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Lernen von Julia Hoch

Virtuelle Teams leisten bei klaren Ansagen mehr

9. Oktober 2014

Virtuelle Teams profitieren nicht von motivierenden Worten, sondern von klaren Ansagen, so das Ergebnis einer neuen Studie. Die Arbeitsqualität verteilter Teams steigt, wenn Leistungen fair bewertet und verständliche Mails geschrieben werden. Mitreißende Reden sind dabei nutzlos.

101 Entwicklungsteams befragt

Alle Hefte im ÜberblickDiplompsychologin Julia Hoch ist Assistenzprofessorin für Management an der California State University, Northridge. Zusammen mit Steve Kozlowski hat sie jetzt im Journal of Applied Psychology eine Studie zur Führung virtueller Teams veröffentlicht.

Sie befragten 565 Mitarbeiter aus 101 Forschungs- und Entwicklungsteams internationaler Fertigungsunternehmen. Teams waren virtuell, wenn die Mitarbeiter in mehreren Ländern arbeiteten, verschiedenen Kulturen angehörten und sich elektronisch verständigten. Es gab aber auch nicht virtuelle Teams, deren Mitglieder an einem Ort arbeiteten und sich täglich sahen.

Drei Stile: klassisch, klar, geteilt

Die Forscherinnen prüften, inwieweit drei Führungsstile die Leistung virtueller Teams beeinflussten:

Klarer Ton, nutzlose Motivation

Klassische Führung war nutzlos. In virtuellen Teams spielte es keine Rolle, ob der Teamleiter motivierte oder einfühlsam war. Auf die Teamleistung hatte diese sogenannte transformationale Führung – Führung, die durch mitreißende Worte Mitarbeiter verändern will – keinen Einfluss. Nicht virtuelle Teams, die vor Ort arbeiteten, profitierten jedoch von dieser klassischen Führung.

Klare Ansagen hatten Erfolg. Virtuelle Teams waren – gemessen an Arbeitsmenge, Arbeitsqualität, Zeitplan und Budgetvorgaben – besser, wenn die Leistungen fair beurteilt wurden, die Vergütung transparent war und der Chef präzise informierte. Nicht virtuellen Teams nützten diese klaren Ansagen hingegen nicht.

Geteilte Führung war immer gut. Sowohl virtuelle als auch nicht virtuelle Teams leisteten mehr, wenn mehrere Verantwortung übernahmen und sich gegenseitig unterstützten. Es war hilfreich, wenn es nicht einen, sondern viele Chefs gab.

Aufruf zur Klarheit

Bei Teams, in denen Mitarbeiter in mehreren Ländern arbeiteten, nachts E-Mails schrieben, die andere erst am nächsten Tag lasen und ständig vorm Bildschirm saßen, griff der klassische, wolkige Führungssprech nicht mehr.

Regional verstreute Teams wurden dann besser, wenn der Teamleiter klare Ansagen machte. Die Autoren dazu (S. 399):

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„Daher ist diese strukturelle Unterstützung ein nützliches Managementwerkzeug, das klassische Führung bereichert und das Leitern virtueller Teams empfohlen werden kann. Strukturelle Unterstützung umfasst faire und genaue Belohnungssysteme, klare Kommunikation und Information.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Julia E. Hoch (California State University, Northridge) & Steve W. J. Kozlowski (Michigan State University). (2014). Leading Virtual Teams: Hierarchical Leadership, Structural Supports, and Shared Team Leadership [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 99 (3), 390-403.

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