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Lernen von Michael Schredl

Häufig träumt man von Beruflichem

5. Juni 2014

Ein Forscherteam um den Mannheimer Psychologen Michael Schredl hat in einer großen Online-Befragung die häufigsten Traumthemen ermittelt. Berufsbezogene Themen wie „etwas wieder und wieder versuchen“ oder „zu spät kommen“ lagen dabei auf den vorderen Rängen. In Träumen wird nach Ansicht der Forscher das fortgeführt und verarbeitet, was man tagsüber erlebt.

2.893 Träume analysiert

Der Psychologe und Traumforscher Michael Schredl leitet das Schlaflabor am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, einem Krankenhaus und Forschungsinstitut in Mannheim. Zusammen mit Jonas Mathes und Anja Göritz hat er eine Online-Studie zu den häufigsten Traumthemen durchgeführt, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Dreaming.

An der Studie nahmen 2.893 Personen mit einem Durchschnittsalter von 34 Jahren teil. Sie beschrieben online ihren zuletzt erlebten Traum. Im Traumbericht sollten die Umgebung, die auftretenden Charaktere und Gefühle genannt werden, außerdem der Zeitpunkt des Traums.

Dann ordneten die Forscher die Träume 56 Traumthemen des Typical Dream Questionnaire (TDQ) zu, z.B. „fallen“ oder „zu spät kommen.“ Ein Traum konnte mehreren Themen zugewiesen werden. Außerdem wurden Geschlechtsunterschiede bestimmt. Wovon träumten die meisten?

Traumthemen mit beruflichem Bezug

Träume lagen eine Woche zurück. Die meisten Träume, über die die Befragten berichteten – 79 Prozent –, wurden in der Woche vor der Onlinebefragung erlebt. Die Erinnerung an den Traum dürfte also einigermaßen genau gewesen sein.

Häufige Traumthemen hatten Bezug zu Arbeit und Beruf. Unter den 10 häufigsten Traumthemen befanden sich an vorderster Stelle welche mit beruflichem Bezug und zwar auf den Rangplätzen 2, 5, 6, 20 und 28:

Die Rangliste stimmte damit einigermaßen gut mit anderen internationalen Studien mit kanadischen, US-amerikanischen, japanischen, chinesischen und deutschen Träumern überein, in denen sich fast übereinstimmend folgende acht vorderste Ränge ergaben: 1) Schule und Studium, 2) verfolgt werden, 3) fallen, 4) zu spät kommen, 5) sexuelle Erlebnisse, 6) eine lebende Person ist tot, 7) fliegen, 8) eine Prüfung nicht bestehen.

Männer träumten häufig von Geld, Frauen von Personen. Männer träumten häufiger als Frauen davon, Geld zu finden, die Kontrolle über ein Fahrzeug zu verlieren oder von sexuellen Erlebnissen. Frauen träumten häufiger als Männer von toten/lebenden Personen, die im Traum lebten/tot waren.

Kontinuum zwischen Wachen und Träumen

Den Forschern zufolge lassen sich die Traumthemen am besten mit der Annahme eines Kontinuums zwischen Wachen und Träumen erklären. Danach wird im Traum das fortgeführt und verarbeitet, was man tagsüber erlebt (S. 65):

„Die einfachste Erklärung ist, dass [die Träume] typische Erlebnisse widerspiegeln, die man im Wachzustand hat. Zum Beispiel ist das Träumen verfolgt zu werden davon gekennzeichnet, dass jemand oder etwas große Angst einflößt und das Traum-Ich davor wegläuft. Wenn man dieses Traummuster in einen psychologischen Begriff fasst, kann es ‚Vermeidungsverhalten‘ genannt werden, das wahrscheinlich auf viele Menschen zutrifft.“

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Interessant ist, dass die Forscher bei dieser Erklärung einen Umweg vom manifesten Trauminhalt (verfolgt werden) über einen latenten Inhalt (etwas vermeiden wollen) gehen, womit man bei einer Annahme von Sigmund Freud wäre, unterschwellige Themen würden im Traum zu erkennbaren verdichtet. Auch die häufigen Traumthemen „fliegen“ oder „fallen“ bräuchten zusätzliche Erklärungen als nur das tagsüber Erlebte.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Jonas Mathes, Michael Schredl (Medical Faculty Mannheim/Heidelberg University) & Anja S. Göritz (University of Freiburg). (2014). Frequency of Typical Dream Themes in Most Recent Dreams: An Online Study (Abstract). Dreaming, 24 (1), 57-66.

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