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Lernen von Hannes Zacher

Arbeitsfreie Pausen erfrischen

3. Dezember 2014

Arbeitsfreie Pausen erfrischen mehr als Unterbrechungen, bei denen man etwas verrichtet, was mit der Arbeit zu tun hat. Das ist das Ergebnis eines Psychologenteams, das Universitätsangestellte befragte. Kurzfristige Vitalmacher sind etwa, einen Imbiss einzunehmen oder an die frische Luft zu gehen. Pausen, in denen gearbeitet wird – z.B. einen Kollegen glücklich machen oder E-Mails lesen –, wirken eher langfristig.

Pausen mit und ohne Arbeit

Alle Hefte im ÜberblickHannes Zacher lehrt Organisationspsychologie an der Universität Groningen und forscht dazu, wie sich Arbeitende wohler fühlen. Gerade hat er zusammen mit Holly Brailsford und Stacey Parker die Studie „Minipausen entscheiden“ im Journal of Vocational Behavior veröffentlicht.

Die Psycholog(inn)en untersuchten, wie sich arbeitsfreie und arbeitshaltige Pausen auf die wahrgenommene Lebenskraft auswirkten. In arbeitshaltigen Pausen („work-related strategies“) tat man etwas anderes, das aber Teil der Arbeit war (z.B. „sich ein neues Ziel setzen“). In arbeitsfreien Pausen („micro-breaks“) erholte man sich, indem man nicht arbeitete (z.B. „raus an die frische Luft gehen“).

An der Befragung nahmen 124 Angestellter einer australischen Universität teil. In einem Fragebogen gaben sie an, wie häufig sie langfristig gewöhnlich 22 verschiedene arbeitsfreie Pausen und 20 Formen arbeitshaltiger Pausen einlegten.

Danach füllten sie an einem einzigen Arbeitstag jeweils stündlich einen Fragebogen aus, in welchem sie berichteten, welchen kurzfristigen Pausenaktivitäten sie in der letzten Stunde nachgegangen und wie munter (anzukreuzende Eigenschaften: „munter, rege, tatkräftig, heiter, mit Schwung, lebhaft“, S. 291) beziehungsweise wie müde („müde, ausgelaugt, erschöpft, lustlos, fix und fertig“) sie danach waren. Welche Zerstreuungen verhalfen zu mehr Elan?

Arbeitsfreie Erfrischung

Arbeitsfreie Pausen erfrischten kurzfristig. Die am häufigsten angegebenen arbeitsfreien Pausenarten waren „Wasser trinken“, „auf die Toilette gehen“ und „einen Imbiss nehmen“. Diese Auszeiten ohne Arbeitsbezug machten den ganzen Tag über wacher und munterer.

Arbeitshaltige Pausen belebten langfristig. Die zumeist genannten arbeitshaltigen Pausen waren „E-Mails lesen“, „mit einem Kollegen oder dem Vorgesetzten sprechen“ und „zu einer anderen Tätigkeit wechseln“. Sie machten im Tagesverlauf allesamt nicht aufgeweckter. Nur wer diesen Pausenarten langfristig nachging, wurde dadurch rühriger.

Labende Bewegung und Kollegialität

Bewegung und Imbiss waren wohltuend. Am wirksamsten waren jene arbeitsfreien Pausen, in denen sich die Mitarbeiter bewegten oder etwas zu sich nahmen. Die erholsamsten nicht arbeitsbezogenen Aktivitäten, die langfristig und kurzfristig lebendiger wie wacher machten, waren:

  1. sich mit jemandem über gemeinsame Interessen unterhalten (z.B. Sport oder Hobbys)
  2. einen Imbiss nehmen
  3. raus an die frische Luft gehen
  4. Wasser trinken
  5. sich körperlich betätigen einschließlich spazieren gehen oder sich dehnen

Kollegialität erquickte. Die ergiebigsten arbeitshaltigen Pausen waren meist solche, bei denen man gegenüber seinen Kollegen liebenswürdig war. Der Katalog der erfrischendsten Ablenkungen mit Arbeitsbezug sah so aus:

  1. sich darauf konzentrieren, was einen bei der Arbeit erfreut
  2. etwas tun, was einen Kollegen glücklich macht
  3. sich Zeit nehmen, um jemandem aus dem Kollegenkreis seine Dankbarkeit auszudrücken
  4. jemandem bei der Arbeit seine Hilfe anbieten
  5. eine Liste zu erledigender Aufgaben erstellen
  6. mit einem Kollegen oder dem Vorgesetzten sprechen
  7. E-Mails lesen

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Die eigentlichen Vitalmacher waren also Unterbrechungen, bei denen man nichts Arbeitsähnliches tat. Arbeitsbezogene Ablenkungen wirkten nur, wenn man ihnen dauerhaft frönte.

Die Psychologen raten Arbeitgebern indes, sowohl arbeitshaltiges als auch arbeitsfreies Pausenverhalten der Mitarbeiter zu trainieren. Ersteres sei gut für die langfristige Leistungsfähigkeit, Letzteres fürs augenblickliche Wohlbefinden. An die Chefetagen appellieren sie (S. 296):

„Führungskräfte sollten es ihren Mitarbeitern nicht nur erlauben, sondern sie offensiv dazu ermutigen und dafür belohnen, Minipausen einzulegen und etwa an die frische Luft zu gehen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Hannes Zacher (Department of Psychology, University of Groningen, The Netherlands), Holly A. Brailsford and Stacey L. Parker (School of Psychology, University of Queensland, Australia). (2014). Micro-breaks matter: A diary study on the effects of energy management strategies on occupational well-being [Abstract]. Journal of Vocational Behavior, 85, 287-297.

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