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Lernen von Gergana Todorova

Sanfte Konflikte beleben

18. Juni 2014

Sanfte Konflikte, bei denen offen diskutiert wird, führen zu einem besseren Austausch von Informationen, zu mehr Freude und Arbeitszufriedenheit. Starke Konflikte hingegen, bei denen verbissen gestritten wird, blockieren den Informationsaustausch und machen unzufrieden. Das sind neue Ergebnisse zur Frage, ob Konflikte wirklich vorteilhaft sein können.

Sanfte und starke Konflikte untersucht

Die Organisationspsychologin Gergana Todorova ist Assistenzprofessorin an der Universität Miami und forscht zu Konflikten. Zusammen mit Kolleginnen hat sie jetzt eine Studie zu positiven Folgen von Konflikten durchgeführt. Veröffentlicht ist sie in der jüngsten Ausgabe des Journal of Applied Psychology.

In der Studie ging es um Aufgabenkonflikte. Damit sind Meinungsverschiedenheiten zwischen Teammitgliedern hinsichtlich der Aufgabeninhalte gemeint. Sie können sich in unterschiedlichen Gedanken, Meinungen und Standpunkten ausdrücken.

Was das Verhalten bei Aufgabenkonflikten angeht, unterscheiden die Forscherinnen zwischen sanften und starken Konflikten. Bei sanften Konflikten wird diskutiert, man äußert seine Meinung und hört dem anderen zu. Bei starken Konflikten geraten Mitarbeiter aneinander, verteidigen vehement ihre Meinung und gehen weniger auf den anderen ein. Die Psychologinnen nahmen an, dass diese Intensität des Konfliktverhaltens bestimmte, ob Mitarbeiter von einer Auseinandersetzung profitierten oder darunter litten.

232 Mitarbeiter eines Pflegedienstes befragt

Um diese Annahme zu testen, befragten sie 232 Mitarbeiter eines US-amerikanischen Pflegedienstes, der Dienstleistungen für Senioren anbietet (z.B. betreutes Wohnen, Palliativpflege, Hilfe bei Demenz). Im Fragebogen machten die Krankenschwestern, Pfleger, Sachbearbeiter oder Mitarbeiter des Essensdiensts Angaben zu folgenden Größen, die sie mit einer Skala von 1 („ich stimme überhaupt nicht zu“) bis 7 („ich stimme voll und ganz zu“) einschätzten (S. 466):

Ergebnis: Gute Laune dank sanfter Konflikte

Sanfte Konflikte begünstigten den Informationsaustausch. Wenn die Mitarbeiter ihre unterschiedlichen Meinungen offen diskutierten (sanfte Konflikte), bekamen sie viele neue Informationen. Wenn sie stritten und aneinander gerieten (starke Konflikte), erhielten sie weniger neue Informationen.

Der bessere Informationsaustausch machte zufrieden. Der Informationsaustausch bei sanften Konflikten setzte eine positive Kaskade in Gang. Er führte dazu, dass Mitarbeiter sich mehr für ihr Gegenüber interessierten, sich dadurch besser fühlten, was sich wiederum in einer höheren Arbeitszufriedenheit niederschlug. Die Informationsblockade bei starken Konflikten ging mit weniger positiven und mehr negativen Gefühlen einher und bewirkte, dass die Mitarbeiter unzufrieden wurden.

Lernatmosphäre und Teamvielfalt steigerten die gute Laune. Schließlich gab es noch zwei Kontextfaktoren: Lernatmosphäre und Teamvielfalt. Wenn den Arbeitsgruppen die Werte stetigen Lernens und konstruktiven Feedbacks hochgehalten wurden, wirkten sanfte Konflikte besonders positiv, was Stimmung und Arbeitszufriedenheit anging. Ebenso war ein offener Meinungsaustausch besonders vorteilhaft, wenn er sich zwischen Kollegen ergab, die unterschiedliche Aufgaben hatten.

Konflikte positiv sehen

In der Forschung wird schon lange darüber gerätselt, ob Konflikte wirklich gut sein können. Große Übersichtsstudien kamen immer zu uneindeutigen Ergebnissen, wonach es zwischen Konflikten und positiven Folgen einen Nullzusammenhang gab. Die Forscherinnen klären diesbezüglich mit ihrer neuen Studie auf: es könnte an der Konfliktstärke liegen. Sanfte Konflikte machen glücklich, starke Konflikte ziehen die Mitarbeiter hingegen herunter.

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Gergana Todorova leiten von ihren Ergebnissen folgende Regeln ab, die Führungskräfte beherzigen sollten (S. 463):

Manager sollten Konflikte positiv sehen und diese Sichtweise an ihre Mitarbeiter weitergeben. Außerdem muss allen der Unterschied zwischen offener Diskussion und aufwühlendem Streit klar sein:

„Konflikte gelten in Unternehmen oft als Schimpfwort. Führungskräfte können ihren Mitarbeitern jedoch dabei helfen, sich auf den nützlichen Informationsaustausch und die guten Gefühle zu konzentrieren, die sich aus sanften Konflikten ergeben.“

Schließlich sollten Manager ihren Beschäftigten Raum zum Lernen geben. Dazu gehört, Fehler machen zu dürfen, darüber zu reden und sich gegenseitig zu unterstützen:

„Führungskräfte sollten Diskussionen und den Austausch verschiedener Meinungen innerhalb einer anregenden Lernumgebung anstoßen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Gergana Todorova, Julia B. Bear & Laurie R. Weingart (2014). Can conflict be energizing? A study of task conflict, positive emotions, and job satisfaction [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 99(3), 451-467.

Positive Gedanken und Gefühle stehen im Übersichtsartikel zur selbstgesteuerten Glückssteigerung von Stephen Schueller und Acacia Parks im Mittelpunkt.

Positives Denken verleitet aber auch dazu, sich weniger anzustrengen. Das kann zu Arbeitslosigkeit und sinkenden Aktienindizes führen, wie ein Forscherteam um A. Timur Sevincer nachgewiesen hat.

Konflikt- und Konkurrenzverhalten evolutionspsychologisch betrachtet: Männer mit geringer Paarungschance sind altruistisch, Männer mit höherer Paarungschance hingegen egoistisch.

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