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Lernen von Astrid Müller

Kaufsüchtige sind häufig depressiv

28. Oktober 2014

Kaufsüchtige sind häufig niedergeschlagen. Außerdem horten viele von ihnen exzessiv Gegenstände. Das sind die Ergebnisse zweier Studien der Kaufsuchtforscherin Astrid Müller.

Kaufsuchtforschung

Alle Hefte im Überblick Astrid Müller ist leitende Psychologin an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover und forscht zur Kaufsucht.

Kürzlich hat ihre Forschergruppe zwei neue Studien zum Zusammenauftreten von Kaufsucht und anderen psychischen Störungen in den Fachzeitschriften Psychopathology und Psychiatry Research veröffentlicht.

Rauschhafte Käufe

Kaufsucht liegt vor, wenn man häufig einkauft, um sich glücklich, befreit oder berauscht zu fühlen. Gegenstände zu erwerben, ist nicht das Ziel. Sie werden nach dem Kauf gehortet, weggeben oder einfach vergessen.

Häufig haben Betroffene wegen teurer Anschaffungen Probleme mit dem Partner. Sie geraten in finanzielle Engpässe oder werden verklagt. Rund sieben Prozent aller Menschen sind kaufsüchtig. Astrid Müller und ihre Kolleginnen haben diese Kaufsucht in zwei neuen Studien untersucht. Ihre Ergebnisse:

Kaufsüchtige sind niedergeschlagen und horten

Kaufsucht hing mit Depressionen zusammen. In einer Studie mit 102 Kaufsüchtigen, die zu einer Therapie angemeldet waren, wurden Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitseigenschaften (Materialismus, Kontrollneigung, Geselligkeit, Sensibilität), Depression und Kaufsucht untersucht. Insgesamt hing Kaufsucht nur mit Depressionen zusammen, also mit Phasen ausgeprägter Traurigkeit und körperlicher Erschöpfung.

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Kaufsucht hing mit exzessivem Horten zusammen. Drei Gruppen mit 35 Kaufsüchtigen, 40 Personen, die exzessiv Gegenstände sammelten, und 60 Personen, die sowohl ständig kauften und horteten, wurden untersucht. Patienten der letzten Gruppe, die von der kombinierten Störung betroffen waren, hatten die schwerwiegendsten Symptome einer Kaufsucht. Krankhaftes Horten hing also deutlich mit maßlosem Kaufen zusammen und verstärkte es.

Gegen Kaufsucht, so Astrid Müller, hilft eine Gruppentherapie, bei der die Patienten lernen, mit ihrem starken Kaufwunsch umzugehen und Einkäufe mehr und mehr zu vermeiden.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Astrid Müller, Laurence Claes, Ekaterini Georgiadou, Maike Möllenkamp, Eva M. Voth, Ron J. Faber, James E. Mitchell & Martina de Zwaan (2014). Is compulsive buying related to materialism, depression or temperament? Findings from a sample of treatment-seeking patients with CB [Abstract]. Psychiatry Research, 216 (1), 103-107.

Maike Möllenkamp, Martina de Zwaan & Astrid Müller (2014). Hoarding with and without Excessive Buying: Results of a Pilot Study [Abstract]. Psychopathology, Online First.

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