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Lernen von Madelon van Hooff

Langeweile drückt die Stimmung

29. August 2014

Langeweile bei der Arbeit drückt die Stimmung und führt dazu, dass man sich ablenkt, Kollegen anschwärzt oder Gegenstände entwendet. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie niederländischer Psychologen. Langeweile kann durch gezielte Arbeitsgestaltung unterbunden werden.

Langeweile: Gefühl und Verhalten

Alle Hefte im ÜberblickMadelon van Hooff ist Psychologieprofessorin an der Radboud-Universität Nijmegen. Zusammen mit Edwin van Hooft hat sie im Journal of Occupational Health Psychology eine Studie zur Langeweile bei der Arbeit veröffentlicht.

Ausgangspunkt war, dass Gefühle und Verhaltensweisen, die mit Langeweile zusammenhängen, in bisherigen Studien nicht sauber getrennt wurden. Außerdem waren die Folgen der Langeweile fraglich.

Die Forscher unterschieden daher arbeitsbezogene Langeweile als negatives, lähmendes Gefühl und gelangweiltes Verhalten als Folge der Langeweile, z.B. sich ablenken lassen.

Sie ließen 189 Beschäftigte zwei Online-Fragebögen ausfüllen. Dabei wurden Langeweile, gelangweiltes Verhalten, mögliche negative Auswirkungen (gedrückte Stimmung, unternehmensschädigendes Verhalten) und konstruktive Gegenmaßnahmen der persönlichen Arbeitsgestaltung abgefragt. Es zeigte sich, dass sich Langweile deutlich negativ aufs Arbeiten auswirkte.

Schädliche Langeweile, vorteilhafte Arbeitsgestaltung

Langeweile und gelangweiltes Verhalten unterschieden sich. Langeweile („Ich langweile mich häufig bei meiner Arbeit.“) und gelangweiltes Verhalten („Ich mache ausgedehnte Pausen. […] Ich gehe Aktivitäten nach, die nichts mit meiner Arbeit zu tun haben.“) konnten unterschieden werden (S. 352). Ersteres betraf das Gefühl, Letzteres konkrete Tätigkeiten. Langeweile und Verhalten waren zwar unterschiedlich, hingen jedoch deutlich zusammen.

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Langeweile führte zu Niedergeschlagenheit und schädigendem Verhalten. Langeweile ging mit gedrückter Stimmung („Ich bin traurig.“) und unternehmensschädigendem Verhalten („Einen Kollegen für eigene Fehler verantwortlich machen. […] „Gegenstände oder Waren mitgehen lassen.“) einher. Eine Schlüsselstellung hatte dabei das gelangweilte Verhalten, das die Beziehung zwischen gefühlter Langeweile und Schwermut/Delinquenz vermittelte.

Arbeitsgestaltung wirkte Langeweile entgegen. Zwei Formen der persönlichen Arbeitsgestaltung konnten die negativen Auswirkungen der Langeweile unterbinden:

Beides führte dazu, dass man weniger gelangweilt war, sich seltener ablenkte, weniger melancholisch war, weder Kollegen anschwärzte noch Eigentum des Unternehmens entwendete.

Langeweile bekämpfen

Ausgehend von ihren Ergebnissen appellieren die Autoren an Arbeitgeber, Langweile zu vermeiden oder gezielt zu bekämpfen (S. 357):

„Vom praktischen Standpunkt her zeigen unsere Ergebnisse, dass selbst ein relativ niedriger Grad an arbeitsbezogener Langeweile, wie er bei unserer Stichprobe zu beobachten war, ungünstige Folgen für Mitarbeiter (z.B. gedrückte Stimmung und Leiden) und Unternehmen (z.B. unternehmensschädigendes Verhalten) hat. Daher ist es wichtig, dass Arbeitgeber Jobs so gestalten, dass sie Langeweile vorbeugen, z.B. indem häufige Wiederholungen und Monotonie vermieden oder Aufgaben gezielt erweitert sowie angereichert werden.“

In der Studie zeigte sich, dass schon eine niedrigschwellige Arbeitsgestaltung, die vom Mitarbeiter ausging, Langeweile bei der Arbeit und ihre unvorteilhaften Folgen eindämmte.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Madelon L. M. van Hooff (Radboud University Nijmegen) & Edwin A. J. van Hooft (University of Amsterdam). (2014). Boredom at Work: Proximal and Distal Consequences of Affective Work-Related Boredom [Abstract]. Journal of Occupational Health Psychology, 19 (3), 348–359.

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