Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Lernen von Alyssa K. McGonagle

Chronisch kranke Mitarbeiter erfolgreich gecoacht

22. September 2014

US-amerikanische Psychologinnen haben 59 Vollzeitbeschäftigte mit chronischen Erkrankungen gecoacht. Ergebnis: Die Klienten waren nach sechs Coachingsitzungen selbstbewusster, widerstandsfähiger, optimistischer, weniger erschöpft und ihrer Arbeit besser gewachsen.

Coaching für chronisch Kranke

Alle Hefte im ÜberblickAlyssa McGonagle ist Professorin für Organisationspsychologie an der Wayne State University. Zusammen mit ihren Kolleginnen Joy Beatty und Rosalind Joffe hat sie jetzt untersucht, ob ein Coaching chronisch kranken Mitarbeitern nützt. Ihre Ergebnisse brachte das Journal of Occupational Health Psychology.

Die Psychologinnen coachten 59 Vollzeitbeschäftigte mit chronischer Erkrankung. Sechs von ihnen hatten eine versteifende Wirbelentzündung (Spondylitis ankylosans), fünf eine Nervenkrankheit, vier chronische Muskelschmerzen (Fibromyalgie), drei Diabetes, drei multiple Sklerose, drei Gelenkentzündungen mit Schuppenflechte (Arthritis psoriatica), drei eine psychiatrische Erkrankung und drei eine Erkrankung der Speichel- und Tränendrüsen (Sjögren-Syndrom).

Sechs Coachingsitzungen, 12 Wochen lang

Das Coaching, das über einen Zeitraum von 12 Wochen ablief, umfasste sechs einstündige Telefongespräche, die alle zwei Wochen geführt wurden. Das Coaching war nicht in erster Linie auf die Krankheit gerichtet, sondern auf die tägliche Arbeit. Die Sitzungen liefen wie folgt ab:

Ressourcen und Wohlbefinden gemessen

Direkt im Anschluss an das Coaching und weitere 12 Wochen später wurde überprüft, ob das Coaching wirksam war. Dazu maßen die Psychologinnen Veränderungen hinsichtlich vier persönlicher Ressourcen (S. 390): Selbstwirksamkeit („Ich kann Hürden bei der Arbeit erfolgreich überwinden.“), Selbstbewertung („Ich bin zuversichtlich, dass ich in meinem Leben erfolgreich sein werde.“), Widerstandsfähigkeit („Ich konnte mich auf Veränderungen einstellen.“) und Optimismus („Sind Sie hoffnungsvoll, was Ihre Zukunft angeht?“). Außerdem wurden die Wohlbefindensfaktoren subjektive Arbeitsfähigkeit, Erschöpfung und Arbeitszufriedenheit erhoben.

Ein Teil der Klienten war in einer Wartekontrollgruppe. Sie wurden erst gecoacht, nachdem das 12-wöchige Coaching der Trainingsgruppe durchlaufen war. Dadurch konnte der reine Trainingseffekt ausgemacht werden. Die Ergebnisse:

Hilfreiches und stärkendes Coaching

Die Klienten fanden das Coaching hilfreich. 95 Prozent gaben an, dass ihnen das Coaching half. Ein Klient brachte es auf den Punkt (S. 393): „Es half mir dabei, meine Ziele zu bestimmen und zu erfahren, wie meine Arbeit und meine Gesundheit sich mit diesen Zielen überschneiden.“

Die persönlichen Ressourcen verbesserten sich. Drei der vier Ressourcen verbesserten sich. Die Klienten waren im Vergleich zur Kontrollgruppe nach dem Coaching widerstandsfähiger, optimistischer und bewerteten sich besser. Die Selbstwirksamkeit veränderte sich nicht. Die Ressourcen vermittelten die Wirkung des Coachings auf das Wohlbefinden.

Die Klienten fühlten sich wohler. Sie gaben nach dem Coaching an, sich arbeitsfähiger zu fühlen und weniger erschöpft zu sein. Die Arbeitszufriedenheit änderte sich nicht nennenswert.

Das Coaching wirkte auch noch 12 Wochen später. Die höheren Werte hinsichtlich der persönlichen Ressourcen und des Wohlbefindens hielten auch noch 12 Wochen nach Beendigung des Coachings an.

Zentrale psychische Ressourcen

Die Autoren fassen zusammen (S. 396):

„Ein sechs Sitzungen umfassendes Coaching war wirksam, indem es bei einer Gruppe von Personen, die Vollzeit arbeiteten und chronisch krank waren, persönliche Ressourcen verbesserte (Selbstbewertung, Widerstandsfähigkeit, Optimismus) und Belastungen abmilderte (Arbeitsunfähigkeit, Erschöpfung). Die Ergebnisse zeigen, dass Coaching die Ressourcen und das Wohlbefinden von Mitarbeitern steigert, die mit besonderen Widrigkeiten zu kämpfen haben.“

Geprüfte Fachinfos
in zwei neuen Ausgaben der Zeitschrift lesen –
mit 30% Preisvorteil.
Hier mehr erfahren.

Den psychischen Ressourcen kam dabei eine Schlüsselstellung zu. Selbstbewusstsein, Widerstandskraft und Zuversicht wurden durch das Coaching direkt verbessert. Sie stießen wiederum Veränderungen an, durch die sich die Klienten besser fühlten.

In der Coachingforschung wird häufig gefordert, Coachings mit einem „größeren Fokus auf vernachlässigte Mitarbeitergruppen“ zu entwickeln und zu testen (S. 385). Die vorliegende Studie ist eine der wenigen, in der genau das mustergültig getan wurde.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Alyssa K. McGonagle (Wayne State University), Joy E. Beatty (University of Michigan Dearborn) & Rosalind Joffe (CICoach.com, Newton, Massachusetts). (2014). Coaching for Workers With Chronic Illness: Evaluating an Intervention [Abstract]. Journal of Occupational Health Psychology, 19 (3), 385-398.

In der Ausgabe „Lernen 4.0“ steht, wie sich Mitarbeiter und Führungskräfte künftig weiterbilden können.

Die Wirtschaftspsychologie aktuell im Schnupper-Abo testen.

Den monatlichen Newsletter der Zeitschrift bestellen.

Im Archiv ab 2001 blättern.