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Lernen von Gloria Luong

Ältere meistern gelassen schwierige Gespräche

1. Oktober 2014

In einem Experiment sprachen Teilnehmer mit einem garstigen Gesprächspartner. Die Älteren unter ihnen meisterten gelassen das schwierige Gespräch. Im Gegensatz zu den Jüngeren blieben sie fröhlicher, bewerteten die Situation positiver und hatten keinen höheren Blutdruck oder Puls.

Problemgespräch: Darf man ein Medikament stehlen?

Alle Hefte im ÜberblickDie Psychologin Gloria Loung forscht am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Jetzt hat sie zusammen mit Susan Charles in der Fachzeitschrift Developmental Psychology Ergebnisse zur Frage veröffentlicht, wie Ältere und Jüngere schwierige Gespräche durchstehen.

An der Studie der Forscherinnen nahmen 80 Personen im Alter von 18 bis 28 Jahren und 79 Personen im Alter von 60 bis 88 Jahren teil. Sie sollten mit einem Gesprächspartner 20 Minuten lang acht Probleme diskutieren.

Das waren moralische Dilemmata, z.B. ob man ein Medikament stehlen darf, um Leben zu retten, oder ob man ein vertauschtes Lotterielos, das gewonnen hat, dem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben soll.

Stirnrunzeln und Kopfschütteln

Der Gesprächspartner gehörte – was die Studienteilnehmer nicht wussten – zum Forschungsteam und stresste die Teilnehmer absichtlich, indem er unfreundlich war, provozierte („Das kann ich jetzt echt nicht nachvollziehen.“), die Stirn runzelte oder mit dem Kopf schüttelte.

Die Teilnehmer gaben in Fragebögen vorher und nachher an, wie sie sich fühlten, was sie beabsichtigten und wie sie die Situation bewerteten. Außerdem wurden mit einer Oberarmmanschette alle drei Minuten Blutdruck und Puls gemessen.

Fröhliche Gelassenheit

Ältere waren fröhlicher. Direkt nach dem unangenehmen Gespräch waren die Älteren fröhlicher und weniger frustriert als die Jüngeren. Weitere 25 Minuten später erholten sich die älteren Teilnehmer rascher von ihren negativen Eindrücken als die Jüngeren.

Ältere waren körperlich entspannter. Diastolischer Blutdruck und Puls stiegen bei den über 60-Jährigen kaum an, während sie vom Gesprächspartner angegriffen wurden. Blutdruck und Herzschlag der Jüngeren nahmen hingegen deutlich zu.

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Ältere waren zielbezogener und bewerteten positiver. Im Gegensatz zu den Jüngeren hatten die Älteren klarere Ziele („Ich möchte bei der Aufgabe mein Bestes geben.“), fanden die Aufgabe angenehmer und ihren streitlustigen Gesprächspartner netter. Ziele und Bewertung erklärten die Ergebnisse und waren damit vermittelnde Größen. Freude an der Aufgabe war für die unmittelbaren Gefühle verantwortlich, Sympathie fürs Gegenüber für einen gleichbleibenden Puls und das Aufgabenziel für die längerfristige Erholung nach der Diskussion.

Jüngere vermieden Konflikte. Das wurde im beobachteten Verhalten deutlich. Sie versuchten, zu einem anderen Thema zu wechseln oder etwas Liebenswürdiges zu sagen. Ältere hingegen wiegelten nicht ab, sondern stellten sich gelassen den Angriffen.

Altersmilde gegenüber den Unwirschen

Die Autoren schlussfolgern (S. 1919):

„Zusammengefasst zeigen die Ergebnisse, dass ältere Erwachsene nicht so negativ auf unangenehme soziale Interaktionen reagieren wie jüngere Erwachsene.“

Ältere glänzten also in schwierigen Gesprächen. Sie waren nicht so aufgeregt wie Jüngere und blieben besser gelaunt. Warum?

Weil die Betagteren das Gesprächsziel nicht aus den Augen verloren und Gespräch wie Gesprächspartner positiv bewerteten, selbst dann, wenn Letzterer unwirsch wurde.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Gloria Luong (Max Planck Institute for Human Development, Berlin, Germany) & Susan T. Charles (University of California, Irvine). (2014). Age Differences in Affective and Cardiovascular Responses to a Negative Social Interaction: The Role of Goals, Appraisals, and Emotion Regulation [Abstract]. Developmental Psychology, 50, 1919-1930.

Altersbild: negative Vorstellungen vom Alter machen krank, positive Einstellungen können hingegen bis ins hohe Alter gesund erhalten.

Wer lange Jahre Yoga übt oder meditiert, erhält im Alter seine Denkkraft. Das legen Gehirnscans nahe.

Entgegen verbreiteter Klischees sind Ältere motiviert, veränderungsbereit, gesund sowie berufsorientiert, und sie vertrauen anderen.

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