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Lernen von Thomas Rigotti

Leistungsfähige Mitarbeiter durch gesunde Führung

14. Januar 2015

Führung, die unterstützt und Freiheiten der Belegschaft stärkt, bewirkt, dass Mitarbeiter heiterer, vitaler und leistungsfähiger werden. Das ist das Ergebnis einer neuen Längsschnittstudie und eines Führungskräftetrainings. Beide wurden in Deutschland, Schweden und Finnland durchgeführt.

Studie zur gesunden Führung

Alle Hefte im ÜberblickDie Studie „Rewarding and Sustainable Health Promoting Leadership (ReSuLead) [Wertschätzende und nachhaltige gesundheitsförderliche Führung]“ wurde von drei Forschungsteams aus Leipzig, aus dem schwedischen Västerås und dem finnischen Tampere durchgeführt. Im Leipziger Team war der Diplom-Psychologe Thomas Rigotti maßgeblich beteiligt, der seit 2013 Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Mainz lehrt. Projektträger war in Deutschland die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Workshops, Tagebücher, Coachings

Die Studie umfasste eine Längsschnitt- und eine Interventionsstudie. Innerhalb der Längsschnittstudie wurden 1.006 Beschäftigte und 131 ihrer Führungskräfte aus Banken, Behörden, aus dem Gesundheits- und Sozialbereich, aus Schulen und Reinigungsfirmen zu drei Messzeitpunkten befragt.

An der Interventionsstudie nahmen 11 deutsche Teams mit 115 Beschäftigten und 17 schwedische Teams mit 353 Beschäftigten teil. Deren Mitarbeiter und Führungskräfte erhielten zwischen erstem und zweitem Messzeitpunkt ein Training mit folgenden Elementen:

Gestärkte Mitarbeiter

Gesunde Führung, gut gelaunte Mitarbeiter. Führung war gesundheitsförderlich, wenn Führungskräfte ihren Mitarbeitern Freiräume zum selbstständigen Entscheiden ließen („Mein Vorgesetzter erlaubt mir, frei zu entscheiden, wie ich meine Arbeit organisiere.“), Mitarbeiter bei Entscheidungen einbezogen wurden („Mein Chef fragt mich, wenn Veränderungen anstehen.“), ihre Kollegen unterstützten („Mein Vorgesetzter sucht bei Konflikten nach Lösungen für alle Beteiligten.“) oder Mitarbeiter zum hoffnungsvollen und kreativen Denken angeregten („Mein unmittelbarer Vorgesetzter vermittelt mir ein klares Leitbild für die Zukunft.“). Dann waren Mitarbeiter gut gelaunt und von ihren Fähigkeiten überzeugt. Sie fühlten sich stärker ans Unternehmen gebunden und das Teamklima war gut. Langfristig fühlten sich die Mitarbeiter bei einer Führung, die unterstützte und Freiheiten stärkte, auch weniger erschöpft.

Gesunde Führung, mehr Ressourcen. Bei gesundheitsförderlicher Führung nahmen die Mitarbeiter mehr Selbstständigkeit, Sinnerleben und Rollenklarheit und damit mehr Ressourcen für die tägliche Arbeit wahr. Außerdem betrachteten Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz als sicherer. Durch gesunde Führung stiegen allerdings auch die Anforderungen der Mitarbeiter, selbstständig nachzudenken und zu planen.

Wirkung durch Selbstständigkeit. Der vermittelnde Faktor, der die Wirkung gesunder Führung auf Mitarbeitererleben und Teamklima erklärte, war die gestärkte Selbstständigkeit. Führung, die auf Freiheit setzte, stärkte das selbstständige Handeln und Denken der Mitarbeiter. Dadurch waren sie zuversichtlicher, seltener erschöpft und verstanden sich untereinander besser.

Kurz und gesund

Kurzfristige Trainingseffekte. Das Training zu gesunder Führung wirkte nur mäßig und kurzfristig. Direkt nach den Workshops, Übungen und Coachings gaben die Mitarbeiter an, dass sie ihre Fähigkeiten besser einschätzten, engagierter seien und sich das Teamklima verbessert habe. Außerdem waren sie seltener krank oder trotz Krankheit arbeiten. Auch die Führungskräfte fühlten sich besser und gesünder als vor dem Training. Acht Monate nach der Maßnahme waren diese Effekte aber nicht mehr nachweisbar. Auf wahrgenommene Belastungen (Zeitdruck, geistige und gefühlsbezogene Anforderungen) oder Ressourcen (Rollenklarheit, Selbstständigkeit, Sinnerleben) hatte das Training keinerlei Auswirkungen. Bei den schwedischen Beschäftigen brachte das Trainings gar nichts, was die Autoren darauf zurückführen, dass ihre Gesundheitsmarker schon vor der Maßnahme ausgeprägt und sie über die Trainingsinhalte bereits gut informiert waren.

Arbeitsanforderungen sind zentral

Führungskräfte, die Mitarbeiter unterstützten und ihnen Freiheiten gewährten, stärkten also deren Wohlbefinden, ihre Gesundheit und persönlich wahrgenommene Leistungsfähigkeit. Ein Training, das Vorgesetzte zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten ermutigte, zeigte aber nur geringe und kurzfristige Wirkung.

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Die wesentlichen Stellgrößen der Arbeit, die Arbeitsanforderungen, änderten sich gar nicht: schnell arbeiten müssen, viele Dinge gleichzeitig tun, Ärger, Wut oder Enttäuschung erleben. Dabei sind sie jene Größen, die angegangen werden müssen, um den krankmachenden Druck auf Mitarbeiter zu verringern, wie die Autoren betonen (S. 35):

„Die summative Evaluation ergab verändertes Führungsverhalten und verbesserte Gesundheit der Geführten, aber keine Veränderung der Arbeitsanforderungen. In diesem liegt jedoch das große Potenzial zur Veränderung insbesondere der kostspieligen depressiven Erkrankungen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Th. Rigotti, T. Holstad, G. Mohr, Ch. Stempel, E. Hansen, C. Loeb, K. Isaksson, K. Otto, U. Kinnunen, K. Perko (2014). Rewarding and sustainable health-promoting leadership (Research Project F 2199) [PDF]. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

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