlegen („Ich werde ihnen beweisen, dass sie falsch liegen.“) und
  3. die Überzeugung, dass man sich verbessern kann („Ich weiß, dass ich es besser kann.“).

Jetzt erst recht

Ob in der Schule oder im Beruf, häufig werden kreative Menschen kritisiert und zur vermeintlichen Vernunft angehalten. Das muss nicht zwangsläufig dazu führen, dass Tüfteln, Basteln oder Kombinieren abgewürgt werden.

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Wer Kritik an seiner schöpferischen Leistung auf Anstrengung zurückführt und „Jetzt erst recht!“ denkt, widersteht den Bedenkenträgern und kann daraus sogar gestärkt hervorgehen. Ronald Beghetto hat dies in seiner Studie bestätigt.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Ronald A. Beghetto (2014). Creative Mortification: An Initial Exploration [Abstract]. Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts, 8, 266-276.

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