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Lernen von Uwe P. Kanning

Lücken im Lebenslauf sagen wenig über die Persönlichkeit aus

10. September 2014

Lücken im Lebenslauf hängen nur wenig mit der Persönlichkeit zusammen. Erst wenn die Gründe der Unterbrechung bekannt sind, lässt sich etwas über die Eigenschaften einer Person sagen. Lebenslauflücken sollten daher nur eingeschränkt bei der Personalauswahl hinzugezogen werden, wie eine neue Studie zeigt.

Sind Lücken aussagekräftig?

Alle Hefte im ÜberblickUwe Kanning ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück und forscht zu Methoden der Personalauswahl. Jetzt hat er zusammen mit Florian Frank in der Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie Ergebnisse zum Zusammenhang zwischen Lücken im Lebenslauf und Persönlichkeitsmerkmalen veröffentlicht.

Wenn ein Lebenslauf Lücken enthält, sortieren Personaler die Bewerbung oft aus. Bewerbungsratgeber empfehlen, Lücken durch eine Weiterbildung oder die angebliche Pflege einer nahestehenden Person zu kaschieren. Doch sind Lebenslauflücken überhaupt aussagekräftig?

Phasen ohne Ausbildung und Arbeit

Dieser Frage gingen die beiden Psychologen nach. Lücken definierten sie als „Phasen im Leben eines Bewerbers, in denen sich die Person weder in Ausbildung noch einem beruflichen Arbeitsverhältnis“ befand (S. 156). Sie prüften, ob Lücken die Persönlichkeit vorhersagten.

Datengrundlage war eine Onlinebefragung von 1.423 Personen im Alter von 18 bis 60 Jahren. Diese machten Angaben zur Länge bisheriger Lücken, zum Grund der Lücke (Krankheit, Kinder, Wartezeit, Reise, Arbeitslosigkeit, Ausbildungsabbruch) und zur Persönlichkeit (extravertiert, gewissenhaft, sorgenvoll, erfahrungsoffen, verträglich, leistungsmotiviert, selbstkontrolliert, zielbezogen).

Lücken ohne Persönlichkeit

Lücken und Persönlichkeit hingen wenig zusammen. Je größer die Lücke im Lebenslauf, desto weniger extravertiert, gewissenhaft, leistungsmotiviert, selbstkontrolliert und zielbezogen war eine Person. Die Zusammenhänge zwischen Lebenslauflücken und Persönlichkeitseigenschaften waren aber gering. Insgesamt klärten Lücken nur maximal 2 Prozent der Persönlichkeitsunterschiede auf. Erst ab längerer Lückendauer (13 bis 24 Monate) sagte diese etwas mehr über die Persönlichkeit aus.

Wurde der Grund der Lücke berücksichtigt, waren Lücken aussagekräftiger. Größere Zusammenhänge zwischen Lücke und Persönlichkeit gab es, wenn die Gründe der Auszeit betrachtet wurden:

Auf Lücken nur eingeschränkt setzen

Die Autoren fassen zusammen (S. 160):

„Lässt sich aus diesen Ergebnissen der Schluss ziehen, dass man in der Praxis der Personalauswahl Lücken im Lebenslauf zur Vorauswahl der Kandidaten heranziehen sollte? Diese Frage kann nur eingeschränkt mit „Ja“ beantwortet werden.“

Dafür spricht, dass Aussagen möglich sind, wenn man die Gründe der Lücken kennt. Bei Bewerbern mit abgebrochener Ausbildung deutet die Lücke auf wenig Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit hin. Bei Reisenden oder Arbeitslosen lässt sich über diese Eigenschaften jedoch nichts sagen. Außerdem wäre notwendig, dass in der Bewerbung wahrheitsgemäß der Grund für die Unterbrechung steht.

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Dagegen sprechen aus Sicht der Autoren:

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Florian Frank, Uwe P. Kanning (Hochschule Osnabrück, Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften). (2014). Lücken im Lebenslauf: Ein valides Kriterium der Personalauswahl? [Abstract]. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 58 (3), 155-162.

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