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Lernen von Becca Levy

Unbewusst trainierte Altersbilder machen fit

16. Dezember 2014

Durch ein Training mit unbewusst dargebotenen Wörtern verbesserten sich bei Älteren deren Vorstellungen übers Alter. Diese positiven Altersbilder machten sie auf eindrucksvolle Weise fitter: sie konnten rascher gehen und besser stehen. Bewusste Versuche, Altersstereotype abzubauen, blieben hingegen erfolglos. Die Forscherinnen sprechen von einen „unbewussten Fitnesscenter“ beim Training von Älteren.

Altersbezogene Vorurteile abbauen

Alle Hefte im ÜberblickDie Psychologin Becca Levy lehrt an der Universität Yale und forscht zu Vorurteilen rund ums Alter. Zusammen mit Forscherkolleginnen hat sie jetzt ein Training getestet, das diese Vorbehalte abbaut und Ältere fitter macht. Abgedruckt wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Psychological Science.

An der Studie nahmen 100 über Sechzigjährige teil. Sie wurden zufällig verschiedenen Gruppen zugewiesen. In einer Gruppe wurden unbewusst positive Altersbilder trainiert (die „Unbewussten“), in einer zweiten Gruppe geschah das bewusst (die „Bewussten“), in einer dritten wurden keinerlei altersrelevante Gedanken eingeübt („Kontrollgruppe“).

Bewusstes und unbewusstes Training

Die „Unbewussten“ beobachteten am Bildschirm ein Bullauge und bekamen dabei unterhalb der Wahrnehmungsschwelle in fünf Durchläufen jeweils zwanzig Wörter zu sehen, die mit dem Alter zu tun hatten (z.B. „alt“) und mit positiven Eigenschaften Älterer (z.B. „rüstig“). Diese Übung führten sie innerhalb eines Monats einmal pro Woche durch.

Die „Bewussten“ sollten ebenso häufig, aber bewusst aufschreiben, was „geistig und körperlich gesunde“ Senioren ausmache. Teilnehmer der Kontrollgruppe verfassten Texte über die irrelevante Kleidung von Bediensteten in Verkehrsunternehmen. Sieben Tage, zwei und vier Wochen nach den Trainings wurde gemessen, welche Vorurteile die Teilnehmer gegenüber dem Alter hatten und wie leistungsfähig sie körperlich waren.

Unbewusste Sportlichkeit

Das unbewusste Training war am besten. Die „Unbewussten“ schnitten am besten ab. Sie ordneten anderen Älteren und sich selbst z.B. häufiger die Eigenschaft „fähig“ zu, nahmen also ältere Menschen generell und sich selbst als ältere Person positiver wahr. Sie konnten schneller von einem Stuhl aufstehen, rascher gehen und stabiler stehen als die „Bewussten“ und diejenigen in der Kontrollgruppe. Positive Altersbilder und gesteigerte Fitness zeigten sich bei den unbewusst Trainierten auch noch vier Wochen nach dem Training. Bei den Teilnehmern, die bewusst über vitale Senioren schrieben, verbesserten sich nur die Vorstellungen gegenüber Älteren allgemein. Damit lagen sie aber noch 30 Prozent unter der Steigerung der „Unbewussten“. Gemessen an Selbstwahrnehmung und Fitness brachten die bewussten Schreibübungen nichts.

Unbewusste Wörter führten zu positiven Altersbildern. In der statistischen Ursachenanalyse zeigte sich, dass vorteilhafte Altersbilder entscheidend waren. Sie entstanden durch die unbewusste Einblendung positiver Wörter und führten zu einer verbesserten Selbstwahrnehmung, was die Senioren wiederum sportlicher machte. Durch strebsames Texten konnten diese günstigen Altersbilder nicht erzeugt werden.

Fitnesscenter im Kopf

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Nur unbewusste Wörter ließen das altersbezogene Denken, das sich bei Älteren eingeschliffen hatte, zuversichtlicher werden. Bewusstes daran Arbeiten funktionierte laut den Wissenschaftlerinnen deshalb nicht, weil sich Altersstereotype auch gegen die besten Argumente immer wieder durchsetzen: „Alle wissen es, und ich merke es: Im Alter baut man ab, basta.“ Das unbewusste Training durchbrach dieses Muster der gedanklichen Selbstbeschränkung. Die Forscherinnen dazu (S. 2133):

„Dass sich die Altersbilder langfristig verbesserten, ist eindrucksvoll, denn vor dem unbewussten Training hatten sich auch die Teilnehmer an jene negativen Altersstereotype gewöhnt, die in der Gesellschaft vorherrschen. […] Für Ältere führte das Training zu einem Vorgang, der einem unbewussten Fitnesscenter glich.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Becca R. Levy (Social and Behavioral Sciences Division, School of Public Health, Yale University), Corey Pilver (Department of Biostatistics, School of Public Health, Yale University), Pil H. Chung(Department of Demography, University of California, Berkeley) & Martin D. Slade (Department of Internal Medicine, School of Medicine, Yale University). (2014). Subliminal Strengthening: Improving Older Individuals’ Physical Function Over Time With an Implicit-Age-Stereotype Intervention [Abstract]. Psychological Science, December 2014, 25 (12), 2127-2135.

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