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Lernen von Tim Gard

Yoga und Meditation erhalten im Alter die Denkkraft

3. Juni 2014

Wer lange Jahre Yoga übt oder meditiert, erhält im Alter seine Denkkraft. Das legen Gehirnscans nahe, die ein US-amerikanisches Forscherteam aufgenommen hat. Ältere Yoga-Praktizierende und Meditierende konnten schneller denken. Sie hatten auch dichtere und robustere neuronale Netze als Nichtübende. Ein entscheidender Faktor war dabei die täglich geübte Achtsamkeit, die mit guter Gehirnleistung einherging.

47 Gehirne vermessen

Tim Gard ist Psychologe am Massachusetts General Hospital der Harvard Medical School. Zusammen mit Kollegen hat er jetzt untersucht, wie Yoga, Meditation und Denkkraft im Alter zusammenhängen. Die Ergebnisse wurden in der Open-Access-Fachzeitschrift Frontiers in Aging Neuroscience veröffentlicht.

Die Forscher schoben 16 Langzeit-Yoga-Übende (durchschnittlich über 13.000 Übungsstunden in Kripalu-Yoga), 16 Langzeit-Meditierende (durchschnittlich rund 10.000 Übungsstunden in Achtsamkeitsmeditation) und 15 Nichtpraktizierende in einen Magnetresonanztomographen, mit dem die Gehirnaktivität gemessen wurde.

Außerdem absolvierten die Teilnehmer einen Test zur flüssigen Intelligenz, womit schnelles Denken und gute Aufmerksamkeit gemeint waren. Sie füllten auch noch einen Fragebogen zur achtsamen Wahrnehmung aus. Waren Yoga- und Meditationsschüler im Alter schlauer als Nichtübende?

Denkkraft dank täglicher Achtsamkeit

Flüssige Intelligenz nahm langsamer ab. Bei langjährigen Yoga-Praktizierenden und Meditierenden nahm die flüssige Intelligenz (Aufmerksamkeit, schnelles Denken, Gedächtnis) im Alter langsamer ab als bei Nichtpraktizierenden. Die geringsten Intelligenzeinbußen hatten die Yoga-Adepten.

Neuronale Netze waren stärker verknüpft. Yoga-Übende und Meditierende hatten verglichen mit Nichtübenden neuronale Netze, die stärker miteinander verknüpft waren. Die dichtesten Netze hatten die Yoga-Praktizierenden.

Neuronale Netze waren widerstandsfähiger. Die Nervennetze von Yoga-Trainierten und Meditierenden waren gegenüber Verletzungen widerstandsfähiger als jene von Nichtübenden. Die robustesten Netze hatten Yoga-Übende.

Achtsamkeit ging mit einem gut funktionierenden Gehirn einher. Je achtsamer eine Person war („Die meisten Dinge erledige ich nicht in Eile, sondern schenke ihnen meine Aufmerksamkeit.“), desto geschwinder konnte sie denken, desto dichter und unverwüstlicher waren ihre Schaltkreise im Gehirn.

Intelligenz ist einerlei

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Die Forscher sagen, dass „diese Ergebnisse eine mögliche praktische Bedeutung bei einer schnell alternden Weltbevölkerung und ansteigenden Lebenserwartung haben.“ Man ist also geneigt, den Befund sogleich dem Leistungsgedanken zu unterwerfen, damit Senioren geistig rege bleiben.

Doch die rechte Mediationshaltung erinnert daran: Achtsamkeit hat keinen Zweck. Scharfsinn ist einerlei. Der Leistungsgedanke zieht einfach vorüber.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Tim Gard, Maxime Taquet, Rohan Dixit, Britta K. Hölzel, Yves-Alexandre de Montjoye, Narayan Brach, David H. Salat, Bradford C. Dickerson, Jeremy R. Gray & Sara W. Lazar (2014). Fluid intelligence and brain functional organization in aging yoga and meditation practitioners. Frontiers in Aging Neuroscience, April 2014, Volume 6, Article 76.

Gedanken, die wenig nützen, besprechen Martin Sauerland und Günter F. Müller in der Ausgabe „Leadership und Persönlichkeit.“ Mit einer achtsamen Haltung erkennt man sie und lässt von ihnen los.

Wer im anstrengenden Job achtsam war oder sich Achtsamkeit antrainierte, war weniger erschöpft und mit seinem Beruf zufriedener, so eine Studie von Ute Hülsheger.

Achtsamkeit dämpft die Wirkung von positivem Feedback, nicht aber – was hilfreicher wäre – von negativem Feedback. Achtsamkeit bringt einen damit womöglich um den Genuss.

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