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Lernen von Paul Silvia

Wer glücklich ist, wird kreativ

19. August 2014

In einer neuen Studie zur Alltagskreativität fanden US-amerikanische Psychologen heraus, dass gute Gefühle, Offenheit und Gewissenhaftigkeit die augenblickliche Schöpferkraft steigern.

Kreativität im kleinen Stil

Alle Hefte im ÜberblickPaul Silvia ist Psychologieprofessor an der University of North Carolina at Greensboro. Zusammen mit Kollegen hat er nun eine Studie zur Alltagskreativität durchgeführt, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts.

Mit Alltagskreativität (Everyday Creativity oder „little c“) sind Tätigkeiten gemeint, denen viele Menschen nachgehen und die neuartige Ergebnisse in kleineren Stil bringen, also keine bahnbrechenden schöpferischen Leistungen („Big C“) darstellen. Beispiele: seine eigenen Tätigkeiten im Büro neu organisieren, schreiben oder zeichnen im Skizzenbuch, mit Freunden musizieren, kreative Reparaturen im Haushalt (etwa aus Isolierband eine Skulptur formen).

Achtmal am Tag angerufen

Die Forscher fragten sich: Was bedingt diese „kleine Kreativität“? Sie führten dazu eine einwöchige Befragung durch, bei der die Teilnehmer achtmal pro Tag zu zufälligen Zeiten übers Handy angerufen wurden und kurz angeben mussten, ob sie gerade kreativ waren und wie sie sich fühlten.

Diese sogenannte Erlebnismethode hatte den Vorteil, dass die Befragung unmittelbar im Alltag stattfand und nicht zeitversetzt im Labor, womit falsche Erinnerungen ausgeräumt werden konnten. 79 Studenten nahmen an der Untersuchung teil, die zu Beginn auch noch einen Persönlichkeitsfragebogen ausfüllten. Was kam heraus?

Positiver Verbund: Glück, Offenheit und Kreativität

Glückliche und Aktive waren im Alltag kreativ. Diejenigen, die in den täglichen Blitzbefragungen angaben, gerade „glücklich“ oder „aktiv“ zu sein, gingen auch einer kreativen Tätigkeit nach.

Offenheit und Gewissenhaftigkeit gingen mit Kreativität einher. Die einzigen Persönlichkeitseigenschaften, die die momentane Schöpferkraft zu verschiedensten Tageszeiten vorhersagten, waren Offenheit (sich für viele Themen und Aktivitäten interessieren) und Gewissenhaftigkeit (zielstrebig und genau handeln).

Negative Gedanken und Gefühle hingen nicht mit Kreativität zusammen. Negative Eigenschaften (z.B. eine Tendenz zum ängstlichen Grübeln) oder negative Gefühle („ängstlich“, „wütend“ oder „traurig“) waren statistisch gesehen nicht an die augenblickliche Kreativität gekoppelt.

Eine gute Atmosphäre als Ideengeber

Die Ergebnisse bestätigen die Annahme der Kreativitätsforscherin Ruth Richards, Alltagskreativität sei ein Zustand positiver Entwicklung, der mit guten Gefühlen, Selbsteinsicht, Wissenszuwachs und Beziehungsgestaltung einhergehe. Die Autoren zitieren Richards und schlussfolgern (S. 187):

„Unsere Momentaufnahme ist ein starker Beleg für Richards‘ Sicht auf die Alltagskreativität, die wichtige psychologische Stärken im Gefolge gewöhnlicher kreativer Tätigkeiten betont.“

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Für die Kreativität im Arbeitsalltag könnte dies bedeuten, dass Wert auf eine gute Atmosphäre und Arbeitszufriedenheit gelegt werden sollte. Das würde den Einfallsreichtum der Mitarbeiter befördern.


© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Paul J. Silvia, Roger E. Beaty, Emily C. Nusbaum, Kari M. Eddington, Holly Levin-Aspenson & Thomas R. Kwapil (University of North Carolina at Greensboro). (2014). Everyday Creativity in Daily Life: An Experience-Sampling Study of “Little c” Creativity [Abstract]. Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts, 8 (2), 183-188.

Die Kreativitätsforscherin Simone Ritter gibt in einem Interview Tipps, wie man kreativer wird.

Wer konstruktiv nachdenkt, wird kreativ. Wer grübelt, wird depressiv.

In der neuen Ausgabe „Potenziale erkennen“ schreiben Personalexperten darüber, wie man seine Stärken erkennt und diese kreativ ausbauen kann.

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