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Lernen von Beate Muschalla

Psychisch Erkrankte sind häufig bei ihrer Arbeit beeinträchtigt

25. September 2014

Beate Muschalla hat auf einem Fachkongress neueste Ergebnisse zur Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitern vorgestellt, die bereits lange Zeit psychisch erkrankt sind. Sie haben häufig Probleme am Arbeitsplatz. Diese gehen mit beeinträchtigten Fähigkeiten einher.

307 Patienten mit chronischen psychischen Erkrankungen untersucht

Alle Hefte im ÜberblickDie Diplompsychologin Beate Muschalla ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Potsdam. Zusammen mit Michael Linden hat sie auf dem 49. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, der gerade in Bochum stattfindet, neueste Ergebnisse zur Arbeitsbeeinträchtigung psychisch Erkrankter vorgestellt.

Die Forscher untersuchten 307 Patienten mit chronischen psychischen Erkrankungen. Sie schätzten anhand des Fragebogens „Mini-ICF-Rating für Aktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psychischen Erkrankungen in Anlehnung an die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (Mini-ICF-APP)“ ein, wie beeinträchtigt bestimmte Fähigkeiten waren, z.B. „Planung und Strukturierung von Aufgaben“ oder „Gruppenfähigkeit“. Dann prüften die Psychologen ob beeinträchtigte Fähigkeiten mit Problemen am Arbeitsplatz zusammenhingen. Die Ergebnisse:

Eingeschränkte Fähigkeiten und Probleme am Arbeitsplatz

Patienten mit chronischen psychischen Erkrankungen hatten häufig Probleme am Arbeitsplatz. Von denjenigen, die arbeiteten, klagten 58 Prozent über Arbeitsplatzprobleme.

Wer schlecht planen konnte, leistete weniger. Psychisch erkrankte Beschäftigte, denen es schwer fiel, Aufgaben zu planen und zu strukturieren, gaben an, dass ihre tägliche Arbeitsmenge abnahm.

Beate Muschalla präsentiert ihr Ergebnisse
Bildquelle: Deutscher Psychologen Verlag GmbH

Beate Muschalla präsentiert ihre Ergebnisse: viele Patienten hatten Probleme bei der Arbeit

Wer Fachkenntnisse nicht anwenden konnte, arbeitete schlechter. Wer seine Kenntnisse, die er in Studium oder Ausbildung erworben hatte, nicht anwenden konnte oder Probleme hatte, sich in Gruppen einzufügen, dessen Arbeitsqualität litt.

Wem soziale Kontakte schwerfielen, hatte mehr Konflikte. Psychisch erkrankte Beschäftigte, die Probleme hatten, Gespräche zu führen oder wertschätzend zu sein, hatten bei der Arbeit mehr Konflikte und wurden häufiger gemobbt.

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Arbeitsunfähige hatten eingeschränkte Fähigkeiten. 77 Prozent derjenigen, die eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung besaßen, hatten insgesamt „relevante“ Fähigkeitsbeeinträchtigungen. 28 Prozent von ihnen hatten sogar „schwere“ Beeinträchtigungen, die Unterstützung von Dritten notwendig machten.

Verlässliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen

Langwierige psychische Störungen gingen also mit Problemen am Arbeitsplatz und eingeschränkten Fähigkeiten einher. Außerdem stellten die Forscher fest, dass Arbeitsunfähigkeitsatteste verlässlich waren:

„Die Beeinträchtigungsschwere der Fähigkeiten bei arbeitsunfähig geschriebenen Patienten spricht für die Validität ärztlicher Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Beate Muschalla (Universität Potsdam) & Michael Linden (Rehabilitationszentrum Seehof). (2014). Fähigkeitsbeeinträchtigungen, Arbeitsplatzprobleme und Arbeitsunfähigkeit bei Patienten mit chronischen psychischen Erkrankungen. Präsentation und Poster auf dem 49. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, 21.-25. September 2014, Ruhr-Universität Bochum.

Nach einem sechs Sitzungen umfassenden Coaching waren chronisch kranke Mitarbeiter selbstbewusster, widerstandsfähiger, optimistischer, weniger erschöpft und ihrer Arbeit besser gewachsen.

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