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Lernen von Taya Cohen

Moralisch gesinnte Mitarbeiter engagieren sich mehr

4. November 2014

Ein US-amerikanisches Forscherteam hat die moralische Persönlichkeit von Mitarbeitern untersucht. Moralisch Gesinnte waren mitfühlend, gewissenhaft und ehrlich. Sie versuchten, keinen zu verletzen und konnten sich selbst beherrschen. Die ethische Orientierung sagte schädigendes Verhalten, Engagement, Delinquenz und unfaire Verhandlungen besser voraus als Unternehmensmaße oder demographische Faktoren.

Die moralische Persönlichkeit von 2.067 Beschäftigten untersucht

Alle Hefte im ÜberblickDie Psychologin Taya Cohen ist Professorin für organisationales Verhalten an der Carnegie Mellon University. Zusammen mit Kollegen hat sie moralische Eigenschaften untersucht, die bei der täglichen Arbeit wichtig sind. Ihre Ergebnisse wurden in der neuen Ausgabe des Journal of Personality and Social Psychology abgedruckt.

Unter moralischer Persönlichkeit verstanden die Forscherinnen überdauernde Eigenschaften, die damit zusammenhingen, ob jemand andere schädigte oder ihnen half. Beispiele moralischer Ausprägung waren Ehrlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Feinfühligkeit, Selbstbeherrschung oder ein moralisches Selbstverständnis.

In drei Studien befragten die Forscherinnen insgesamt 2.067 Beschäftigte aus allen Wirtschaftsbereichen. Diese füllten mehrere Fragebogen zur moralischen Persönlichkeit aus. Dann wurde geschaut, inwiefern die ethischen Eigenschaften mit vier arbeitsbezogenen Verhaltensmaßen zusammenhingen: unternehmensschädigendes Verhalten, freiwilliges Engagement im Unternehmen, straffälliges Verhalten und unfaire Verhandlungstechniken.

Redliche Mitarbeiter waren dem Unternehmen zuträglich

Moralische Personen waren mitfühlend, ehrlich und gerecht. Die Studienteilnehmer füllten insgesamt 13 Fragebogen zu redlichen Eigenschaften aus. Dann wurden drei zugrundeliegende Gruppen bestimmt, in denen die Personen jeweils ähnlich antworteten. Die Forscher nannten die Gruppen „schwach“, „durchschnittlich“ und „stark“ ausgeprägte moralische Persönlichkeit. Personen mit stark ausgeprägter moralischer Gesinnung hatten folgende Eigenschaften (S. 947 ff.):

Frauen waren moralischer als Männer. In der Gruppe mit stark ausgeprägter moralischer Persönlichkeit waren mehr Frauen (58 Prozent) als Männer. In der Gruppe mit schwach ausgeprägtem ethischem Charakter waren mehr Männer (68 Prozent) als Frauen.

Moralische Personen schädigten weniger und engagierten sich mehr. Nach Auskunft ihrer Kollegen schädigten jene in der Gruppe mit stark ausgeprägter moralischer Persönlichkeit das Unternehmen seltener als Personen mit schwacher ethischer Orientierung. Aus Kollegensicht engagierten sich moralische Personen auch mehr als unmoralische. Moralische Eigenschaften sagten schädigendes Verhalten und engagiertes Arbeiten besser vorher als demographische Faktoren (z.B. Alter oder Geschlecht) oder Unternehmensmaße (z.B. Unternehmensgröße, Verhaltenscodex oder Wirtschaftssektor).

Moralische Personen wurden seltener delinquent und verhandelten fair. Im Vergleich zu eher unethischen Personen wurden Teilnehmer mit moralischen Werten seltener straffällig („Was ist der ungefähre Wert aller Dinge, die sie bislang gestohlen haben?“). Außerdem verhandelten sie fairer. Personen mit schwach ausgeprägter moralischer Persönlichkeit erwirkten etwa, dass gegnerische Verhandlungsführer abgesetzt wurden, machten falsche Versprechungen, täuschten Fakten vor oder bestachen die gegnerische Partei.

Die Moral sagte das Verhalten besser vorher als Unternehmensmaße

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Personen anhand der Rechtschaffenheit, die sie für sich selbst sehen, unterscheiden lassen und dass diese moralische Ausrichtung abträgliches oder hilfreiches Verhalten vorhersagt. Die Autorinnen fassen zusammen (S. 958):

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„Ausgehend von diesen Ergebnissen schlussfolgern wir, dass Personen mit stark ausgeprägter moralischer Persönlichkeit durch Selbstauskunftsfragebogen erfasst werden können und dass dieser Selbstbericht arbeitsbezogenes Verhalten noch Monate nach der Messung vorhersagt. […] Diese Ergebnisse legen nahe, dass moralische Persönlichkeitseigenschaften schädigendes und hilfreiches arbeitsbezogenes Verhalten besser vorhersagen als unternehmensseitige oder demographische Faktoren.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Taya R. Cohen (Carnegie Mellon University), A. T. Panter (University of North Carolina at Chapel Hill), Nazlı Turan (Católica Lisbon School of Business and Economics) Lily Morse & Yeonjeong Kim (Carnegie Mellon University). (2014). Moral Character in the Workplace [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, 107 (5), 943-963.

Zu unethischem Verhalten bei der Arbeit kommt es, wenn ein Mitarbeiter unethische Vorgaben umsetzen müssen, wenn sie andere manipulieren oder die Folgen ihres Handelns nicht beachten.

Kreative betrügen mehr als weniger Kreative. Wenn es Geld zu verdienen gibt, schummeln sie häufiger.

Beschmutzte Geldscheine führen dazu, dass Verkäufer tricksen, dass sich die Hemmschwelle für unmoralische Handlungen senkt und man geiziger oder gieriger wird.

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